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Es gibt Leute, die kaufen das ganze Jahr über bei Petra Hartlieb in ihrer wundervollen Buchhandlung in der Währinger Straße in Wien ein. Die machen das also auch im Dezember. Und es gibt Kunden, die rasen am 24. Dezember ins Hartliebgeschäft und nehmen alles gern an, Hauptsache, es ist weihnachtlich verpackt. Alle Menschen, die im Handel arbeiten, kennen die last-minute-Weihnachtskunden, die Empathie ist gering, das Mitleid gehört den Beschenkten. Dazwischen streut die Autorin und Buchhändlerin Szenen, die davon erzählen, wie anstrengend es ist, Buchempfehlungen zu geben, wenn das Geschäft voll, das Internet „kaputt“ und der Buchhändlerin zum Sterben schlecht ist.

Aber irgendwann ist es plötzlich da: das Weihnachtsgeschäft und die damit verbundene tägliche Frage: Wie schaffe ich es, in meiner Mittagspause eine warme Mahlzeit zu kochen, zu essen und nachher noch so viel Zeit zu haben, um eine Viertelstunde auf dem Sofa zu dösen? Gar nicht, also wird Toastbrot mit Butter gegessen .... (S. 54)

Fazit: Es geht immer gut aus. Also, es wird immer Weihnachten, das Team achtet aufeinander, KundInnen bringen Kekse und warme Suppen, man hält einfach durch. Auch die Kinder sind größer und autonomer geworden, eigentlich läuft es rund. Und genau das wünsche ich mir zu Weihnachten: Es soll für die Menschen rund laufen, es soll sich am Ende alles ausgehen, ein Schluck Wein, genossen auf der Couch, noch ein nettes Gespräch und man schläft ein. Natürlich nicht beim Hartlieb-Buch, da will man gleich mal durch sein, nichts versäumen, auch die bereits erwähnte Bauchgrippe nicht. Wer Seminare in Teamführung sucht, ist hier ebenfalls am richtigen Weg, denn dieses Team kennt und versteht sich, Blödeln und Witzereißen inclusive.

 

Was Sie versäumen, wenn Sie das Buch nicht lesen: Buchtipps, Innensicht des Buchhandels, Empathie zwischen Buchhändlerinnen und KundInnen, ein weites Herz, eine Idee, wie Solidarität gelebt werden könnte, innige und hinige Momente des Daseins rund um Weihnachten, Überlebensstrategien eines Ehepaars, das eine Buchhandlung führt, ein Gefühl, das an Vanillekipferlgenuss ordentlich nah herankommt.

Die Autorin macht all ihren Leserinnen und Lesern Lust darauf, selbst eine Buchhandlung zu kaufen. Sie ist eine geniale Buchhändlerin, eine wundervolle Autorin – Hartlieb/Bielefeld Berlin-Wien-Kriminalromane, 2018 erschien auch ihr Roman „Wenn es Frühling wird in Wien“ im Dumont Verlag – und engagierte Frau. 1967 in München geboren, in Oberösterreich aufgewachsen, Studium der Geschichte und Psychologie. Ihre Buchhandlung in Wien/Währinger Straße ist nicht nur zu Weihnachten einen Besuch Wert.

Petra Hartlieb:
Weihnachten in der wundervollen Buchhandlung.
Köln: Dumont Verlag 2018.
159 Seiten.

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.”