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10/22

Wir redeten über Geld!

Wir redeten über Geld!

Start der Veranstaltungsreihe des Landes NÖ, der kfb St. Pölten und Welt der Frauen in Wieselburg: ein bunter, lehrreicher und mitreißender Abend.

Sie war in allen Gesichtern deutlich abzulesen: Die Freude darüber, dass nach zweijähriger, pandemiebedingter Pause endlich wieder eine Welt der Frauen-Veranstaltung über die Bühne gehen konnte. Besagte Bühne war der Festsaal des wunderschön gelegenen Josephinums in Wieselburg, mit seinen historischen Mauern. In stimmungsvollem Ambiente ging es um das Nicht-unbedingt-Lieblingsthema vieler Frauen: Geld. Ein Thema, das nicht trotz, sondern gerade wegen der vielen herausfordernden weltweiten Krisen so wichtig ist: Auch im reichen Österreich gibt es Armut, die vor allem – und besonders hart – Frauen trifft. Ein Thema, dem sich auch viele zuwenden wollen. Darunter jene rund 200 Frauen – und eine Handvoll Männer -, die den informativen, spannenden und sehr persönlichen Vorträgen, moderiert von Welt der Frauen Chefredakteurin Sabine Kronberger, lauschten.

Geld und Freiheit

So berichtete Elisabeth Cinatl vom Verein „Wendepunkt“ von der häufig falsch verstandenen Bescheidenheit, die uns als Tugend beigebracht und gerade beim Thema Geld und Absicherung nicht unbedingt angebracht sei. „Wir werden sozialisiert, für andere da zu sein“, sagt sie. „Für andere da zu sein ist an sich schön, kein Geld zu haben macht aber abhängig von einer Person, die Geld hat.“ Dafür, dass Frauen finanziell selbstbestimmt durchs Leben gehen können, sorgt Lena Gugenberger und ihr Sozialunternehmen „Three Coins“. Sie möchte alle Frauen zu „Geldheldinnen“ machen und ist sich sicher, dass das jede kann: „Viele Frauen schätzen ihren Wissensstand, auch wenn er gleich hoch ist, geringer ein als jeder von Männern“, sagt Lena Guggenberger. „Man muss aber nicht Mathematik studiert haben, um seine Finanzen zu kennen!“

Geld hat viele Facetten. Einigee davon beleuchtet Anna Rosenberger, Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung der Diözese St. Pölten. Wie das unbezahlte, ehrenamtliche Engagement vieler Frauen oder die Selbstversändlichkeit, mit der sie Care-Arbeit leisten. Zumeist unentlohnt. Dazu kommt eine hohe Tabuisierung. „Man redet inzwischen leichter über Sexualität als über Finanzen.“ „Geld hat aber auch mit Selbstwert zu tun“, sagt sie und erzählt die Geschichte ihrer Mutter, die endlich in der Pension ihr erstes Geld hatte, über das sie frei verfügen konnte und ihrer Tochter ein E-Bike kaufte – und vor Freude über diese Freiheit weinte.

Potenziale nutzen

Als Hauptrednerin sprach Philosophin, Theologin, Buch-Autorin und Ordensfrau – und an diesem Tag Geburtstagskind – Melanie Wolfers darüber, dass wir nicht davor zurückschrecken sollten, uns zu entfalten, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. „Und dazu gehört das Geld“, sagt sie. „Es ermöglicht uns die Freiheit, aus einer schlechten Beziehung oder Job auszusteigen, Geschenke zu machen oder unserer Gesundheit etwas Gutes zu tun.“ Sie ermutigte dazu, die Potenziale, die in uns schlummern, zu nutzen, um uns und unser Umfeld zu bereichern.

Zu einer Schlussbetrachtung wurden Lena Baum, stv. Schulsprecherin der im Josephinum angesiedelten landwirtschaftlichen Schule und Frauenlandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister auf die Bühne gebeten. „Im Internat lernt man, sich sein Geld einzuteilen“, berichtete die Schülerin. „Es ist wichtig, dass Finanzen kein Tabuthema mehr sind.“ „Ich mache mir keine Sorgen“, sagte Christiane Teschl-Hofmeister voll Zuversicht über die Schülerinnen: „Wenn sie wollen, können sie wirklich!“ Sie gab noch den Rat mit auf den Weg, immer wieder die Perspektive zu wechseln. „Wie würde die Uroma über mich denken, wenn sie mich heute sehen könnte? Und wie die Urenkelin?“

Musikalisch umrahmt wurde der Abend, der bei angeregten Gesprächen und einem Gläschen Wein langsam ausklang, vom niederösterreichischen Duo Sitz. Sängerin Julia und Gitarrist Walter Sitz rissen alle Anwesenden mit ihrer großartigen Live-Performance mit. Ein Abend, der noch lange nachhallen wird!

„Auch wenn es in der Familie mit dem Geld gut funktioniert – was, wenn ein Notfall ist? Die Sache mit dem gemeinsamen Konto gibt mir gerade sehr zu denken. Ich habe auch eine Tochter und möchte ihr hier ein gutes Vorbild sein, ihr die richtigen Werte für Entscheidungen mitzugeben.“

Andrea Hohenegg, Schollach

 

„Geld ist immer Ausdruck von Wert und auch von Selbstwert. Was ich wertschätze, das kann ich monetär bewerten – und sollte ich auch einfordern.“

Kathi Kratochwill, Kilb

 

„Ich hoffe, dass die Damen und auch die Herren, die heute anwesend waren, ein bisschen anders über das Thema denken und auch daran denken, dass es immer rechtzeitig ist, andere anzusprechen. Gerade jetzt, wo wir einer krisenbehafteten Zeit gegenüberstehen, ist es nochmal wichtiger, sich zu überlegen: Was brauche ich? Was ist Wachstum? Kann es auch Wachstum im Inneren sein? Und wenn ein solcher Abend ein Impuls dafür sein kann, dann bin ich gern dabei.“

Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister

„Dieser Abend bedeutet eine ganz große Ermutigung und Stärkung. Wieder einmal bei so einer Veranstaltung zu sein, unter vielen anderen zu sein, motivierendes und stärkendes zu hören: Genau das ist unser Auftrag.“

Anna Rosenberger, kfb St. Pölten

 

„Frauen trauen sich sehr wenig Kompetenzen zu in Sachen Finanzen und kümmern sich oft nicht rechtzeitig und gut genug um ihre finanziellen Belange. Das hat großen Einfluss auf ihre Biografien. Von daher halte ich es für wichtig, Frauen zu ermutigen und darin zu unterstützen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen – und dazu gehört eben auch die finanzielle Basis, die Selbstständigkeit und Unabhängigkeit ermöglicht.“

Melanie Wolfers, Philosophin, Theologin und Ordensfrau

 

„Das Thema Geld hat viele Facetten – es beeinflusst alle Bereiche unseres Lebens und von daher ist es etwas, mit dem sich alle Menschen zu wenig befassen. Frauen sind dabei im Lebenslauf mit speziellen finanziellen Herausforderungen konfrontiert, das beginnt schon dabei, dass Mädchen weniger Taschengeld als Buben bekommen.“

Lena Gugenberger, Three Coins

 

„Viele Frauen nehmen sich oft die Zeit nicht und haben wenig Räume, über bestimmte Themen zu sprechen. Das Thema Geld ist noch dazu schambehaftet und da ist eine Veranstaltung so wichtig, weil sie einen Raum dafür öffnet und das Thema überhaupt erst zum Thema macht.“

Elisabeth Cinatl, Verein Wendepunkt