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Gehalt verhandeln: So geht’s

Die Gehälter von Frauen liegen immer noch deutlich unter jenen von Männern. Frauen können Verschiedenes tun, um endlich zu bekommen, was sie verdienen. Tipps von Expertinnen zu den fünf wichtigsten Fragen.

 

Gut bezahlter Job – woran misst man das?

Der Verdienst hängt unter anderem von der Branche ab: Typische Frauenberufe sind relativ schlecht bezahlt.

Knapp 16 Prozent* weniger Gehalt bekommen Frauen im Vergleich zu Männern. Werden alle und nicht nur Vollerwerbsgehälter miteinander verglichen, liegt der Einkommensunterschied sogar bei fast 38 Prozent. „Ein Grund dafür ist die Verteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit“, erklärt Hannah Steiner, Expertin für Einkommensgerechtigkeit und Koordinatorin im „Netzwerk österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen“. „Immer noch sind vor allem Frauen für Haushalt, Kinderbetreuung und die Betreuung älterer Familienangehöriger zuständig. Sie unterbrechen deshalb oft ihre Berufslaufbahn und arbeiten danach häufig in Teilzeit.“ Daraus entwickelt sich – gehaltstechnisch – eine Spirale nach unten: Die Pensionsansprüche sinken, die Chancen auf berufliches Fortkommen ebenso.

Hinzu kommt, dass die Arbeit von Männern und Frauen bis heute unterschiedlich bewertet wird. „Je typischer der Frauenberuf, umso mehr ist er vom Gehaltsschema her ein Zuverdienstberuf“, betont Maria Embacher, die als zertifizierte Coachin, Wirtschafts- und Kommunikationstrainerin in Salzburg tätig ist. Ob im Pflegebereich oder Einzelhandel, bei Büro- oder Küchenhilfskräften: Die Entlohnung ist gering, das Angebot an flexiblen Arbeitsmöglichkeiten groß. Männer sind meist Vollzeit und öfter in den besser bezahlten technischen Berufen beschäftigt, auch erhalten sie häufiger verantwortungsvollere Aufgaben. „Untersuchungen in Banken zeigen, dass Männer, selbst Berufsanfänger, eher an Stellen eingesetzt werden, die von vornherein besser bezahlt sind. Frauen kommen hinter den Schalter, Männer ins Risikomanagement“, weiß Embacher. Typisch männliche Lehrberufe wie Maschinenbauer oder Schlosser sind von Anfang an besser bezahlt als typisch weibliche. Dennoch entscheiden sich immer noch fast 50 Prozent der Mädchen für eine Ausbildung zur Stylistin, Büro- oder Einzelhandelskauffrau. Wünschenswert wäre, wenn sie ein größeres Spektrum von Berufen in Betracht zögen, sagt Steiner. „Daneben sollten wichtige Berufe, in denen viele Frauen beschäftigt sind – von der Altenpflegerin bis zur Reinigungskraft –, monetär aufgewertet werden.“ (* Quelle: Statistik Austria)

Geld – ein Tabuthema in Beziehungen?

In Beziehungen wird das Thema „Geld“ oft vermieden. Kommt es auf den Tisch, bringt das Klarheit und Sicherheit.

Schon beim Eingehen von Ehe und Lebensgemeinschaft sollte man gemeinsam überlegen, was diese Lebensform finanziell und rechtlich bedeutet“, empfiehlt Bettina ­Zehetner, psychosoziale Beraterin bei „Frauen* beraten Frauen*“ in Wien (frauenberatenfrauen.at). „Es wäre wünschenswert, dass Finanzfragen auch Thema in Ehevorbereitungskursen sind“, ergänzt Maria Embacher, die an Paare appelliert: „Enttabuisiert das Thema ,Geld‘ und redet offen darüber!“ Wird mit dem Thema „Geld“ fair umgegangen, wachsen Klarheit und Sicherheit. Auch im beruflichen Kontext fällt es dann leichter, Finanzielles anzusprechen und sich zu behaupten. „Werden die Finanzen gemeinsam verwaltet, ist es im Interesse eines Paares, gemeinsam mehr zu bekommen“, ergänzt Embacher. Wurden Fragen zu Finanzen nicht geklärt, wird das spätestens bei einer Trennung oder Scheidung zum Problem; Frauen sind besonders armutsgefährdet. „Dann entsteht ein starkes Ungleichgewicht, auch weil sich Frauen selbst zu wenig zugestehen und für sich fordern“, beobachtet Zehetner. Eigentlich sieht das Eherecht klare Unterhaltsansprüche für jenen Elternteil vor, der mehr Sorgearbeit geleistet hat. Das sind typischerweise weiterhin vor allem Frauen, die in Familien viel unbezahlte Arbeit leisten.

Zehetner gibt jenen Frauen, die den Wert ihrer unbezahlten Arbeit gering schätzen, zu denken: Was hätte es gekostet, wenn jemand anderer diese Tätigkeit gegen Bezahlung hätte übernehmen müssen? Was hätte der Ehemann/Lebensgefährte nicht verdienen können, hätte er seinen Teil übernehmen müssen?

Allerdings: Aufgrund verkrusteter Strukturen am Arbeitsmarkt werden oft selbst fortschrittlich eingestellte (Jung-)Familien auf die typische Rollenverteilung zurückgeworfen. Das Paar kann dann versuchen, einen Ausgleich herzustellen, indem es sich die Karenzzeiten teilt und abwechselnd in Teilzeit arbeitet. Oder man vereinbart ein Pensionssplitting, bei dem die Pensionsbeiträge des Mehrverdieners für den betreffenden Zeitraum halbiert werden. Dies sollte eine vorübergehende Maßnahme bleiben, betont Hannah Steiner. „Auf Dauer werden dadurch die Rollen zementiert.“

 

Das optimale Timing? Der richtige Ton?

Verhandlungsexpertin Ingeborg Rauchberger (verhandlungserfolg.at) erklärt, worauf es bei einem erfolgreichen Gehaltsgespräch ankommt.

Wie viel „dürfen“ Frauen verlangen?
Ingeborg Rauchberger:
Wie Männer auch dürfen sie das verlangen, was sie für den gerechten Ausgleich ihrer Leistungen halten. Wie viel das ist, kommt auf ihre Position, die übernommene Verantwortung oder den Erfolg an, den sie vorzuweisen haben. Sicher ist es klug, vorab herauszufinden, wie viel jemand in einer vergleichbaren Lage verdient. Frauen sollten sich dabei immer mit Männern vergleichen. In der Regel wird eine Erhöhung von vier bis sieben Prozent realistisch sein.

Gibt es ein richtiges Timing, um eine Gehaltsanpassung zu fordern?
Der richtige Zeitpunkt ist immer dann, wenn eine Frau etwas Besonderes geleistet hat. Sei es, dass sie ein außergewöhnlich gutes Geschäft abgeschlossen, Schaden abgewendet oder durch eine gute Idee die Abläufe verbessert hat. Außerdem immer dann, wenn sie in Zukunft mehr Verantwortung oder ein größeres Arbeitspensum übernehmen soll. Es ist wichtig, dass sie dafür gesorgt hat, dass die Chefetage weiß, wem sie den Erfolg zu verdanken hat, und dass der Termin zeitnah vereinbart wird. Die Frau sollte immer beachten: Sie ist keine Bittstellerin. Sie hat etwas geleistet und fordert nun nicht mehr als den gerechten Ausgleich.

Was ist der richtige Ton und wie reagiert man, wenn das Gegenüber emotional wird?
Der richtige Ton ist freundlich, höflich, respektvoll und bestimmt. Es ist immer gut, sachlich zu bleiben, wenn die oder der andere emotional wird. Allerdings: Warum sollte der Vorgesetzte überhaupt emotional werden, wenn die Frau eine berechtigte Forderung stellt? Vielleicht tut er nur so, um sie einzuschüchtern. Dann kann sie sich innerlich zurücklehnen und denken: „Ich durchschaue dich!“ Das hilft beim Gelassenbleiben und dabei, die Forderung zu wiederholen.

Wie reagiert man auf Aussagen wie „Maria verdient auch nicht mehr“?
Da muss die Frau klarstellen, dass sie nicht für andere spricht, sondern dass es hier ausschließlich um sie geht. Sehr beliebt ist es, Frauen bei der Ehre zu packen: „Es enttäuscht mich, dass Sie so unbescheiden/geldgierig/egoistisch sind!“ Am besten ist es, sich auf keine Diskussion einzulassen, was man ist, sondern darüber, was man will.

Was tun, damit die Verhandlung nicht beim „Nein“ endet?
Man sollte damit rechnen, dass ein „Nein“ kommt. Davon darf man sich nicht beirren lassen. Verglichen mit einem Boxkampf ist das „Nein“ nicht der K. o., sondern das Einläuten der nächsten Runde.

Wann darf man wieder „anklopfen“?
Das hängt von der Branche, der Firmenphilosophie und dem Arbeitsumfeld ab. Meist wird schon ein Jahr vergehen müssen.

Ein abschließender Tipp?
Frauen sollten sich nie fürchten, dass sie in der Achtung fallen, wenn sie mehr Gehalt verlangen. Im Gegenteil: Wie sollen die Vorgesetzten wissen, dass Sie sich für die Belange der Firma starkmachen, wenn Sie das nicht einmal für ihre eigenen tun?

 

Mehr dazu finden Sie in der Printausgabe.

Erschienen in „Welt der Frauen“ 03/19

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