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Wohin der Wind mich treibt

Geschlossene Grenzen? Reisewarnungen? Nicht mit Rino Lombardi! Er sammelt Winde aus aller Welt und nimmt mich mit in die Lüfte.

Eigentlich kann es einen Ort wie diesen nicht geben. Weil sich nicht festhalten lässt, was flüchtig ist. Und doch: Er existiert. Zumindest in Triest. Genauer gesagt: nur ein paar Schritte vom Hafen entfernt, wo die Segelboote im Wasser schaukeln. In der Via Belpogio 9 ist er, der ominöse Nicht-Ort, jener Platz, den sich die Phantasie erschaffen hat.
Besuch nur nach Verabredung. Ich bin mit Rino Lombardi verabredet. Und da biegt er auch schon um die Ecke. Ein quirliger Mann, groß, schlank, hellwache Augen hinter den Brillen, die Hände ständig in Bewegung. Er schließt die Türe auf und strahlt: sein Reich. Knappe fünfundfünfzig Quadratmeter groß, früher einmal ein Lager für Papier und inzwischen ein Museum für die Bora und die Winde aus aller Welt. Sein „Magazzino dei Venti“ sei ein Paradoxon, lacht er. „Wind braucht Raum, er ist nichts, was man einfängt. Also ist das meiste, das ich hier präsentiere, gar nicht sichtbar.“

Hundert Winde wollte Rino sammeln, neben allerhand anderen Fundstücken zu diesem Thema, und startete dafür einen Aufruf: Man möge ihm Böen aus allen Erdteilen schicken. Und da steht er nun und öffnet einen Schrank, dicht gefüllt mit Gurkengläsern, Fläschchen und Phiolen, sorgfältig beschriftet: Föhn aus Salzburg, Scirocco aus Trapani, ein Set mit sieben unterschiedlichen Winden aus Usbekistan. Rinos Zuträger dürfen sich „Botschafter des Windes“ nennen. Über dreihundert sind es geworden, Tendenz steigend. Einige seiner mit Urkunden bedachten Gesandten kennt er persönlich, weil sie bei ihm vorgesprochen haben, mit anderen korrespondiert er via Mail, auf „Esperavento, einer Mischung aus Esperanto & Vento.“ Er grinst mich an. So entwickeln sich Freundschaften und Verbindungen, über die Grenzen hinweg.

Und wer weiß? Vielleicht werden Rinos Bitten doch noch erhört. Ein wirklich großes, seiner einzigartigen Sammlung angemessenes Museum wünscht er sich. Bis es so weit ist, erprobt er sich vor kleinerem Publikum als Maestro der Lüfte. Und als Pilot: Der winzige Teppich, den er vor mir ausbreitet, findet gerade noch Platz in seiner bescheidenen Klause. „Setz dich drauf, wir heben gleich ab und fliegen los. Geschlossene Grenzen? Nicht für uns. Und keine Sorge, die Windböen werden uns treiben und sicher ans Ziel bringen.“ Wo immer das dann liegen mag: Meine Träume sind mit an Bord.

Susanne Schaber

Lässt sich gerne inspirieren von:
Vogelgezwitscher im Morgengrauen
Denkt vor dem Einschlafen noch gerne an:
Reisen und Abenteuer im Kopf

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