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Das oö. Frauenforum 2019 im Zeichen von 100 Jahre Frauenwahlrecht. Eine Veranstaltungsnachlese.

Augenzwinkernd bringt Welt der Frauen Chefredakteurin Christine Haiden ihren Co-Moderator, Chefredakteur der OÖNachrichten Gerald Mandlbauer etwas aus dem Konzept: „Es kommt wohl nicht so oft vor, dass das Nachrichtenforum voll mit Frauen ist und die Männer in der Minderheit sind?“

In ihren Grußworten dankt Paula Wintereder den Frauen unserer Eltern- und Großelterngeneration für alles, was sie erkämpft haben. Denn: „Die Geschichte zeigt, dass sich die Frauen nicht einig waren, was die Einführung des Frauenwahlrechts betrifft.“

 

Die Katholische Frauenbewegung fordert Gleichstellung auf allen Ebenen.

 

Paula Wintereder

Vorsitzende Katholische Frauenbewegung Oberösterreich

Frauen war generell untersagt, sich politisch zu engagieren, erläutert die Historikerin Gabriella Hauch in ihrem Vortrag zum Frauenwahlrecht. Dieses bezeichnet sie als „Meilenstein, weil es die Grundlage für die Ausverhandlungen von Gleichstellung im Parlament darstellt – die längst noch nicht abgeschlossen sind.“ Das Wahlrecht erhielten allerdings nicht alle Frauen. Ausgenommen waren Prostituierte, die erst 1923 das Recht zu wählen erhielten. Bei der ersten Wahl waren die Wahlkuverts geschlechterspezifisch eingefärbt, um das Wahlverhalten der Frauen beobachten zu können! >Mehr dazu: Das Frauenwahlrecht, ein Meilenstein 

 

Wir feiern 100 Jahre Einführung des Frauenwahlrechts – allerdings nicht 100 Jahre Frauenwahlrecht in Österreich!

 

Gabriella Hauch

Historikerin und Professorin für Geschichte der Neuzeit mit dem Schwerpunkt Frauen- und Geschlechtergeschichte, Universität Wien

Abschließend stellt Gabriella Hauch fest, dass sich strukturell, vor allem punkto Frauenquote, Doppelbelastung und Altersarmut, wenig geändert habe .

„Kennen Sie die ersten acht?“ fragt Christine Haiden das Publikum und mit vereinten Kräften werden alle Namen gefunden. Die ersten acht? Damit sind jene acht Frauen gemeint, die als erste Frauen überhaupt 1919 ins österreichische Parlament einzogen.  >Mehr dazu: Die ersten acht

Heidi Glück beantwortet die Frage des Abends so: „Wenn Frauen Frauen wählen, gewinnen die Frauen.“ Die Realität sieht anders aus. Vor allem in europäischen Parlamenten sind Frauen unterrepräsentiert, wie Gerald Mandlbauer feststellt. Nur in Ruanda und Bolivien sind die Parlamente zu mehr als 50 Prozent mit Frauen besetzt.

Die ehemalige Regierungssprecherin von Wolfgang Schüssel ist nun als Politikberaterin tätig und gibt auch an diesem Abend Tipps zu den Themen Eigenmarketing, Sichtbarmachung und Auftreten. „Haben Sie Mut zum Widerspruch!“

 

Es ist noch ein langer Weg zur Selbstverständlichkeit von Frauen in Spitzenpositionen.

 

Heidi Glück

Politikberaterin

 

 

Uli Böker war viele Jahre Bürgermeisterin in Ottensheim und weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es Frauen, vor allem mit Kindern, in der Politik haben. Denn die Doppelbelastung spüren im Normalfall die Frauen und stellt für sie kein „vorgeschobenes Thema“ dar.

 

Wir sind sowas von weit entfernt von gerechter Aufteilung von Macht.

 

Uli Böker

Abgeordnete zum oö. Landtag

Lena Jäger ärgert die Verdrehung der Quotendiskussion. Es gehe nicht darum, schlechter Qualifizierte vorzuziehen, sondern um eine Bevorzugung von Frauen mit gleicher oder besserer Qualifikation. Abgesehen davon müsse man über den Wert der Arbeit – wie etwa eine Aufwertung der Pflege – diskutieren: „Denn Pflegekräfte arbeiten schließlich mit denen, die uns am liebsten sind: unsere Kinder und unsere Eltern!“

 

Wir müssen über die Neubewertung von Arbeit sprechen!

 

Lena Jäger

Sprecherin des Frauenvolksbegehrens 2.0

Das Frauenvolksbegehen war für Lena Jäger ein großer Erfolg. Wenn es auch schmerzhaft war, die Katholische Frauenbewegung auf Bundesebene als Unterstützerin für das Frauenvolksbegehren zu verlieren. >Mehr dazu: Was zählt, wenn Frauen „volksbegehren“.

Margit Hauft gilt innerhalb der Kirche als mächtige Frau. Sie meint, es sei sehr wohl möglich, auch als Frau Macht zu haben. Macht im Sinne der Wortherkunft von „machen, etwas tun“. Nur durch die Menschen ändere sich in der Kirche etwas, und dazu brauche es permanent Druck. Sie selbst konnte viel verändern und Denkanstöße geben: „Ich bin gewachsen an den Erfahrungen der Menschen, und das waren nicht nur positive. Wenn man sich einsetzt, setzt man sich aus.“

 

Auf die Männerkirche soll keine Frauenkirche folgen – mir geht es um das Miteinander!

 

Margit Hauft

Stiftungsrätin a. D.
Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung 2000 bis 2011

Mit musikalischer (und sprachlicher) Vielfalt begeisterte das DuoSITZ (Julia Sitz – Gesang, Walter Sitz – Gitarre) das Publikum. Nach dem offiziellen Teil fanden Führungen im Newsroom der OÖNachrichten statt.


Am Bild von links nach rechts:
Michaela Leppen (kfb OÖ), Christiane Feigl (Geschäftsführerin Welt der Frauen), Gerald Mandlbauer, Gabriella Hauch, Paula Wintereder, Uli Böker, Margit Hauft, Lena Jäger, Heidi Glück, Christine Haiden

Nachbericht der Veranstaltung „Sind Frauen die bessere Wahl? OÖ. Frauenforum 2019“ am 6. Februar 2019 in Linz

Fotos von Volker Weihbold / OÖNachrichten

Eine Veranstaltung der kfb oö, OÖNachrichten & Welt der Frauen.
Mit freundlicher Unterstützung des Frauenreferats des Landes Oberösterreich.

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