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Seltene Lichtblicke

Manchmal kommt es anders als man denkt. Vor allem, wenn man coronabedingt den ganzen Tag über „Pubertiere“ im Haus hat.

Dieser Tage haben uns berichtenswerte Beobachtungen von Freunden erreicht, die derzeit mit ihren Kindern in coronabedingter, häuslicher – mehr oder weniger – splendid isolation leben. Wie geht’s den Kindern?, wollten wir von unseren Freunden wissen, die im Unterschied zu uns nicht mehr mit einem Volksschulkind zu tun haben, sondern mit Gymnasiasten und Gymnasiastinnen der Unter- und Oberstufe und sich damit bereits mittendrin im weiten, mit Fallgruben gespickten „Reich der Pubertiere“ befinden.

„Pubertier“ ist eine wunderbare Wortprägung des deutschen Journalisten und Autors Jan Weiler, der mit seinen ursprünglich als Zeitungskolumnen geschriebenen und später in Buchform veröffentlichten Geschichten über das gemeinsame Eltern-Kind-Familienabenteuer Pubertät drei Bestseller mit den genialen Titeln „Das Pubertier“ (2014), „Im Reich der Pubertiere“ (2016) sowie „Und ewig schläft das Pubertier“ (2017) landete. Der Erfolg der kleinen, (galgen-)humorvollen Reihe sagt zweifellos viel darüber aus, wie sehr die darin beschriebenen pubertätsbedingten Verwerfungen des Weiler’schen Familienlebens von weit über den Einzelfall hinausgehender Relevanz sind.

Man würde vermuten, dass sich die Pubertätsmaterie in Coronazeiten noch zusätzlich verdichtet. Jedoch – und hier wird’s interessant – mit durchaus überraschenden Ausprägungen. Die Eltern von K., 15, ließen uns wissen, dass sie in den letzten Wochen sehr zu ihrer eigenen Verblüffung zum ersten Mal seit Monaten wieder freundliche Alltagsgespräche mit ihrer Tochter führen und diese nicht nur gereizt, schweigend, schmollend, in Eile oder (angesichts ihrer peinlichen Eltern) peinlich berührt erleben. Ähnliches hören wir von anderen Eltern: C., 16, sei stundenweise heiter und zugänglich. M., 15, begleite seine Eltern auf Spaziergänge und richte dabei mitunter freiwillig das Wort an sie. E., 17, beteilige sich unaufgefordert an Haushaltsarbeiten.

Nicht dass die betroffenen Eltern sich in Sicherheit wiegen und glauben würden, es werde auch nach Corona so weitergehen. Das nicht. Aber sie lesen dieser Tage mit Dankbarkeit und Erleichterung die Gesprächs- und Kontaktbrösel auf, die die Pubertiere ihnen derzeit in Ermangelung von besseren Sozialkontakten fallen lassen.
So wurde mir berichtet.

Ich wüsste zu gerne, ob es sich dabei um einzelne Ausreißer oder um ein coronabedingtes Massenphänomen unter heimischen „Pubertieren“ handelt? Wenn die eine oder andere „Welt der Frauen“-LeserIn sich zu diesem Thema mit einem kurzen Leserbrief an die Redaktion einstellen würde, hätte ich nichts dagegen. Mir steht das alles ja noch bevor …

Julia Kospach

lebt mit Mann und Tochter (10) in einer Wohnung in Bad Ischler Ortsrand-Alleinlage umgeben von Wiesen und Wald.
Nervenstatus: heiter bis wolkig mit gelegentlichen starken Entladungsgewittern.

Foto: Rita Newman

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