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Wo mein Glück wohnt

In diesen Wochen kehre ich zurück zu den einfachen Gerichten meiner Kindheit: Sie machen mehr als nur satt.

Kross gebratene Zwiebeln auf goldgelben, von Butter glänzenden Spatzeln. Der Käse zieht Fäden. Die Gabel kennt ihren Weg. Zunge und Gaumen glucksen vor Freude. Könnte so Glück aussehen?

In unserem Haushalt wird mit Leidenschaft gekocht – und mindestens so gerne gegessen. Was uns gegenwärtig vor größere Herausforderungen stellt: nur einmal in der Woche in den Supermarkt, so der Anspruch. Da wird der Einkaufszettel zur logistischen Meisterleistung. Doch Corona verändert mich. Ich bemerke, wie ich die Kochbücher von Yotam Ottolenghi oder Nigella Lawson beiseite räume und stattdessen zu Maria Drewes und ihrer „Tiroler Küche“ greife, ein Band, den mir meine Eltern geschenkt haben, als ich von Innsbruck nach Wien übersiedelt bin. Er zeigt bislang kaum Gebrauchspuren.

Jetzt habe ich ihn immer häufiger neben den Töpfen und Pfannen liegen. Graukassuppe, in Butterschmalz gebackene Blattln mit Kraut und Buchteln mit Vanillesauce. Schlichte Mahlzeiten, mit wenigen Zutaten, ziemlich gehaltvoll und nichts für Kalorien- und Erbsenzähler. Gerichte aber, die mich heiter stimmen. Sie holen mich in jene Tage der Kindheit zurück, da ich mich in der Küche geborgen und genährt gefühlt habe. Nach so einem Essen war ich bereit für alle Abenteuer, die vor der Haustür warteten.

Essen kann eine Bestärkung sein, gerade in Zeiten, die uns emotional schwächen und bedrängen: Das ist eine meiner Erfahrungen dieser Wochen. In den einfachen Rezepten stecken meine Erinnerungen – und zugleich hoffnungsfrohe Bilder für die Zukunft.

Die Wanderung auf die Haiminger Alm, im letzten August, plötzlich steht sie vor meinem inneren Auge. Als wäre es jetzt. Der steile Anstieg und das Erreichen der Baumgrenze, eine imaginäre Grenze: Der Alltag bleibt unten im Tal, der Blick auf die Gipfel und Grate relativiert, was festgefahren scheint. Eine fast schon kindliche Unbefangenheit macht mich übermütig.

Die kühle Luft, der Geruch der Kräuter und der Klang der Kuhglocken schüren die Lust auf Speisen ohne Schnörkel. Auf Moosbeernocken, wie ich sie schon immer geliebt habe: Heidelbeeren, noch warm von der Sonne, landen mit Mehl, Eiern, einer Prise Salz und etwas Zucker in einer Rührschüssel und dann Löffel für Löffel in heißem Fett. Eine kleine Explosion: Die Beeren platzen auf, das unverfälschte, pralle Aroma der Bergwiesen setzt sich frei.
Der nächste Sommer kommt bestimmt.

Susanne Schaber

lässt sich im Morgengrauen vom Vogelgezwitscher inspirieren und denkt vor dem Einschlafen noch gerne an Reisen und Abenteuer im Kopf, um am nächsten Tag beherzt ins Leben zu springen.

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