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Pracht und Knutsch

Dürfen Fehler sein? Das frage ich mich immer wieder und bin froh, dass die Antwort, die ich mir bis jetzt gebe, noch keine wirklich unangenehmen Folgen hatte. 

Es war furchtbar. Furchtbar lustig, Gott sei Dank. So empfanden es jedenfalls die Leserinnen meines Newsletters, der vor ein paar Tagen in ein paar Tausend Mailfächer geflattert ist. Furchtbar!! Das dachte ich nicht nur zwischen Lachen und Haare­raufen, sondern genau das hatte ich auch geschrieben, das hatte ich meinen ­Leserinnen gewünscht: einen furchtbaren Austausch mit den Schreibpartnerinnen, die ihnen (denen, die es wollten) meine Sekretärin vermitteln würde.

Nicht alles, was falsch ist, hat etwas mit Freud zu tun. Niemand unterstellte mir Schattenmotive. Viele meldeten sich, weil sie ihr Grinsen mit mir teilen wollten. Ich antwortete allen und schrieb kurz darauf einen neuen E-Brief, in dem ich den Tippfehler ansprach. Abgeschickt, selbst angeklickt – und jäh geschrien. Da war schon wieder ein Fehler. Ich hatte im Text Elizabeth Gilbert erwähnt. Die Autorin, Sie wissen schon, von diesem berühmten Buch mit dem Titel „Eat, Play, Love“ (sic!), müsste man schreiben, wenn man mich zitierte.

Fehler haben Bedeutung

„Das passt zu dir“, schrieben mir meine Leserinnen. Zumindest die, die mir schrieben. Andere dachten sich vielleicht, warum ich nicht endlich einmal Korrektur lesen kann. Gerade ich, die das Schreiben unterrichtet und von Berufs wegen Texte lektoriert. Ach, ach! Ich weiß ja, dass ich es sollte. Aber ich weiß auch oder habe zumindest gehört, dass persische Teppichknüpfer absichtlich Fehler in ihre Teppiche weben, weil es, so sagen sie, Gotteslästerung wäre, als Mensch etwas Perfektes erschaffen zu wollen. Sie machen Fehler, als Geste des Demuts vor dem, der wirklich keine macht. Diese Haltung gefällt mir. Sie ist kein Freibrief für Achtlosigkeit. Kein verkleidetes „Ist doch egal“.

Ganz im Gegenteil: Sie zeigt, dass man Fehlern Bedeutung geben kann. Furchtbar fruchtbar und spielerisch, so haben sich meine Fehler bisher vor allem gezeigt. Auch schon in früheren Briefchen. Fast immer ergab sich durch sie ein neuer, vergnüglicher Sinn, ein Augenzwinkern oder ein waschechtes „Hoppala“. Meistens bin ich selbst schuld, manchmal hilft mein Computer mit, wenn er (das war anfangs so eingestellt) meinen Namen automatisch in Pracht-Eberhart verwandelt oder den meiner Sekretärin Petra Kunesch in Frau Knutsch korrigiert.

Wenn das so weitergeht … lache ich gerne mit meinen Leserinnen über mich selbst. Und vertraue auf ihr Vertrauen in mich und meine grundsätzliche Kenntnis der Orthografie. Sollte sich etwas ändren und Tippfeher müsahm wreden, dann kann ihc immer noch mit den Korrekturlsesen beginnen.

Christine Haiden und Barbara Pachl-Eberhart

Barbara Pachl-Eberhart im Gespräch mit Christine Haiden über die Vergleichbarkeit von Krisen, über Graustufen & Überraschungen: „Man darf alles, was einem gut tut“.

Barbara Pachl-EberhartBarbara Pachl-Eberhart

schreibt täglich. Nicht immer für andere, zu oft auf Face­book, zu selten ins Erinnerungsbuch ihrer Tochter, aber immer gern.

Barbara Pachl-Eberhart ist Autorin, Vortragende und Dialogprozessbegleiterin, Schreibtrainerin sowie Ehrenbotschafterin der Rote Nasen Clowndoctors.

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