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03/24

„Wir wollen nicht gegen Männer kämpfen“

„Wir wollen nicht gegen Männer kämpfen“
Foto: Elisabeth Lechner

Ob auf den Bühnen großer Festivals oder beim Amadeus Music Award: Frauen sind in der österreichischen Musikszene unterrepräsentiert. Sängerin Virginia Ernst will das ändern und setzt mit den Poxrucker Sisters und den Schick Sisters heuer bereits zum sechsten Mal mit der Veranstaltungsreihe #WEARE ein starkes Zeichen für Gleichberechtigung.

Frau Ernst, im Jahr 2018 haben Sie „Starke Stimmen – Starke Frauen“ ins Leben gerufen. Ursprünglich als einzelne Veranstaltung geplant, zog das Konzert damals rund 200 BesucherInnen an. Heuer sind es Tausende, die in Wien, Linz, Graz und St. Pölten weibliche Musikerinnen feiern werden. Was hat sich für die Frauen in der Musikszene seither verändert?

Die Aufmerksamkeit dafür, dass es mehr Gleichberechtigung geben muss, ist definitiv gewachsen. Aber um ehrlich zu sein: Viel hat sich nicht verändert, es hapert immer noch an der Umsetzung. Ich höre aus vielen Ecken, wie toll es ist, dass ich mich engagiere. Doch wir benötigen noch mehr Menschen, die in der Lage sind, die Hebel in Bewegung zu setzen. Mein Wunsch wäre, dass es den 8. März gar nicht geben muss: Denn das würde bedeuten, dass die Frau dem Mann endlich gleichgestellt ist.

Foto: Elisabeth Lechner
„Wenn man sich die Plakate in Wien oder generell in ganz Österreich ansieht, sind die Headliner meist männlich. Erst weiter unten taucht gelegentlich eine Künstlerin auf.“

Als Eishockeyspielerin waren Sie in Ihrer Jugend mit vielen Stolpersteinen und Hindernissen konfrontiert. Welche Herausforderungen erleben Sie – und andere Frauen – in der Musikbranche?

Da gibt es viele, es fängt schon auf privater Ebene an. Zwar hat es sich in Paarbeziehungen stärker etabliert, dass auch die Väter in Karenz gehen, üblich ist es aber nicht. Wenn ein Mann sagt, dass er in Karenz geht, heißt es oft: „Das ist doch Sache der Frau.“
Und was die Branche betrifft: Wie man sieht, bin ich nicht das klassische „0815-Mädchen“, das mit einem Mann zusammen ist. Ich bin mit einer Frau verheiratet, habe zwei Kinder und engagiere mich für die Gleichberechtigung der Frau. Ich bin also „doppelt gemoppelt“ und habe das Gefühl, dass mir wegen meines Aussehens und weil ich mich traue, den Mund aufzumachen, noch mehr Stolpersteine in den Weg gelegt werden. Ähnliches habe ich auch von anderen Musikerinnen gehört, wenn sie beispielsweise nicht dem klassischen Bild eines Superstars entsprechen.

Es sind ausschließlich Sängerinnen, denen Sie mit #weare eine Bühne bieten, um sie in den Mittelpunkt zu stellen. Gleichzeitig übernehmen beim Konzert am 8. März zwei Männer, Andi Knoll und Markus Freistätter, die Moderation. Wie kam es dazu?

Wenn man sich die Plakate in Wien oder generell in ganz Österreich ansieht, sind die Headliner meist männlich. Erst weiter unten taucht gelegentlich eine Künstlerin auf. Ein echtes Frauenplakat außer dem von „#weare“ gibt es jedoch nicht. Dennoch geht es uns nicht darum, Männer nun zu benachteiligen oder zu diskriminieren. Vielmehr streben wir Frauen danach, endlich gleichgestellt und auf Augenhöhe mit den Männern zu kommunizieren. Die Entscheidung, Andi Knoll und Markus Freistätter als Moderatoren zu engagieren, war eine bewusste Wahl von mir und meiner Frau. Für die Gleichberechtigung brauchen wir auch ihre Unterstützung. Wir wollen nicht gegen Männer kämpfen.

Die Termine der Konzertreihe im Überblick

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  • Veröffentlicht: 23.02.2024
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