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Linda Jarosch: Endlich frei von Blockaden!

Linda Jarosch (73) ist die Schwester von Benediktinermönch Pater Anselm Grün. Der Bildungsreferentin liegt die persönliche und spirituelle Weiterentwicklung von Frauen sehr am Herzen.

Frau Jarosch, Sie sind selbstständige Bildungsreferentin und Autorin und geben Frauen in Ihren Seminaren und Büchern wertvolle Impulse. So auch in dem Buch „Ab morgen trage ich Rot“ oder in „Königin und wilde Frau“, das Sie gemeinsam mit Ihrem Bruder Anselm Grün geschrieben haben. Hat das Engagement für ein befreites Frausein auch mit Ihrer eigenen Geschichte zu tun?

Linda Jarosch: Ganz sicher. Ich bin von meinem Wesen her sehr freiheitsliebend. Mein Vater, er betrieb eine Elektrofirma, hatte schon im Ersten Weltkrieg dienen müssen und war mir ein Vorbild. Immerzu meinte er: „Nie wieder beuge ich mich äußeren Autoritäten!“ Durch ihn durfte ich sehen, wie liebevoll und selbstbestimmt ein Mensch wirken kann, wenn er in der Freiheit ist. Meine Mutter, sie wuchs auf einem Bauernhof auf und kümmerte sich um den Haushalt und uns sieben Kinder, empfand ich auch als stark. Doch sie lebte in Zwängen und erlaubte sich Freiheiten oft nicht. Gerne hätte sie im Geschäft meines Vaters mitgearbeitet, aber letztlich stellte sie die Ansicht meines Vaters – „Bleib du doch bei den Kindern“ – höher als ihr eigenes Bedürfnis. Als sie Mitte 50 war, kam ihr Wunsch, berufstätig zu sein, deutlich zum Vorschein. Sie folgte ihm nicht, engagierte sich aber ehrenamtlich. Doch da gab es immer noch etwas in ihr, das nicht gelebt werden konnte.

Beobachteten Sie diese weibliche Unfreiheit auch bei sich selbst?

Teilweise ja. Ich habe vier ältere Brüder, daher war in der Familie das Männliche oft das Bedeutendere. Ich versuchte, mich dem anzupassen, merkte aber schon als Kind, dass mir das nicht reicht. Dass ich noch mehr bin und einen anderen Weg gehen muss, weil ich sonst mit meinen Brüdern verglichen werde. Intuitiv wusste ich wohl, dass man durch Anpassung Gefahr läuft, seine Echtheit zu verlieren. Mit 16 Jahren wollte ich Reiseleiterin werden und in die Welt hinaus. Doch meine Mutter hielt mich zurück und meinte, ich solle lieber nach Abschluss der Realschule in der Firma meines Vaters einsteigen. Das tat ich und blieb zehn Jahre lang. Nach Vaters Tod führte ich das Geschäft sogar mit zwei Brüdern weiter.

Danach waren Sie einige Jahre Hausfrau und Mutter. Gaben Sie sich damit zufrieden?

Nein. Deshalb nahm ich, als unser jüngster Sohn acht Jahre alt war, beim Bayrischen Tourismusverband einen Halbtagsjob an, absolvierte eine Ausbildung zur Reiseleiterin. Und ich entwickelte mich persönlich weiter, machte mich auf die Suche nach meiner „weiblichen Lebenskraft“. Auf dieser Suche begegneten mir Bilder wie „Königin“ und „wilde Frau“. Ich wollte immer ein Frauenbild leben, das auf Freiheit und Selbstliebe basiert und nicht auf den Meinungen anderer. Von den Männern in meiner Familie wurde das nicht verstanden. Trotzdem ließ ich mir diesen Wunsch nicht nehmen und begann, mich in einem Frauenzentrum zu engagieren und jüngere Frauen, die in Schulen und Kindergärten beschäftigt waren, als Supervisorin und Mentorin zu begleiten.

Reichte Ihnen das? Oder rührte sich so wie bei Ihrer Mutter auch bei Ihnen irgendwann der Wunsch nach noch mehr Unabhängigkeit?

Genau so war es. Mit 53 Jahren entschied ich, dass ich beruflich selbstständig werden und Frauen intensiver begleiten will. Ich wollte nicht mehr angestellt sein und mich bestimmen lassen, sondern selbst bestimmen, wann ich arbeite. Es hat schon eine Zeit gebraucht, bis ich herausfand: Was kann ich gut? Was macht mir Freude? Und was wird gebraucht? Meine Tätigkeit als Seminarleiterin und Autorin erfüllt mich nun sehr.

Welt der Frauen März 2021

 

Warum Linda Jarosch in der biblischen Figur der Maria Magdalena den Schlüssel zu Aufbruch und Befreiung sieht, können Sie in gedruckter Form in unserer März-Ausgabe 2021 lesen, die Sie hier bestellen können.

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