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Buchempfehlung: Zu viele Putzfrauen

Lug, Trug und ein ehrenwertes Haus

El Awadalla kennt ihr Wien, kennt die Grantscherben, die, die alle im Haus beobachten, kennt die Hinterfotzigen und die, die so fein tun und den meisten Dreck am Stecken haben. Mit Witz und Schmäh klärt sie den Mord an der alten Frau Auinger auf und sorgt dafür, dass die Mörderin nicht immer die Putzfrau ist, denn wer hat im Zinshaus in Wien auch schon einen Gärtner!

Es ist schon wieder etwas passiert. Die alte, genauer gesagt, 82-jährige Frau Auinger wurde ermordet. Verdächtig: alle, wenn man den Herrn Gruber frägt. Denn der hat viele Spiegel angebracht, das Haus ist nämlich seine Welt. Da gibt es auch gleich den Studenten Christian und seine Freundin Lena, die wohnen im sechsten Stock, Lena sucht nach Räumen für eine Galerie. Na ja, der Frisiersalon des Ehepaar Meier wäre da gar nicht so schlecht. Man riecht es förmlich: Hier wird gemauschelt, die Frau Meier ist gar keine Friseurin, nur angeheiratet, dafür führt sie sich aber ganz schön auf!

El Awadalla trifft den Ton des Stiegenhaustrasches genau, da weiß jeder, was der andere tut, getan hat oder demnächst tun wird: Etwa der depperten Meier gleich die Kaution bringen. Lena hat sich dafür sogar den Bausparvertrag auszahlen lassen und Christian erfährt von der Franziska Auinger – das war natürlich, bevor man sie ermordete – so einiges über die Machenschaften der Meiers, besonders der jungen Frau Meier, diesem Luder, O-Ton des späteren Mordopfers, „kann man nicht trauen!“

Zurück zur bösen Tat: Die alte Auinger wurde mit einer Krücke mehrmals auf den Kopf geschlagen, ihre Münzsammlung und eine mindestens vierstellige Summe Bargelds fehlen auch. Na, wer das wohl war? Die serbische Putzfrau, die hier so gut Bescheid wusste oder die Ex des Auinger-Sohnes? Nun, die Brüder der Serbin sind kriminell, warum sollte ausgerechnet Dragica eine weiße Weste haben, selbst wenn sie sonst wirklich sauber putzt! Ein weiterer bunter Vogel, die meist besoffene Dichterin aus dem fünften Stock nimmt sich der verdächtigten Dragica an und sammelt ihrerseits Beweise. Soll sie doch, diese intellektuelle Tranklerin!

 

 

Dragica habe kein Alibi, behauptet Kowarik. Sie war in der fraglichen Zeit einkaufen, für Frau Horvath, eine ihrer alten Damen. Frau Horvath wohnt gleich ums Eck, Dragica war für sie beim Hofer.

Kommissar Kowarik stolpert durch das Zinshaus und die Ermittlungen, riecht Alkohol und Muffiges, hört sich die Geschichten an, die hier wild durcheinander erzählt werden, ein Wunder, dass da nicht schon mehr geschehen ist.

Ja, die Gerechtigkeit siegt, alle Fäden werden aufgerollt, nichts bleibt offen: So geht Krimi, so geht Regionalkrimi, so geht Gesellschaftskrimi bzw. –roman. Ein bisserl mögen muss man seine Heldinnen und Helden, die dunklen Gestalten und die Einsamen für eine solche Meisterleistung aber schon. Und weil es doch eh klar ist, dass die Dragica die alte Frau Auinger nicht umbrachte, hier noch ein schönes Zitat:

Helga sagt, Dragica müsse jetzt mindestens zwei Tage lang auf der Thaliastraße und auf dem Brunnenmarkt spazieren gehen und alle Leute freundlich grüßen, damit die sich endlich von ihrer Unschuld überzeugen können. Karin meint, das sei eine gute Idee. So gehen die zwei zwischen Ottakringer Straße und Thaliastraße spazieren, essen Eis, kaufen ein, grüßen und winken ...

Was Sie versäumen, wenn Sie diesen Roman nicht lesen

Humor, schräge Szenen, hintergründige Charaktere, der stete Kampf um Gerechtigkeit

Die Autorin El Awadalla

El Awadalla hat zahlreiche Jobs gut gemeistert, sie war u. a. als Buchhalterin, Erntehelferin, Putzfrau und Mitarbeiterin der Dokumentationsstelle für neuere österreichische Literatur tätig. Sie leitet das Kulturprogramm „Siebenstern“ und ist Vorsitzende der Österreichischen DialektautorInnen. Manchen Leserinnen und Lesern ist sie noch aus der Millionenshow 2005 bekannt. Sie wusste die richtige Antwort auf alle Fragen Armin Assingers.

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El Awadalla:
Zu viele Putzfrauen
Krimi
Milena-Verlag 2020.
160 Seiten.

Christina RepolustChristina Repolust

Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss, wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.”
www.sprachbilder.at

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