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„Was, du auch?“

Ansteckende Bakterien, komischer Ausfluss, Fragen der Intimhygiene – wer im Freundinnenkreis sogenannte „Frauenleiden“ anspricht, erfährt, wie viele andere betroffen sind – und schweigen. Vier Frauen erzählen, was sie gequält hat. Dazu liefert Frauenärztin Anna Brucker professionelle Erklärungen.

Julia (33), Diagnose:

Humane Papillomaviren
Von Pap3D habe ich zufällig während meiner ersten Schwangerschaft erfahren. Da habe ich den Gynäkologen gewechselt und einen Krebsabstrich gemacht. Komisch habe ich gefunden, dass mein früherer Arzt nie Humane Papillomaviren (HPV) erwähnt hatte. Nachdem mein Abstrich positiv war, also HPV gefunden worden waren, musste ich zur Sicherheit öfter eine Kontrolle machen. Weil es nicht anders geworden ist, also auch nicht besser, habe ich eine Überweisung ins Krankenhaus bekommen, für eine Konisation, es sollten also befallene Zellen weggeschnitten werden. Aber aus heiterem Himmel war die Probe, die der Arzt vor dem Eingriff genommen hatte, wieder unbedenklich. Mittlerweile habe ich schon viel mehr über den Virus gehört. Jetzt hängt zum Beispiel in der Ordination meiner Frauenärztin ein Plakat über HPV-Impfungen. Für mich war der Zeitpunkt des Befundes das erste Mal in meinem Leben, dass ich mich mit einem möglichen Krebsrisiko befassen musste. Das hat mir schon Angst gemacht. Aber die Angst war größer als das, was dann tatsächlich war. Zum Glück ist HPV kein Tabuthema. Es ist nicht eklig, und es hat fast jeder. Ich habe echt schon mit vielen Leuten darüber geredet.

Dr. Anna Brucker(Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe in Eferding, Oberösterreich.):
Der Scheidenpilz ist eine der häufigsten Entzündungen der Scheide und der Vulva. Viele Frauen stecken sich nach einer Antibiotikatherapie an, da dadurch die fein abgestimmte Balance der Darmflora verloren geht, was sich wiederum auf die Geschlechtsorgane überträgt. Andere Risikofaktoren sind eine stark zuckerhaltige Ernährung, Stress, viel Schwitzen, Schwimmen in Hallenbädern und zu viel Intimhygiene, die die hauteigene Abwehr zerstört. Eine Pilzentzündung äußert sich meistens durch Rötung, Juckreiz, Ausfluss und Schmerzen beim Sex, kann aber auch ohne Symptome verlaufen. Zur Vorbeugung könnte man bei einer Antibiotika-Einnahme zugleich Probiotika für das Aufrechterhalten einer gesunden Darmflora nehmen und eventuell Antipilzzäpfchen und -cremes verwenden. Nach einer Therapie gegen den Pilz sollten betroffene Frauen ihre Scheidenflora mit Milchsäurebakterien unterstützen. Eine Blasenentzündung wird durch Bakterien verursacht, kaum durch Pilze. Allerdings kann eine durch Pilze entzündete Vulva ein Wegbereiter sein für eine Fehlbesiedlung der Blase und somit zu einer Blasenentzündung führen.

Chlamydien sind kleine Bakterien, die vorwiegend sexuell übertragen werden und daher vor allem im Genitalbereich vorkommen. Von da aus können sie durch Schmierinfektion aber auch in die Augen gebracht werden und eine Bindehautentzündung verursachen. Im Genitalbereich bewirken sie eine Gebärmutterhals-Entzündung, können, langsam aufsteigend, zu einer Gebärmutterschleimhaut-Entzündung führen und sich auch im Bauchraum ausbreiten. Über das Blut können die Chlamydien außerdem in den Gelenken Entzündungen verursachen. Die Ausbreitung der Bakterien geschieht sehr langsam, und zu 90 Prozent haben betroffene Frauen keine oder nur leichte Symptome, wie eitrigen Ausfluss, Zwischenblutungen oder Kontaktblutungen. Daher wird die Mehrzahl der genitalen Chlamydieninfektionen nicht oder erst spät bemerkt. Eine mögliche Folge der Infektion ist Unfruchtbarkeit. Als Therapiemethode helfen Antibiotika. Vorbeugen kann man nur durch Verhütung mit Kondom.

Eine gewisse Gruppe der HP-Viren kann Genitalwarzen, sogenannte Condylome, verursachen. Diese blumenkohlartigen Gewächse auf der Haut sind sehr lästig, verursachen Brennen und Juckreiz und sind sehr ansteckend. Es gibt viele therapeutische Möglichkeiten: lokale Cremes, homöopathische Mittel, lokale Ätzmittel. Auch der Besuch bei einer „Wenderin“, also einer Heilerin, kann manchmal Wunder wirken. Wenn nichts davon hilft, muss man die Warzen operativ entfernen lassen

 

Foto: AdobeStock

Erschienen in „Welt der Frauen“ 10/18