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Ein besonderer Auftrag

Passend zur Nebelzeit, in der vieles unter Decken und Hauben verschwindet, will ich mir heute ein paar Gedanken über das Unsichtbare machen.

Es ist Herbst. Die Eisgeschäfte haben gerade noch offen, ich gönne mir manchmal „noch eines“, vielleicht das letzte für heuer. Die Schaufensterpuppen ziehen sich jetzt wärmer an, auch ich habe schon ein paarmal den Pulli getragen.

Es kommt die Zeit der langen Ärmel, die die verblassende Bräune verbergen. Hätte ich Sommersprossen, würden sie jetzt wohl auch wieder dünn. Verblassen, verhüllen: Ich mag das. Kein Wettbewerb mehr mit anderen, mit mir selbst. Kein Neid mehr auf die, die schnell bräunen oder besser in Bikinis passen. Mir selber schmeicheln mit Stoffen und Schnitten.

Gedanken über das Unsichtbare

Genießen, dass manches in die Unsichtbarkeit taucht. Das tut gut. Zugleich birgt das Unsichtbarmachen natürlich eine Gefahr. Denn was verschwindet, entschwindet auch leicht. Und wenn die Eisgeschäfte schließen, finden sich andere Verlockungen, die meine Rundungen rundlicher mache. Die Haut, die ich nicht zeige, ruft leiser nach ihrer Creme. Und wenn die Haare unter der Haube verschwinden, bleibt mein Föhn in der Lade, obwohl er mich doch so schön zaubern kann.

Im Herbst wird das, was im Sommer zur Schau gestellt wurde, zur Privatsache. Selbstzuwendung ist angesagt. Ich bin jetzt die Einzige, die mich noch sieht. Innendrin, hautentblößt.

Im Herbst wird das, was im Sommer zur Schau gestellt wurde, zur Privatsache. Selbstzuwendung ist angesagt. Ich bin jetzt die Einzige, die mich noch sieht. Innendrin, hautentblößt. Es liegt an mir, mich gut anzuschauen – auch den Teil, der sich unter den Hüllen verbirgt. Auch die verblassenden Stellen. Sommersprossen habe ich nicht. Aber ich sammle sie gern, im Leben, im Alltag. Auch die können verblassen, wenn es nebelig wird. Nicht nur im Herbst, sondern immer wieder, weil meine Aufmerksamkeit eben nicht ständig in Sommerlaune ist.

Die eigene Sonne sein

Das Sonnenlicht, das sie brauchen, um fröhlich zu tanzen, ist dann mein Auftrag. Ich muss es anknipsen, um meine Welt vom Nebel zu befreien. Ich wende mich ihnen zu, scheine sie an: die kleinen Sprengsel, die, jeder für sich, nichts Besonderes sind. Die immer noch bunten Blumen am Fenster, das Muttertagsherz am Kühlschrank, mein Lieblingskugelschreiber. Die Bratsche meiner Nachbarin hallt über den Hof. Sommersprossen, wohin ich auch schaue. Vielleicht auch an mir, nicht nur im Gesicht.

Christine Haiden und Barbara Pachl-Eberhart

Barbara Pachl-Eberhart im Gespräch mit Christine Haiden über die Vergleichbarkeit von Krisen, über Graustufen & Überraschungen: „Man darf alles, was einem gut tut“.

Barbara Pachl-EberhartBarbara Pachl-Eberhart

wollte früher immer Pippi Langstrumpf sei, wurde von ihrer besten Freundin allerdings Momo getauft. Sie hört gerne zu, besonders in der Stille zwischen Satz und Satz

Barbara Pachl-Eberhart ist Autorin, Vortragende und Dialogprozessbegleiterin, Schreibtrainerin sowie Ehrenbotschafterin der Rote Nasen Clowndoctors.

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