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Drucktechniken

Wir drucken jetzt in Farbe. Und ich fühle mich endgültig wie der Dinosaurier im Haushalt.

Die Techno-Bilanz unserer ersten zwei Home-Office und -Schooling-Wochen ist erstaunlich: Wir haben nämlich einen neuer Laserdrucker und reihen uns damit, wie ich den Statistiken entnehme, nahtlos in die Online-Einkaufsliste des kasernierten Österreich ein, dessen Top-3-Kaufartikel derzeit Klopapier, Hundefutter und Drucker sind. Ich erkläre mir das – der Reihenfolge nach – so: Der Mensch braucht Rückzugsorte (Klo). Sein bester Freund will gut versorgt werden, wo er doch derzeit das ideale Rausgeh-Alibi darstellt (Hundefutter). Und was den Drucker betrifft, ist es wohl vielen so ergangen wie uns: Unser alter Drucker war ein Dinosaurier, konnte nur Einzelblatt und Schwarz/Weiß und war der Masse an auszudruckenden bunten Arbeitsblättern, die unsere Tochter Tag für Tag aus der Schule nach Haus geschickt bekommt, nicht gewachsen.

Eineinhalb Tage lang kämpfte mein Mann voll Engelsgeduld und mithilfe fernmündlicher Freundes- und Expertenberatung mit der Installation des Druckers. Dann konnten wir von seinem Smartphone und dem Familien-Tablet aus ausdrucken, nicht aber von meinem Computer. Inzwischen gelingt auch das, aber nur, wenn ich jedes Mal vorher eine Einstellung verändere, die ich nach dem Drucken wieder rückgängig machen muss. Dafür haben wir jetzt ein hässliches 26 kg-Riesen-Drucker-Monster, mit dem wir einen Klein- und Mittelbetrieb kopienmäßig locker mitversorgen könnten, im Schlafzimmer stehen. (Wir haben, kommt uns vor, nicht das Modell bestellt, das wir eigentlich wollten.)

Hab ich erwähnt, dass ich alles hasse, was mit Computern, Handys, Druckern, Tablets usw. zu tun hat? Ich hasse es! Es macht mich narrisch! Ich will mich damit nicht befassen! Und ich bin in Sekundenschnelle von 0 auf 180, wenn ich es doch tun muss. „Geh spazieren!“, herrscht mich meine Tochter an, weil ich schon wieder so gereizt bin, nachdem ich das Hörbuch nicht finden kann, das ich bezahlt und angeblich auch gerade heruntergeladen habe, aber jetzt nicht und nicht finden kann.

Sie selbst hingegen hat diese Woche mit ruhiger Hand bereits gut und gerne 20 Mini-Videos per Smartphone gedreht. Mit diesen Videos fern-unterrichtet mein Mann jetzt seine Gitarren-Schüler*innen. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass ich in diesem Haushalt der Dinosaurier bin und nicht der alte Drucker!

Julia Kospach

lebt mit Mann und Tochter (10) in einer Wohnung in Bad Ischler Ortsrand-Alleinlage umgeben von Wiesen und Wald.
Nervenstatus: heiter bis wolkig mit gelegentlichen starken Entladungsgewittern.

Foto: Rita Newman

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