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Grippeviren die Stirn bieten

In den kalten Jahreszeiten sind die körpereigenen Abwehrtruppen besonders gefordert. Was können wir tun, um sie fit zu halten?

Pflanzen, Tees und Kräuter: Dem Leben die richtige Würze geben

Wir kennen Zimt, wir kennen Anis, wir kennen Vanille, Basilikum und Oregano, Nelken, Pfeffer und Kümmel. „Dennoch kennen wir heute nur einen Bruchteil der Gewürze, die Hildegard von Bingen noch verwendet hat“, sagt ­Angelika Riffel, Inhaberin der Apotheke und Drogerie „Zur Gnadenmutter“ in Mariazell. Dabei sei gerade im Winter der Griff zu Gewürzen so wertvoll, weil viele das Immunsystem unterstützten oder stärkten: Es darf ordentlich hineingelangt werden in die Schatzkiste der Natur. „Die Gewürze haben zusätzlich eine wärmende Wirkung – und das braucht der Körper in der kalten Jahreszeit.“

Ein Hoch auf den guten alten Bratapfel

Auch wärmende Speisen seien wichtig, bereits zum Start in den Tag: „Dann bekommt der Körper schon in der Früh Wärme und Energie, die er für den Tag braucht.“ Überhaupt sollte so viel wie möglich gekocht werden. Das gelte auch für Äpfel: „Das Pektin im Apfel wird nur freigesetzt, wenn er zubereitet wird. Das ist gut für unsere Darmflora. Und wie gut unser Immunsystem funktioniert, hängt großteils auch damit zusammen, wie gut es unserem Darm geht.“ Der traditionelle Bratapfel im Winter erscheint da gleich in einem neuen Licht.

Bewährte Hausmittel: Salbei und Sternanis

Viren gelangen hauptsächlich über den Mund- und Rachenraum in den Körper. „Wenn ich den Mundraum gut reinige und spüle, ist das eine Barriere“, sagt Angelika Riffel. Deshalb empfiehlt sie, vorbeugend zwei- bis dreimal pro Woche mit Salbeitee zu gurgeln. Der habe eine desinfizierende und entzündungshemmende Wirkung. Zusätzlich könne noch mit Sternanis gearbeitet werden. Das sei tatsächlich ein Virostatikum – ein Stoff, der die Vermehrung von Viren hemme, erklärt die Pharmazeutin.

Extratipp: Rosmarin

Wer ständig friert und fröstelt, dem legt ­Angelika Riffel in ihrem Buch „Heilpflanzen der Traditionellen Europäischen Medizin“ übrigens speziell den Rosmarin ans Herz.

Fasten: eine Verschnaufpause für das immunsystem

Ernährung ist, wie die ausreichende Flüssigkeitszufuhr, eine wichtige Stütze für unser Immunsystem: „Der Magen-Darm-Trakt ist ein riesengroßes Organ, das es auf insgesamt zwölf Meter Länge bringt. Und er ist das Organ, das sich am meisten mit Fremdstoffen auseinandersetzen muss, weil Essen für den Verdauungstrakt einfach Fremdstoff ist“, sagt Margarethe Fließer, Fasten-, Kneipp- und Kurärztin sowie Ärztin für Allgemeinmedizin im oberösterreichischen Walding. Mit der ständigen Flut an Fremdstoffen müsse der Verdauungsapparat erst einmal zurechtkommen: „Da ist natürlich das Immunsystem gefordert.“

Ihre Anregung, die sie auch in dem gemeinsam mit Karin Zausnig verfassten Buch „Bauch gut. Alles gut“ gibt, lautet: Sich auf Nahrungsmittel beschränken, die vor der Haustüre wachsen.  Grundsätzlich rät Margarethe Fließer: „Möglichst alles frisch, nichts abgepackt, nichts konserviert. Möglichst hausgemacht, möglichst wenig Industrie. Alles gut fettig und gut gewürzt mit vielen Kräutern zubereiten.“

Urlaub für den Magen-Darm-Trakt

Als richtiggehenden Kick für das Immunsystem empfiehlt die Medizinerin eine Darmentlastungskur. Oder fasten. Das sei wie Erholungsurlaub für die Verdauung – und somit für unser Immunsystem. Im Alltag seien auch Nahrungskarenzen wichtig: „Zwei- oder dreimal am Tag essen und dazwischen nur trinken. Ideal wäre, wenn man das Abendessen weglässt.“

Extratipp: Trinken

Ebenfalls wichtig: ausreichend trinken. Auf die oft gestellte Frage „Trinke ich genug?“ hat die Ärztin eine ganz einfache Antwort: „Einmal am Tag sollte der Harn richtig hell werden – dann hat man genug getrunken.“

Kneippen: Die Kraft im kalten Wasser

Sebastian Kneipp hat sich selbst in jungen Jahren von Tuberkulose geheilt, später zahlreiche PatientInnen und eine ganze Rinderherde (ja, tatsächlich): durch Anwendungen mit Wasser. Was der bald als „Wasserdoktor“ bekannte Pfarrer gegen die unterschiedlichsten Leiden – von Nervenschmerzen, Kreislauf- und Schlafproblemen bis hin zu Cholera oder auch Maul- und Klauenseuche bei den Rindern – einsetzte, erfreut sich auch heute großer Beliebtheit.

Der Knieguss: Kleine Anwendung mit großer Wirkung

Regina Webersberger, Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Kneippmedizin. „Kurze, kalte Impulse sind völlig ausreichend, um die Durchblutung zu stärken, den Kreislauf auf Trab zu bringen, unser Immunsystem zu stärken und uns insgesamt widerstandsfähiger zu machen.“ Ob Kneippen für alle geeignet ist? „Kurze Kaltanwendungen kann im Prinzip jeder ausprobieren. Aufpassen müssen lediglich Menschen, die einen erhöhten Blutdruck haben. Aber wenn ihr Blutdruck mit Medikamenten gut eingestellt ist, dann ist das kein Problem“, sagt die Medizinjournalistin. Vorsicht walten lassen sollten auch Menschen mit Durchblutungsstörungen.

Wie wird der Knieguss angewendet?  Immer herzfern, also rechts beginnend, wird ein Bein nach dem anderen von unten nach oben – bis ungefähr eine Handbreit über dem Knie – auf der Vor- und auf der Rückseite kalt und mit möglichst sanftem Wasserstrahl abgeduscht, zum Abschluss auch noch die Fußsohlen. Voraussetzung: Die Beine müssen warm sein. Deshalb eignet sich diese Anwendung zum Beispiel im Anschluss an eine warme Dusche.

Kneippen sei freilich kein Allheilmittel – aber eine gute Möglichkeit, um den Körper fit zu machen für die Grippe- und Coronazeit. Dabei ziele die Kaltwasseranwendung gar nicht in erster Linie auf das Immunsystem hin, auch wenn Studien beim kalten Gesichtsguss eine Steigerung der Abwehrkörper im Hals-Rachen-Raum nachweisen konnten. Vor allem gehe es darum, den Körper zu trainieren, abzuhärten. „Bei Leuten, die sich immer in überwärmten Räumen aufhalten, verliert der Körper die Fähigkeit, Kälte auszugleichen.“

Goldene Regel

Niemals eine kalte Anwendung an einem kalten Körperteil. Man muss vorher immer erwärmt sein und soll sich auch im Anschluss wieder erwärmen – durch Bewegung zum Beispiel.

Salzwasser, Schwitztee und Hühnersuppe

 

Leserinnen und Leser haben uns ihre Geheimtipps verraten:

Täglich mit Salzwasser die Nase spülen und danach mit Ghee oder Sesamöl die Nasenlöcher „versiegeln“.

Wenn sich bei mir eine Erkältung ankündigt, setze ich auf Holunderblütentee. Der trägt nicht umsonst den Beinamen “Schwitztee” und hilft, die Verkühlung auszuschwitzen.

Beifuß-Tee aus der Apotheke ist ein weiteres Hilfsmittel gegen Viren.

Der wilde Majoran (oder auch Dost) ist ein hervorragender Hustentee, schleimlösend und wirkt auch bei Halsschmerzen. Eine alte Heilpflanze, die gerne auf kargen Wildflächen wächst.

Bei den ersten Anzeichen einer Erkältung hilft die gute Hühnersuppe: Ein Biohuhn mit einem Bund Suppengrün, einigen Pfefferkörnern, Lorbeerblatt, Wacholderbeeren, Piment und Muskatnuss langsam 1,5-2 Stunden kochen. Salz nicht vergessen! Nach Belieben nach dem Abgießen mit dem Gemüse pürieren.

 


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Erschienen in „Welt der Frauen“ November 2020

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