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Allerheiligenstriezel: So wird er geflochten

In allen Regionen Österreichs ist Allerheiligen mit einem beliebten Brauch verbunden: Man verschenkt feines Gebäck. Meist ist es ein kunstvoll geflochtener Zopf aus Germteig, mancherorts auch eine „Himmelsleiter“.

Patenkinder von Margit Leitner (47) dürfen sich freuen: Zu Allerheiligen werden sie von ihrer „Godl“ mit einem flaumigen Striezel beschenkt. Verführerisch duftend und kunstvoll geflochten bringt dieser beeindruckende Zopf nicht nur Kinderaugen zum Leuchten. Der goldbraun gebackene Striezel ist ein in ganz Österreich verbreitetes Brauchtumsgebäck. Man schenkt es seinen Patenkindern, den Liebsten und gerne auch sich selbst.

Im südlichen Mühlviertel betreibt Margit Leitner gemeinsam mit ihrem Mann Walter eine Biolandwirtschaft mit Vieh- und Getreidewirtschaft. Die besondere Liebe der Bäuerin und vierfachen Mutter, die auf diesem imposanten Vierkanter in Niederwaldkirchen aufgewachsen ist, gilt dabei der „Schule am Bauernhof“. Kindern den Umgang mit Tieren und die Entstehung von Lebensmitteln nahezubringen, ist ihr ein Herzensanliegen und eine Aufgabe, die viel Freude bereitet. „Viele Kinder wissen gar nicht, woher die Milch kommt, und sind dann total überwältigt von den Eindrücken auf dem Hof.“

Im „Kindererlebnishof Funtasia“, wie der Hof heißt, können Kinder Ziegen und Hasen streicheln, Schweine füttern, im Heu hüpfen, dem Summen der Bienen lauschen oder lernen, wie man aus Getreidekorn duftendes Gebäck macht. „Es ist schön, Kindern etwas mitgeben zu können“, sagt die Seminarbäuerin, die in ihrer Backstube auch Kurse für „Große“ anbietet.

Margit Leitner beim Backen

Altes Brauchtum – der Striezel zu Allerheiligen

Alle großen Jahresfeste sind mit speziellem Brauchtumsgebäck verbunden, das je nach Region unterschiedlich sein kann. So wie die Fastenbrezen oder das Osterkipfel ist der Allerheiligenstriezel ein beliebtes Traditionsgebäck. Ursprünglich war er allerdings ein „Allerseelenstriezel“ und wurde im Gedenken an verstorbene Angehörige an Kinder und Arme verschenkt. Durch Wohltaten an Bedürftige und deren ­Gebete sollten die armen Seelen im Fegefeuer Milderung erlangen.

Woher kommt der Brauch?

Die besondere Form des Striezels geht wahrscheinlich auf eine antike Trauerkultur zurück. Demnach sollen sich Frauen aus Trauer um Verstorbene den Haarzopf abgeschnitten haben. Die Art, zu trauern, hat sich zum Glück verändert, geblieben ist der Zopf in Form eines Gebäcks, das zwar ganzjährig gebacken wird, zu ­Allerheiligen jedoch eine besondere Bedeutung bekommt. Allerheiligen war und ist in vielen Regionen auch der „Godntag“. Man besucht zu Allerheiligen nicht nur die ­Gräber der verstorbenen Angehörigen, an diesem Tag ist es auch üblich, seinen ­Patenkindern einen Besuch abzustatten und als Geschenk einen großen, mit Zucker bestreuten Striezel mitzubringen. Mancherorts deponiert die Godl noch eine monetäre ­Zuwendung in Form einer Silbermünze im Striezel. Im Burgenland hat sich ein anderer Brauch durchgesetzt: Da ist es üblich, dass verliebte Burschen den „­Heiligenstriezel“ jenem Mädchen ­schenken, das sie verehren.

Himmelsleiter Gebäck

Foto: Jack Haijes

Leiter zum Himmel

Ein besonderes Gebäck schenkt man sich in der Region zwischen Kirchdorf an der Krems und Spital am Pyhrn zu Aller­heiligen: eine Himmelsleiter. Unbekannt ist, warum der Brauch gerade in dieser Region entstanden ist beziehungsweise sich besonders hier erhalten hat. ­Üblicherweise wird die süße Leiter beim Bäcker gekauft.

Das Backwerk lässt sich auch ganz einfach selbst zubereiten, es kann aus dem ­gleichen Teig wie der Allerheiligenstriezel ­gebacken werden. Die Himmelsleiter besteht in der Regel aus fünf ­Doppelspiralen, die so aneinandergereiht werden, dass ­optisch die Form einer Leiter entsteht. Die Doppelspirale ist ein altes keltisches Symbol, das für die Verbindung von ­Gegensätzen steht – Erde und Himmel, Geburt und Tod.

Allerheiligenstriezel

 

Allerheiligenstriezel

Rezept für 2 Striezel

  • 1 kg Weizenmehl Typ 700
  • ½ TL Salz
  • 250 ml Milch
  • 100 g Butter
  • 150 g Feinkristallzucker
  • 2 Eier
  • 3 Dotter
  • 1 Würfel Germ (42 g), zerbröselt
  • 1 TL Vanillezucker
  • 3 EL Rum
  • Zitronenschale von ½ Bio-Zitrone, fein gerieben
  • Rosinen nach Wunsch
  • Ei zum Bestreichen
  • Hagelzucker
  • Mehl für die Arbeitsfläche

Zubereitung

  1. Das Mehl in eine Rührschüssel füllen, mit Salz vermischen. Die Milch lauwarm erwärmen (-maximal 35 °C), die Butter darin auflösen. Alle Zutaten bis auf die Rosinen zum Mehl geben und mit der Küchenmaschine (Knethaken) so lange schlagen, bis ein seidig glänzender Teig entsteht, der sich vom Schüsselrand löst (das dauert 5–10 Minuten). Zum Schluss die Rosinen untermengen.
  2. Den Teig mit einem Tuch oder Frischhaltefolie abdecken und an einem warmen Ort circa 
  3. 30 Minuten gehen lassen. Den Teig zusammenschlagen und nochmals zugedeckt ca. 30 Minuten aufgehen lassen. 
  4. Den Teig in 12 gleich große Portionen teilen und diese auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche zu Kugeln schleifen. Die Teigkugeln mit einem Küchentuch abdecken, der Teig soll sich kurz entspannen.
  5. Dann nacheinander zwei Striezel formen: Jeweils 6 Kugeln zu gleich langen Strängen rollen, diese sollen in der Mitte etwas dicker sein als an den Enden. Die Stränge an einem Ende zusammendrücken, dann einen Zopf flechten. Striezel
  6. auf das Backblech legen, mit Ei bestreichen und
  7. mit Hagelzucker bestreuen und nochmals kurz gehen lassen.
  8. Backofen auf 160 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Die Striezel ins Rohr schieben, dabei mit einer Sprühflasche zweimal Wasser einsprühen. Die Striezel in ca. 40 Minuten goldbraun backen.
  9. Herausnehmen und abkühlen lassen.

Striezel flechten – so geht’s mit 6 Strängen:

  • Germteig in sechs Stränge teilen
  • Die sechs Stränge in zwei Dreier-Gruppen teilen
  • Jetzt immer den mittleren Strang auf der einen Seite mit dem äußersten Strang der anderen Seite überkreuzen und in der Mitte ablegen
  • Auf der anderen Seite wiederholen – immer abwechseln, bis der Striezel fertig geflochten ist

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