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Frauen arbeiten bis heute gratis

In Österreich herrscht noch immer keine absolute Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern. Das beweist einmal mehr der „Equal Pay Day“ – 2022 fällt er auf den 15. Februar.

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit? Die Realität sieht anders aus: Frauen verdienen in Österreich im Schnitt noch immer 12,7 % weniger als männliche Kollegen in gleicher Position. Das zeigen Berechnungen des Frauennetzwerks Business and Professional Women (BPW). Um diesen Einkommensunterschied deutlich zu machen, begeht das Netzwerk seit 2009 jährlich den sogenannten „Equal Pay Day“. Dieser steht statistisch gesehen für jenen Tag im Jahr, bis zu dem Frauen – im Gegensatz zu Männern – unbezahlt arbeiten.

In der Gesellschaft wird diese Ungerechtigkeit oft verleugnet oder mit der hohen Teilzeitquote von Frauen gerechtfertigt. Das stimmt so nicht. Die Einkommenslücke resultiert aus dem Vergleich von ganzjährig vollbeschäftigten Frauen und Männern aus den Bereichen ArbeiterInnen, Angestellte, Vertragsbedienstete und BeamtInnen. Teilzeitbeschäftigung ist demnach kein Argument für diese Differenz.

Der Equal Pay Day 2022 fällt auf den 15. Februar

Heuer fällt der Aktionstag auf den 15. Februar 2022. Auf das Jahr gerechnet bedeutet das, dass Frauen die ersten 46 Tage „gratis“ beschäftigt sind – sechs trügerische Tage weniger als im Vorjahr: „Der Equal Pay Day vergleicht nur Frauen und Männer in Vollbeschäftigung. Das dürfen wir bei aller ‚Freude‘ nicht vergessen“, sagt Cornelia Pessenlehner, Präsidentin von BPW Austria. „Alle Frauen, die in Teilzeit arbeiten, durch die Krise noch weniger Stunden in Beschäftigung sind oder ihre Arbeit verloren haben, sind hier nicht abgebildet.“

… oder etwa doch nicht?

Auch jene, die im Job Stunden reduziert oder ihren Beruf ganz aufgegeben haben, um Familie und Homeschooling zu managen, führen ein Schattendasein, insbesondere in dieser Statistik. So liege der Pay Gap in Wahrheit überhaupt bei ganzen 36 Prozent, wie das Momentum Institut vorrechnet. Der tatsächliche Equal Pay Day fiele damit erst auf den 10. Mai dieses Jahres.

 

COVID-19 hat zu strukturellen Veränderungen am Arbeitsmarkt geführt. Kurzarbeit, Homeschooling und andere Faktoren haben vor allem die Berufstätigkeit von Frauen belastet!
Cornelia Pessenlehner

Größter Einkommensunterschied bei den Angestellten

Besonders offensichtlich zeigt sich die Einkommensschere unter Angestellten: So verdienen weibliche Angestellte im Schnitt ganze 29,9 Prozent weniger als angestellte Männer. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Arbeiterinnen – sie verdienen durchschnittlich 26,9 Prozent weniger. Das wirkt sich nicht nur auf den Kontostand und die Lebensqualität aus, sondern auch langfristig auf die Pension.

Wie lässt sich die Lohnschere schließen?

Transparenz wäre dabei eines der wichtigsten Instrumente auf dem Weg zur Entgeltgleichheit. Unternehmen, die dauerhaft mehr als 150 Mitarbeiter beschäftigen, stehen bereits jetzt in der Pflicht, jährliche Einkommensberichte zu erstellen. Diese sorgen für Lohntransparenz.

Klein- und Mittelbetriebe bleiben dabei außen vor, obwohl sie die größte Gruppe der ArbeitgeberInnen darstellen. „Da muss von der Regierung nachgebessert werden, um die innerbetriebliche Entgelttransparenz flächendeckend herzustellen“, lautet deshalb die Forderung des Frauennetzwerks.

Lohngleichheit – weitere Forderungen von ExpertInnen des Österreichischen Frauenrings:

  • Einführung eines Lohntransparenzgesetzes
  • verbindliche Frauenförderpläne
  • Sanktionen für Betriebe bei echter Einkommensdiskriminierung
  • Angabe des zugehörigen Kollektivvertrages in Stellenausschreibungen
  • Neubewertung der Arbeit in klassisch „weiblichen“ Beschäftigungsfeldern
  • Rechtsanspruch auf ganztägige Kinderbetreuung ab dem 1. Lebensjahr
  • Ausbau der Ganztagsschulen

Mehr zum Thema finanzielle Gesundheit finden Sie außerdem in der „Welt der Frauen“-Ausgabe März 2022. Hier können Sie das Einzelheft bestellen.

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