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Information und Emotion, das war die Mischung, die die Auftaktveranstaltung der „Wendezeiten“-Reihe in Deutschlandsberg ausmachte. Ein Abend also, von dem die Besucherinnen jede Menge Handfestes und Bewegendes mitnehmen konnten.

Dass weibliche Biografien selten langweilig dahinplätschern, sondern meist von großen und kleinen Umbrüchen geprägt sind, da waren sich alle einig. Bleibt die Frage: Wie umgehen mit solchen Zeiten, in denen sich alles wendet? Die Veranstaltungsreihe „Wendezeiten“, die am 19. März in Deutschlandsberg ihren Auftakt nahm, hat das erklärte Ziel, Antworten auf diese Frage zu liefern. Die Referentinnen brachten einige Anregungen mit.

Christina Lind, stellvertretende Geschäftsführerin des AMS Steiermark, nannte vor allem Karenzzeiten als solche Wendezeiten, in denen beruflich oft kein Stein auf dem anderen bleibt. Zeiten, die sie auch als Chance sieht, Ausbildungen abzuschließen oder ganz neue berufliche Wege zu gehen. Mit dem richtigen Job komme meist die Motivation, das Leben umzuorganisieren, sich neu auszurichten – und für Kinderbetreuung zu sorgen. Hier sieht sie auch die Politik in der Pflicht. „Es gibt immer noch zu wenig Kinderbetreuung“, sagt Christina Lind, die Wiedereinsteigerinnen als „VIP“-Kundinnen sieht. Doch Frauen suchen ihren Rat nicht nur in jungen Jahren. „Mit 40, 50, geht es erst los“, sagte sie. „Gerade in diesem Alter denken Frauen viel über sich selbst nach und beginnen, sich mit viel Engagement noch einmal ganz neu aufzustellen.“

Katharina Krusch-Batruel, Koordinatorin der Landesstelle Steiermark der Pensionsversicherungsanstalt, machte in ihrem Vortrag deutlich, dass es sich lohnt, rechtzeitig über die eigene Pension nachzudenken – auch, wenn junge Frauen dieses Thema gerne verdrängen. So ist es nur bis zum 10. Geburtstag des Kindes möglich, Pensionssplitting zu beantragen, also die Übertragung von Gutschriften vom Pensionskonto des nicht-betreuenden auf jenes des betreuenden Elternteils. „Ein Antrag genügt, es kostet nichts, macht sich aber später jeden Monat bemerkbar.“

MYTHOS ODER WAHRHEIT?
Zu einem unterhaltsamen Quiz zu Mythen über Frauengesundheit lud Ulla Sladek vom Frauengesundheitszentrum Graz ein. Und rüttelte die rund 200 Besucherinnen und Besucher ordentlich auf, indem sie gängige Mythen aufdeckte. Etwa, dass Medikamente bei Frauen und Männern gleich wirken würden, rosa eine Mädchenfarbe und Rauchen für beide Geschlechter gleich schädlich sei. Dabei machte sie klar, dass das biologische und soziale Geschlecht sehr wohl Einfluss auf die Gesundheit nimmt. „Frauen brauchen Fakten und Wissen, um fundierte Entscheidungen für ihre Gesundheit treffen“, sagte Ulla Sladek, „und zwischen Mythen und Wahrheit unterscheiden zu können.“

Einen besonders emotionalen Beitrag lieferte Barbara Pachl-Eberhart, die davon erzählte, wie sie es schaffte, weiterzuleben, nachdem ihr Mann und beide Kinder 2008 bei einem Unfall ums Leben gekommen waren. Sie sprach von der großen Kraft der kleinen Schritte, von dem Vakuum, das in ihr zurückblieb und sie wieder füllen konnte – nicht zuletzt dank der Geburt ihrer kleinen Tochter von knapp zwei Jahren. Vielen der „Angstgespenster“ konnte sie ins Auge blicken und ihnen dadurch den Schrecken nehmen. Von ihnen berichtete sie und davon, was es braucht, weiterleben zu können. „Wir brauchen die Fähigkeit, uns lieb zu haben“, sagte Barbara Pachl-Eberhart, „das Vakuum auszuhalten, unserem Körper wieder zu vertrauen. Und nicht nur anderen zu helfen, sondern auch Hilfe annehmen zu können.“

Ein Abend voller Anregungen, der in geselliger Runde einen langsamen Ausklang fand. Es wurde geredet, gelacht, vernetzt, sich Mut gemacht, ausgetauscht. So, wie es eben ist, wenn viele verschiedene Frauen zusammenkommen.

Eine Veranstaltung wie diese ist wichtig, um Frauen zu informieren, ihnen zu sagen: Da gibt es etwas, was man tun kann, wovon man profitieren kann. Wie das Pensionssplitting, das immer noch sehr wenige in Anspruch nehmen oder, dass man die Pension unbedingt beantragen muss und sie nicht automatisch kommt. Informationen, die für Frauen wichtig sind, um im Alter auch versorgt zu sein.

Katharina Krusch-Batruel, Pensionsversicherungsanstalt

Es wurden viele unterschiedliche Themen angesprochen, die aber alle zusammenhängen. Diesen ganzheitlichen Ansatz haben wir auch im Frauengesundheitszentrum: für die Gesundheit von Frauen spielen Faktoren wie das Erwerbsleben und die Fähigkeit, mit Wendezeiten im Leben umgehen zu können, eine große Rolle. Ein Abend wie dieser kann einen Anstoß geben, über diese vielen Facetten nachzudenken, nachzufragen und Informationen einzuholen, die Frauen für eine fundierte Entscheidung in den verschiedenen Lebensbereichen brauchen.

Ulla Sladek, Frauengesundheitszentrum Graz

Ich denke, jede Veranstaltung, die auf mehreren Ebenen stärkt, ermutigt und nicht nur vom Herz her – das auch -, sondern auch den intellektuellen Teil ein bisschen füttert und das alles miteinander verbindet, ist wertvoll für uns. Weil wir das brauchen: Herz, Hirn, Wissen und Gefühl. Und das kann diese Veranstaltung so wunderbar.

Barbara Pachl-Eberhart, Dialogprozessbegleiterin und Autorin

Zu unserer Arbeit im Frauenreferat gehört auch die Koordination der Mädchen- und Frauenberatungsstellen in der Steiermark, wir richten unseren Schwerpunkt also ganz stark auf das Leben von Frauen, in allen Phasen. Bei einer Veranstaltung wie dieser ist es für uns schön, den direkten Kontakt mit Frauen zu haben, die wir gerne erreichen und mit Informationen versorgen wollen.

Margit Kollegger, Frauenreferat Steiermark

Ich fühle eine große Aufbruchstimmung und viel Mut für diese Wendepunkte im Leben von Frauen. Mut, diese Zeiten, dieses Vakuum, das da oft entsteht, gut auszuhalten, die Wende gut zu nutzen und mit Vertrauen und Zuversicht weiterzugehen. Das hat mir gut gefallen.

Martina Kohrgruber, akzente Frauenservice (am Bild links)

 

Das Wesentliche an so einer Veranstaltung ist es, aufmerksam zu machen, was noch alles offen ist. Man hat gesehen, wie viele Mythen es noch gibt, nicht nur in der Medizin, sondern auch, dass Frauen in der Technik nicht gut bestehen können oder dass wir schon völlige Gleichstellung erreicht haben. Schaut man Zahlen an, stellt man fest, dass es eigentlich noch ganz anders ausschaut. Eine Veranstaltung in so großem Rahmen ist ein guter Schritt in die richtige Richtung.

Petra Kaspar-Buchegger, akzente Frauenservice (am Bild rechts)

Es ist ganz wichtig, Informationen zu haben. Und nicht nur das, sondern auch zu wissen, welche Stellen und Organisationen man fragen muss. Ich hoffe, dass diese Infos weitergegeben werden und sich etwas entwickelt in einer Region. Das kann wie ein Schneeball sein, aus dem irgendwann eine Lawine wird. Dann kann sich viel auftun für Frauen, egal, ob im gesundheitlichen Bereich, pensionsrechtlich oder in der Entwicklung hin zu einem passenden Berufsweg.

Christina Lind, stv. Geschäftsführerin AMS Steiermark

Das können wir Frauen einfach gut: aus unserem Leben erzählen, von den verschiedenen Lebenswegen und Ansichten, diese ganze Palette von Frauenleben aufzeigen. Ich bin nun doch schon einige Jahre auf der Welt und muss sagen: Wir haben den Zenit an Möglichkeiten leider noch nicht erreicht. Wir müssen auch jüngere Frauen mehr ins Boot holen und vor allem muss und kann es noch mehr Frauensolidarität geben.

Lydia Lieskonig, Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Steiermark

Wir stecken aktuell in einer Wendezeit, politisch und gesellschaftlich. Diese Veränderungen landen letzten Endes auch bei uns persönlich. Ich reise viel durch die Steiermark und treffe die unterschiedlichsten Frauen. So unterschiedlich wir sind, so viel verbindet uns aber auch: Wir brauchen Veranstaltungen wie diese, die uns Mut, Kraft, Orientierung und Rückmeldung geben für alle künftigen Herausforderungen.

Ursula Lackner, Landesrätin für Jugend, Bildung, Familie und Frauen

Nachbericht der Veranstaltung „Wendezeiten“ am 19. März 2019 in Deutschlandsberg

Wendezeiten ist eine Veranstaltungsreihe von „Welt der Frauen“ in Kooperation mit dem Frauenressort des Landes Steiermark und in Zusammenarbeit mit der Katholischen Frauenbewegung Steiermark.

Mit freundlicher Unterstützung von Arbeiterkammer Steiermark, Arbeitsmarktservice Steiermark, Kleine Zeitung, Pensionsversicherungsanstalt und Frauengesundheitszentrum Graz.

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