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Wie arm wären wir doch ohne unsere Vögel!

Was beruhigt uns in Krisen? Mich beruhigt es, wenn meine Bücher alphabetisch im Regal stehen. Es beruhigt mich auch, wenn der Kühlschrank sauber und sehr übersichtlich ist und es beunruhigt mich, wenn Lebensmittel verderben. Georg Wögerbauer macht mit seinem Buch Lust darauf, die eigenen Vögel und deren Funktion im Leben genau anzusehen. Es wäre eine Möglichkeit, sich selbst mehrere Flügelschläge lang ein wenig besser zu verstehen. Ja, das Herz könnte einem aufgehen dabei und das wär doch ein Anfang einer wunderbaren Freundschaft mit den eigenen Vögeln.

Glücksuche zwischen Festhalten und Loslassen

Hier geht es zum Glück nicht um billigen Trost und seichte Gedanken, hier geht es ganz im Gegenteil so richtig zur Sache. Der Allgemeinmediziner und Psychotherapeut Georg Wögerbauer verbindet Poesie und Scharfblick, Erfahrung und Analyse zu einem gelungenen Buch: Man wird klüger, man wird nachsichtiger mit sich und den anderen. Man versteht, warum der Kontroll-Vogel manchmal dominiert und der Sorgen-Vogel so beständig über einem kreist.

Der Autor beschreibt beispielsweise den Vogel der Enge und des Perfektionismus sehr anschaulich, da wird man doch gut gelenkt, ein wenig eng ist es natürlich und das Lachen, das kommt eindeutig zu kurz. Diesem Vogel und damit denen, auf deren Schultern er sitzt, werden hier kluge Fragen gestellt:

Was rührt mich zu Tränen? Was kann ich tun, damit der Genuss-Vogel, der Vogel der Freude und der Lust bei mir landen können, welche neuen Nestbedingungen braucht es da?

Menschen, die den Vogel der Enge auf ihren Schultern tragen, kommen weit, aber sind gleichzeitig die Diener*innen jener, die vom Macht-Vogel gesteuert werden, das nur als Motivation, sofort neue Nestbedingungen für den Genuss-Vogel zu suchen.

Es macht Mut, die Lebensmuster zu erkennen, die einzelnen Vögel zu sehen, zu beobachten und Veränderungen zu planen. Manche Überlebensmuster haben eigentlich ausgedient, mit Gruseln und auch mit Grausen erinnern wir uns lesend an die Vorhaben mancher Erwachsener: „Der/dem gehören schnell die Flügel gestutzt“. Gleichzeitig darf uns doch nicht nur ein Dosengetränk beflügeln, wir können doch mehr: Was beflügelt unsere Phantasie? Wer beflügelt unseren Lebensmut? Was kam lange zu kurz, welcher Vogel darf endlich auf unseren Schultern landen? Ein Buch über Bruchlandungen, vom Flugversuch zu Abschiedlichkeit, über Ikarus und über Flugenten – das Register macht Mut, sich den eigenen Vögeln zu stellen: Wer seine Vögel lange genug betrachtet hat, hebt ab und kann ab jetzt auf seine To-do-Listen verzichten. Ein stilles, besinnliches Buch, voller Poesie, das seinen Leser*innen die Freiheit lässt, Visionen anzunehmen oder einfach nur auf sich wirken zu lassen. Wer sich selbst nicht mehr täuschen will, muss andere ent-täuschen, auch davon erzählen die Geschichten. Und das macht wiederum Mut, Flugbahnen zu analysieren, To-do-Listen auf Urlaub zu schicken und sich mutig der eigenen Verletzlichkeit und Endlichkeit zu stellen.

Was Sie versäumen, wenn Sie dieses Buch nicht lesen

Poesie, Gedichte, Erinnerungen, Einladungen, sich der eigenen Verletzlichkeit zu stellen, dass Ihnen jemand sehr zart und liebevoll Mut macht, Freude, liebevolle Betrachtung der eigenen Zwänge

Der Autor Georg Wögerbauer

ist Allgemeinmediziner und Psychotherapeut, leitet mit seiner Frau Sigrid das Projekt Gesundheitsentwicklung im Waldviertel. Weitere Bücher von ihm: „Herzensangelegenheiten“, „Momente der Heilung“ und „Irgendwann kommt nie“ – alle im Orac-Verlag.

Georg Wögerbauer:
Flugversuche.
Wie ich meine persönlichen Vögel zum Fliegen bringe.
Orac Verlag 2020.
184 Seiten.

Christina RepolustChristina Repolust

Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss, wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.”
www.sprachbilder.at

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