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Wechseljahre – na und?

Wie kommen wir gut durch die Wechseljahre? Betrifft das jede Frau? Und: Muss frau sich vor diesen Jahren fürchten? Ein Blick auf ein lange als Tabu geltendes Thema.

1. Kommt jede Frau in die Wechseljahre?

Wechseljahre gehören zu den fixen Phasen im Leben einer Frau. „Die Hormonumstellung betrifft jede“, sagt Hildegard Aman-Habacht, die sich als Coachin auf das Thema spezialisiert hat. „Manche Frauen merken es aber nicht.“ Rund 1,3 Millionen Österreicherinnen sind zwischen 40 und 60 Jahre alt – also im Klimakterium, wie die Wechseljahre medizinisch genannt werden, oder sie haben sie schon hinter sich. Etwa 80 Prozent der Frauen leiden unter Beschwerden, 25 Prozent unter schweren Symptomen.

2. Was passiert da in meinem Körper?

Der Körper baut um von fruchtbar zu unfruchtbar – „also so etwas wie eine umgekehrte Pubertät“, sagt Hildegard Aman-Habacht. „Unsere Fortpflanzung geht in Ruhestand.“ Mit dem Start der Wechseljahre beginnen die Eierstöcke, langsam ihre Hormonproduktion (Östrogen und Progesteron) zu drosseln. Als Folge kommt es zu hormonellen Achterbahnfahrten, die zu unterschiedlichsten Symptomen führen können.

3. Was sind die häufigsten Symptome?

Die Palette reicht von

  • Schlafstörungen
  • und Hitzewallungen
  • über Gereiztheit
  • und Müdigkeit,
  • Schwindelanfälle,
  • Konzentrationsstörungen,
  • Libidoverlust
  • und Migräne,
  • Gedächtnisschwäche,
  • Gelenksbeschwerden,
  • Gewichtszunahme,
  • Stimmungsschwankungen
  • bis hin zu Depression,
  • Herzrasen,
  • vermindertem Selbstwertgefühl
  • und vermindertem Selbstvertrauen.

4. Wie lange dauern die Wechseljahre?

Das ist individuell verschieden. Bei den meisten Frauen beginnen die Wechseljahre ab Mitte 40 und dauern rund zehn Jahre. Es kann aber auch deutlich früher starten. Die Monatsblutungen kommen in unregelmäßigeren Abständen, anfangs werden die Zyklen oft kürzer, später werden sie länger, bis die Menstruation schließlich ganz ausbleibt. Die allerletzte Blutung wird Menopause genannt – sie kann erst im Nachhinein festgestellt werden, wenn im Anschluss mindestens zwölf Monate lang keine Regelblutung mehr aufgetreten ist. Im Durchschnitt endet die Periode rund um das 50. Lebensjahr, das kann aber auch schon im Alter von 45 Jahren oder früher der Fall sein.

5. Was hilft bei Hitzewallungen?

Bei Hitzewallungen etwa empfiehlt Kräuterfachfrau Anda Dinhopl Salbei. Sie selbst schwört außerdem auf Maca, das sie in Form eines Getränks am Morgen zu sich nimmt. Es kräftigt, unterstützt das Immunsystem, macht gelassener und gleicht hormonelle Schwankungen aus. Auch Leinsamen sei sehr empfehlenswert, so die Expertin – zum Beispiel ein bis zwei Esslöffel pro Tag frisch geschrotet über ein Müsli oder in eine Suppe gestreut. Leinsamen wirken östrogenausgleichend, enthalten Schleim- und Ballaststoffe sowie Omega-3-Fettsäuren.

Und Hildegard Aman-Habacht empfiehlt: Stress reduzieren. Sich Zeit nehmen für sich selbst. Grenzen setzen, nicht mehr nur für andere da sein. „Stress ist ganz schlecht für den Körper. Er ist der Hormonkiller Nr. 1. Wenn Frauen unter Stress stehen, schlagen die Hormone Kapriolen. Wenn wir den Stress in den Griff bekommen, können wir viele Beschwerden lindern.“

Bei Gewohnheiten sollte hinterfragt werden, ob sie tatsächlich noch nützlich sind und Spaß machen. Das gehe bis hin bis zur Auswahl der richtigen Sportart. Als wirkungsvoll hätten sich auch Atemtechniken wie die Wechselatmung aus dem Yoga, Bewegung in der Natur und alles erwiesen, was der persönlichen Entspannung diene – ob im Garten arbeiten oder zu Musik so richtig abtanzen, sagt die Coachin.

Yoga-Wechselatmung – so geht’s!

6. Muss frau Angst haben vor den Wechseljahren?

„Ganz im Gegenteil. Die Wechseljahre sind eine tolle Reise in eine besondere Zeit. Wir werden zur weisen Frau“, sagt Aman-Habacht. Uns von gewissen Dingen lösen, nicht immer nur „Ja“ sagen und Grenzen ziehen sei in diesen Jahren ebenso wichtig wie der Rückblick auf das, was wir alles schon erreicht haben im Leben.

„Es hängt auch viel ab davon, wie ich zu mir selbst und zu meinem Umfeld stehe. Das richtige Mindset ist ein riesiges Thema“, so Hildegard Aman-Habacht und empfiehlt, sich nicht alles zu Herzen zu nehmen, was andere sagen und „die Themen bei den Leuten lassen, zu denen sie gehören.“

Wichtig auch: Die eigenen Bedürfnisse leben. Das betrifft auch das Thema Ernährung: „Bei den meisten Frauen stellt sich der Gusto um auf weniger Fleisch oder überhaupt vegetarisch. Viele haben auch nicht mehr so starkes Verlangen nach Milchprodukten und mit Gluten angereicherten Lebensmitteln.“ Solche Veränderungen wahrzunehmen und auch zuzulassen sei einer der Schlüssel, um gut mit diesen wechselhaften Jahren umgehen zu können, sagt Aman-Habacht.

Hildegard Aman HabichtZur Person

Hildegard Aman-Habacht ist diplomierte Body Vital- & Wirbelsäulentrainerin in Wien und hat sich als Referentin und Coachin auf das Thema Wechseljahre spezialisiert. Sie setzt sich dafür ein, dass Frauen in den Wechseljahren auch im Arbeitsleben mehr Unterstützung erfahren und ist Gründerin des ersten „Wechseljahre-Cafés“ im deutschsprachigen Raum. Weitere Infos: www.meine-wechseljahre.com

Foto: beigestellt

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