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01-02/23

Buchempfehlung: „Rotkäppchen rettet den Wolf. Ein Nicht-Märchen.“

Buchempfehlung: „Rotkäppchen rettet den Wolf. Ein Nicht-Märchen.“

Wer es gern klassisch-märchenhaft hat, nehme all seinen Mut zusammen und öffne dieses witzige Nicht-Märchenbuch und staune, wie gut Ironie in Wort und Bild funktioniert.

Es war einmal – Stopp! Das geht auch anders

Klar geht auch hier ein Rotkäppchen in den Wald. Aber vorher hat sich das Mädchen, also das Rotkäppchen, gehörig über die üblichen ersten Sätze in den klassischen Märchen aufgeregt. Somit geht es hier mit „Es ist“ und nicht mit „Es war einmal“ los. Wer es gern klassisch-märchenhaft hat, nehme all seinen Mut zusammen und öffne dieses witzige Nicht-Märchenbuch und staune, wie gut Ironie in Wort und Bild funktioniert.

Man lernt zuerst einmal Anna, alias Rotkäppchen, kennen, die gern auf Bäume klettert und Kirschkuchen isst (Rezept des Kuchens gibt es natürlich ebenfalls in diesem Bilderbuch). Anna will Wildtierbiologin und Planetenretterin werden, ihre Lieblingsfarbe ist Rot und ihr Lieblingstier ist der Wolf. Die LeserInnen – unabhängig von ihrem Alter selbstverständlich – sind auf der diesem Steckbrief gegenüberliegenden Seite natürlich aufgefordert, dort den eigenen Steckbrief zu gestalten.

In diesem Märchen ist nicht die Großmutter, sondern der Wald in Gefahr. Schnell ist hier noch das Grimm-Märchen in gebotener Kürze eingedruckt – genau, Wald, Kuchen, Großmutter, Wolf und so. Nach diesem Update geht es weiter ins 21. Jahrhundert und damit zum schüchternen Wolf namens Lupo. Auch er hat einen Steckbrief ausgefüllt und seine Lieblingsfarben sind Moosgrün, Beerenrot und Herbstlaubbunt. Übrigens: Kreide zu fressen behagt ihm gar nicht, er mag auch den Jäger aus dem Märchen nicht. Da aber eine gute Geschichte mindestens einen Bösewicht braucht, agiert Bürgermeister-Wolf so richtig fies und außerdem ist der Märchenwald voller Plastikmüll. Rotkäppchen plant die Rettung des Waldes, des Wolfs und der Waldtiere. Zuvor stellt sie den Erwachsenen kein gutes Zeugnis aus.

„Was die Erwachsenen sagen: Wir müssen etwas tun. Gegen die Zerstörung der Wälder. Das Aussterben bedrohter Tierarten. Die schädlichen Abgase. Die Erderwärmung. Das Schmelzen der Gletscher. ... Was die Erwachsenen tun: Wasser aus Plastikflaschen trinken. Kurzstrecken fliegen.“

Was Sie versäumen, wenn Sie dieses Buch nicht aufschlagen:

Ironie, gute Texte, witzige Illustrationen, Erinnerungen an klassische Märchen, Erinnerungen an den eigenen Mut als Kind/Teenager, Anregungen zum Umschreiben klassischer Märchen, die Gelegenheit, mehrmals laut zu lachen, ein gutes Kirschkuchenrezept.

Petra Piuk:

ist Autorin, Mitglied in Umweltschutzorganisationen, Moderatorin von Kinderveranstaltungen, ihre Lieblingsfarbe ist Olivgrün.

 

Gemma Palacio:

ist Illustratorin, sie gibt Mal- und Kreativworkshops für Kinder, ihre Lieblingsfarbe ist jetzt nach einer jahrelangen Grün-Phase Gelb.

Petra Piuk/Gemma Palacio
Rotkäppchen rettet den Wolf. Ein Nicht-Märchen.
Graz – Wien: Leykam Verlag 2022.

Christina RepolustChristina Repolust

Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss, wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.”
www.sprachbilder.at

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