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Sieben Rosen auf meinem Tisch

Nicht alles, was gratis ist, ist ein Geschenk. Barbara Pachl-Eberhart stellt aber fest: Manche Geschenke sind sogar mehr wert, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

Wenn es passiert, passiert es am Samstag. Wobei mir „passiert“ nicht gefällt, denn das klingt eher nach Panne und nicht nach Freude und Glück. Aber ehe ich weiter im Lexikon blättere und Wörter verwerfe, bleibe ich eben dabei und erzähle lieber, was es ist, das mir manchmal am Samstag passiert. Weil es auch letzten Samstag wieder geschehen ist. Weil es jetzt bunt blühend vor meiner Nase steht. Und weil ich das Glück, das damit zusammenhängt, schon seit Tagen genieße.

Es war so: Ich habe am Samstag Rosen bekommen. Gelbe Rosen, sieben Stück, in Zellophan verpackt. Ein wenig ermattet, aber noch nicht ganz welk – sie haben sich schnell erholt, als ich sie, angeschnitten natürlich, ins Wasser stellte und mit ein wenig Zucker verwöhnte.

Ich freue mich riesig über dieses Geschenk.
Barbara Pachl-Eberhart

„Möchten Sie welche haben?“, hat mich der Verkäufer im Supermarkt gefragt. Er kennt mich und wusste, dass ich mich freuen würde, denn ich habe schon früher ein paarmal Ja gesagt.

Es gibt diese Samstage, da werden im Supermarkt Blumen verschenkt, weil sie am Montag sowieso unverkäuflich wären. An manchen dieser Samstage komme ich zum Zug. Und freue mich riesig über dieses Geschenk. Weil diese Blumen für mehr stehen als nur für sich selbst. Für ganz schön viel Gutes, was mit in der Vase steckt.

Rosen schenken

Was ich meine? Zum Beispiel das: Der Verkäufer, der mir die Rosen geschenkt hat, ist mir vertraut. Wir sehen uns beinahe täglich, unterhalten uns über dies und das und lachen zusammen. Manchmal gehe ich etwas kaufen, obwohl ich gar nichts brauche. Weil ich so gern an der Kassa stehe. Weil dieser Verkäufer so freundlich ist. Er schenkt mir Blumen, weil er das darf. Erlaubt hat es ihm, so vermute ich, der Filialleiter. Auch dieser ist ein sehr netter Mensch, dessen Ton, wenn er zwischen den Regalen mit seinen MitarbeiterInnen spricht, immer erbaulich ist. Er hat Anteil an meiner Freude.

Und da ist noch mehr: Ich denke an den Segen, so nahe am Supermarkt zu wohnen. An das Glück, samstags einkaufen gehen zu können und Leckereien nach Hause zu tragen. Auch daran, dass irgendwann jemand entschieden hat, dass Rosen in den Supermarkt gehören, weil sie so wichtig wie Milch und Zahnpasta sind. Und daran, dass es Lkw-Helden gibt, die über Nacht von Holland nach Österreich fahren.

Ach, so vieles blüht da im Strauß. So viele Geschenke. Frisch angeschnitten, weit aufgeblüht auf meinem Tisch. Ich weiß nicht, wann es das nächste Mal wieder Rosen im Supermarkt gibt. Aber ich weiß: Meine Freude über die Geschenke, die das Leben mir macht, hält sicher bis dahin vor.

Barbara Pachl-EberhartBarbara Pachl-Eberhart

mag eigentlich keine Schnittblumen. Aber Ausnahmen, die mag sie schon, samstags und überhaupt.

Barbara Pachl-Eberhart ist Autorin, Vortragende und Dialogprozessbegleiterin, Schreibtrainerin sowie Ehrenbotschafterin der Rote Nasen Clowndoctors. Mehr auf Ihrer Website
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