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Nachlese zum „Gerne Frau sein“-Talk #3

Was Frauen über Verhandeln, Absicherung in der Partnerschaft und ihre Gesundheit wissen sollten

Alle guten Talks sind drei: Wie Sie mit nonverbaler Kommunikation und anderen Tricks in Verhandlungen punkten, warum es auch beim Thema Gesundheit wichtig ist, klar zu kommunizieren und worauf das Umfeld achten sollte, wenn Frauen in einer Gewaltbeziehung leben – diese und mehr Themen kamen im Juni 2021 bei der dritten Auflage des „Gerne Frau sein“-Talks im Pfarrheim Perg aufs Podium. Eine Nachlese.

Groß waren die Emotionen, als am 8. Juni 2021 der dritte Talk der „Gerne Frau sein“-Veranstaltungsreihe wieder mit kleinem Publikum im Pfarrheim Perg stattfinden konnte. Frauenlandesrätin und Landeshauptmann-Stellvertreterin Mag.a Christine Haberlander, das Frauenreferat des Landes OÖ, die Katholische Frauenbewegung OÖ (kfb oö) und „Welt der Frauen“ hatten dazu eingeladen.

Verhandlungstrick: nonverbale Kommunikation

Ein verzogenes Gesicht, als hätte man sich gerade eine Glasscherbe eingetreten, könnten schon bald VerhandlungspartnerInnen von jenen Frauen zu sehen bekommen, die live in Perg dabei waren oder den Mitschnitt gesehen haben, wo Verhandlungsexpertin, Juristin und Buchautorin Ingeborg Rauchberger wieder Tipps und Tricks aus der Praxis verriet.

Das „Gesicht des Schmerzes“, wie sie es nennt, ist nur eines von vielen Gesichtern in ihrem Repertoire, die ohne Worte alles sagen. „Gar nicht zu reagieren, ist gefährlich. Dann glauben die Leute, ich habe es nicht gehört und sagen es noch einmal, wiederholen ihren tollen Schmäh oder ihre Attacke erneut“, so die Expertin. Nonverbal – etwa über das Minenspiel – könne aber viel kommuniziert werden. Zum Beispiel für Preisverhandlungen.

Tipps für erfolgreiches Verhandeln

Doch was, wenn es gar nicht erst zu einer Verhandlung kommt, weil das Gegenüber, der Ehepartner beispielsweise, nicht reden will? Rauchbergers Tipp Nr. 1: „Augen auf bei der Partnerwahl! Man soll sich schon einen suchen, der, wenn es ernst wird, auch redet.“ Ansonsten gelte: „Wenn ich mit dem, was ich bisher getan habe, nicht durchkomme, dann muss ich aufhören, immer dasselbe zu tun.“ So könne es angebracht sein, vom Reden ins Fragen zu wechseln. „Wir machen es den Männern oft so leicht, weil wir immer nachdenken, wie man ein Problem lösen könnte statt einmal von der anderen Seite Gedanken einzufordern.“

Verbale Angriffe stoppen

Auch wenn Verhandlungen im privaten Bereich schwieriger sind als etwa im Job, weil Emotionen ins Spiel kommen, kann das Handwerkszeug eingesetzt werden, das im Beruf zum Einsatz kommt – vom roten Faden, der durch die Verhandlung oder das Gespräch führen sollte über ein- oder zweisilbige Einwürfe wie „fein“, „gut“, „aha“ oder „sapperlot“, die den Redeschwall stoppen und Angriffe parieren, bis hin zur goldenen Regel, dass die Beziehung nach der Verhandlung noch intakt sein sollte, sagt die Fachfrau.

Rechtliche Absicherung in Ehe und nicht-ehelicher Partnerschaft

Wertvoll sein können diese Verhandlungstipps auch, wenn es darum geht, die finanzielle Absicherung mit dem Lebenspartner oder Mann zu besprechen. Ein oft nicht einfaches Thema, wissen die Expertinnen des Autonomen Frauenzentrums Linz. Wichtig sei in jedem Fall, sich bewusst zu sein, dass die rechtliche Absicherung in einer nichtehelichen Beziehung nicht annähernd der in einer Ehe entspreche – und sich zu informieren, um gute Lösungen zu erarbeiten, sagt Juristin und Rechtsberaterin Andrea Jobst-Hausleithner.

Gewalt in Beziehungen nimmt zu

Aktuell sind die Expertinnen verstärkt mit dem Thema familiäre Gewalt, aber auch sexuelle Gewalt in Beziehungen, beschäftigt. Seit dem zweiten Lockdown im Herbst 2020 sei ein Anstieg zu beobachten. „Das hat ganz klar mit den Maßnahmen gegen Corona zu tun. Dieses Eingesperrtsein von Familien, oft auf engstem Raum, dann kommen Probleme wie Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit dazu, es wird finanziell enger, es gibt Homeschooling und Homeoffice – das alles hat bestehende Konflikte verstärkt oder Konflikte geschaffen“, sagt Jobst-Hausleithner.

Gewaltopfern Hilfe anbieten

Was das Umfeld tun könne, wenn eine Frau in einer Gewaltbeziehung lebe? Von außen einzugreifen, sei schwierig. „Wir erleben häufig, dass Betroffene von Gewalt lange brauchen, bis sie Unterstützung annehmen. Hilfe wird nur angenommen, wenn die betroffene Frau das selbst will und nicht, wenn das Umfeld Druck macht.“ Traumatische Erlebnisse wie Gewalt oder Vergewaltigung in der Ehe seien Grenzüberschreitungen – nicht selten könne aber auch das Eingreifen von außen eine Grenzüberschreitung sein. Wichtig sei, dass Beratungsangebote und Anlaufstellen bekannt seien. Statt der Frau etwas aufzuzwingen, könne es aber sinnvoll sein, Fragen zu stellen – etwa, ob man helfen könne. Doch als Gebot gelte immer Freiwilligkeit, betont die Expertin.

Beim Arztbesuch klare Worte finden

„Lassen Sie die ganze Story weg und sagen Sie ganz klar, was Sie haben.“ Was wie ein weiterer Tipp für Verhandlungen klingt, ist eine Empfehlung von Gendermedizinexpertin Anna Maria Dieplinger. Symptome würden von Frauen oft „wegerklärt“ oder kleingeredet und in Folge nicht als solche erkannt – bei Herzinfarkt beispielsweise, der sich bei Frauen unspezifischer äußere als bei Männern. Wobei natürlich auch wichtig sei, MedizinerInnen im Bereich Gendermedizin aus- und weiterzubilden, um auf die andere Art der Symptome, aber auch der Kommunikation von Frauen eingehen und nachfragen zu können.

Bei Medikamenten: Dosis hinterfragen

Auch in Bezug auf Medikation rät die Expertin zu genauem Hinsehen – und zu klarer Kommunikation. „Der 75-Kilo-Mann ist der Durchschnitt, an dem viele Medikamente getestet wurden. Die Nebenwirkungen auf dem Beipacktext sind die der Männer, nicht unmittelbar jene der Frauen“, so Dieplinger. Zudem solle Frauen sich trauen und insbesondere bei größeren Eingriffen auch darauf bestehen, eine Zweitmeinung einzuholen.

Gendermedizin nimmt Unterschiede der Geschlechter in den Fokus

Das Forschungsgebiet „Gendermedizin“ ist noch ein relativ junges: Erst Anfang der 2000er-Jahre sei es im europäischen Raum angekommen, 2003 starteten die ersten Untersuchungen in Österreich. Mittlerweile werde das Fach aber in den Lehrplan angehender Ärztinnen und Ärzte aufgenommen, berichtet die Fachfrau. Wobei Gendermedizin sich nicht nur auf körperliche Unterschiede, sondern auch auf gesellschaftliche beziehe und sich mit Fragen beschäftige wie jener, ob sich eine Frau Medizin und Gesundheit im gleichen Maße leisten könne wie ein Mann. Oder Hintergründe und Begleiterscheinungen, warum Frauen eher bereit wären, ein Organ zu spenden, als Männer. „Es sind kleine Schritte, die wir gehen. Da braucht es noch viel Forschung“, so die Expertin.

Austausch und Bestärkung für Frauen

Dass Frauen sich gegenseitig bestärken, sei durch die Aufzeichnung der „Gerne Frau sein“-Talks – eine Kooperation des Frauenreferates des Landes Oberösterreich, der Katholischen Frauenbewegung OÖ und von „Welt der Frauen“ – auch in Pandemiezeiten möglich gewesen, so die oberösterreichische kfb-Vorsitzende Paula Wintereder. Auch wenn sich schon alle auf reale Treffen freuen, sei das ein wertvoller Zwischenschritt gewesen. „Dieses Offen-sich-selbst-und-anderen- gegenüber-Sein und das gegenseitige Unterstützen zeichnet Frauen aus. Das dürfen wir uns auch nicht kleinreden lassen oder selbst kleinreden, sondern sollten das unbedingt als Stärke ansehen“, sagt Landeshauptmann-Stellvertreterin und Frauenlandesrätin Christine Haberlander. Die Tour habe einmal mehr gezeigt, wie offen Frauen den verschiedenen Themen gegenüber seien und wie wichtig ihnen der Austausch sei.

Die „Gerne Frau sein“-Talks 2021 zum Nachschauen

Die Videos unserer beiden Online-Talks vom 21. April und 19. Mai sowie den Mitschnitt unserer Live-Veranstaltung am 8. Juni im Pfarrheim Perg können Sie hier ansehen: Neben wertvollem Expertinnenwissen erhalten Sie praktische Tipps und Tricks rund um die Themen „Erfolgreiches Verhandeln“, „Absicherung in der Partnerschaft“ und „Gendermedizin und Frauengesundheit“,

Die Talk-Inhalte für Sie zur Nachlese

Wir haben natürlich auch eine Nachlese zur „Gerne Frau sein“-Talkreihe zusammengestellt, in der wir die Inhalte noch einmal für Sie kompakt zusammenfassen. Die Nachlese finden Sie in der „Welt der Frauen“-Ausgabe Juli/August, die Sie hier bestellen können. Sollten Sie noch keine „Welt der Frauen“-Abonnentin sein, können Sie hier ein (Test)-Abo bestellen.

„Gerne Frau sein“-Talks 2021 – eine Kooperation von Frauenreferat des Landes Oberösterreich, Katholische Frauenbewegung Oberösterreich &  „Welt der Frauen“.

Frauenreferat Oberösterreich

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