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01-02/23

Buchempfehlung: „War das jetzt rassistisch?“

Buchempfehlung: „War das jetzt rassistisch?“

Um über Rassismen zu diskutieren, braucht es einerseits Informationen, etwa über „Cultural Appropriation“ (kulturelle Aneignung), andererseits braucht es Offenheit und die Bereitschaft, eigene Standpunkte zu erkennen und zu verändern.

Rassismus nicht auf den Leim gehen!

In diesem Buch erfährt man Neues, wird eingeladen, seine Meinungen zu überdenken und liest darüber, was genau etwa „Cultural Appropriation“ beziehungsweise kulturelle Aneignung bedeutet. Danach findet man es etwa nicht mehr originell, sich im Fasching als Geisha zu verkleiden.
Der Ton dieses Buches ist freundlich wie klar, die Beispiele sind verständlich und machen nachdenklich. Dass viele etwa zum N-Wort geäußerten Meinungen wenig mit sprachwissenschaftlichen Erkenntnissen zu tun haben, wird deutlich festgehalten. Hier nur ein kleiner Auszug bezüglich des N-Wortes und der zahlreichen Meinungen, die sich auf Lexika stützen: „Wörterbuchredaktionen warnen sogar davor, Wörterbücher als objektive Sprachrichter zu missbrauchen.“ (S. 63) Dass diskriminierende Sprache/Ausdrücke von vielen Leuten als harmlos und keinesfalls als rassistisch wahrgenommen werden, hat damit zu tun, dass sie nie damit beschimpft und diskriminiert wurden.

„Wenn wir uns rassistische Personen vorstellen, dann denken wir an ungebildete, gewaltbereite und böse Menschen, nicht an eine glückliche Familie mit süßen Kindern, die uns auf einem Charity-Event aus dem Fernsehen entgegenwinken. [...] Wir sagen: Stopp! Wir müssen aufhören, Rassismus mit Böse-Sein gleichzusetzen. Die Welt ist nicht geteilt in die Guten und die Rassist:innen. Rassismus ist nicht angeboren, aber wir alle sind mit rassistischem Gedankengut aufgewachsen.“
Seiten 12-13

Die Auseinandersetzung mit politischer Korrektheit sollte nicht mit Phrasen wie „Was darf man überhaupt noch sagen?“ abgewürgt werden. Was fehlt einer Person, die beispielsweise auf die Verwendung des N-Wortes verzichtet?
Und hier noch ein Beispiel aus dem Alltag – von vielen sehr gerne gefragt, und zwar nicht in Deutsch-als-Zweitsprache-Kursen:

„Die Frage ‚Woher kommst du?’ ist eine der gängigsten Alltagsmethoden, People of Colour als fremd zu markieren. Wenn du die Zugehörigkeit eines Menschen infrage stellst, weil Haare und Haut ‚nicht hell genug’ sind, reproduzierst du bewusst oder unbewusst die Vorstellung, dass ‚echte’ Österreicher:innen oder Deutsche nur weiß sein können.“
Seite 220

Was Sie versäumen, wenn Sie diese Erzählungen nicht lesen:

Selbstreflexion, Aufklärung, Schärfung des eigenen Blicks auf Alltagsrassismus sowie Klischees, Wissen und noch mehr Wissen und noch viel mehr Wissen, Dankbarkeit dafür, dieses Wissen so smart und gut illustriert vermittelt zu bekommen und ein Buch, das für das Regal viel zu schade ist, denn man sollte es in Literaturkreisen, in Schulen und in der Erwachsenenbildung ständig griffbereit haben.

Wofür die Initiative „Black Voices“ steht:

Black Voices kämpft als überparteiliche Initiative für politische/gesetzliche Maßnahmen gegen Rassismus. Seit 2020 sorgen sie online wie offline dafür, dass Antirassismus auch nach den weltweiten „Black Lives Matter“-Demonstrationen Thema bleibt.

Black Voices
War das jetzt rassistisch? 22 Antirassismus-Tipps für den Alltag.
Wien – Graz – Berlin: Leykam 2022.

Christina RepolustChristina Repolust

Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss, wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.”
www.sprachbilder.at

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