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Warum so viel Gewalt?

Die Wahrscheinlichkeit, von einem vertrauten Mann ermordet zu werden, ist nirgends so hoch wie in Österreich. Wie kann das sein und was ist dagegen zu tun?

Es sei, schrieb ein Herr in einem Leserbrief an eine Regionalzeitung, die Folge eines „feministischen Familienrechts“, dass Männer am Ende mit Gewalt gegen von ihnen als übermächtig empfundene Frauen vorgingen. Wer seine Kinder nicht zu sehen bekomme und nur für sie zahlen müsse, räche sich eines Tages an der Verursacherin der Misere. Eine kühne Behauptung, die aber vielleicht in mehr Köpfen kreist, als einem lieb sein kann. Frauen, die sich trennen wollen oder gerade getrennt haben, sind besonders oft Opfer von Gewalt durch ihre Partner. Viele von diesen betrachten Frauen nach wie vor als ihr Eigentum. Mit dem Zuzug von Menschen aus männlich dominierten Gesellschaften ist ihr Anteil auch in Österreich höher geworden. Aber es wäre zu einfach, nur die Migranten als Schuldige zu identifizieren. Gut die Hälfte der Frauenmörder sind Österreicher. Was treibt sie an? Zum einen kann man sicher sein, dass 40 Jahre rechtliche Gleichstellung von Frauen im Familienrecht jahrtausendealte Vorstellungen von Über- und Unterordnung nicht aus der Welt geschafft haben. Zum anderen weiß man aus der Geschlechterforschung, dass patriarchale Gesellschaften sehr hierarchisch organisiert sind. Deswegen gibt es dort nicht nur bei den Frauen, die automatisch zweitgereiht sind, sondern auch bei Männern, die sich nicht durchsetzen können, Verlierer. Wer sich nicht mehr anders zu helfen weiß, schlägt zu. Man kann davon ausgehen, dass hinter jeder Gewalt ein verletzter Mensch, ein schwacher Selbstwert und ein erbarmungswürdiges Wesen steht. Gewaltausbrüche sind trotzdem Unrecht und zu bestrafen. Aber man könnte früher ansetzen und fragen, wie man Menschen, Männer und Frauen, vor Verletzungen der Seele, ihres Selbstwerts und ihrer Person schützen kann. Wer auf sich als Macho hält, wird das als völligen Unsinn abtun. Der neue brasilianische Präsident Bolsonaro ermuntert Frauen, sich zu bewaffnen und schneller als ihr möglicher Mörder zu schießen. In Österreich ist das Verständnis von Gewaltschutz zwar weiter gediehen, aber auch da wird es vor allem zur Frauensache gemacht. In den Reaktionen auf die jüngsten Morde an Frauen sind vor allem Frauenpolitikerinnen aufgetreten und haben strengere Strafen für die Täter gefordert. Das Signal heißt: Wenn Frauen ermordet werden, ist das Sache der Frauenpolitik. Das ist einseitig und gefährlich. Niemand erwartet von Männern, dass sie sich stellvertretend für ihre Geschlechtsgenossen schuldbewusst auf die Brust klopfen. Für seine Tat ist nur der Mörder selbst verantwortlich. Es ist auch völlig in Ordnung, kriminell auffällige Männer rechtzeitig unter Beobachtung zu stellen und die Beratungs- und Hilfsangebote für Frauen auszubauen. Aber Gewaltexzesse gegen Frauen, die sich von Männern emanzipieren möchten, haben etwas mit dem grundlegenden Verständnis der Geschlechterrollen zu tun. Da ist in den vergangenen Jahren einiges in Bewegung gekommen. Männerberatungsstellen sind entstanden, immer mehr Männer sind fähig, zu artikulieren, dass sie mit dem neuen Rollenverständnis, das die Frauen ihnen vorlegen, noch zu kämpfen haben. Und gar nicht so wenige erproben sich schon partnerschaftlich. In einer solchen Situation wünscht man sich von den Herren der Österreichischen Bundesregierung, dass sie gemeinsam auftreten und ihren Geschlechtsgenossen unmissverständlich sagen: „So geht das nicht. Wir sind moderne Männer, die ihren Selbstwert nicht daraus beziehen, Frauen kleinzumachen. Wir wollen gut miteinander leben, und wir werden uns als Männer mit den Frauen der Regierung dafür einsetzen, dass das künftig besser als bisher möglich ist.“ Das wäre ein Wort. Und ein kräftiger Anstoß, die hartnäckigen Reste alter Männlichkeit und überkommener Weiblichkeit aufzulösen. Dem zu Gewalt neigenden Patriarchalismus ein Ende zu bereiten wird nur gelingen, wenn Männer und Frauen das wollen._

Christine Haiden vermisst in der Debatte um Gewalt an Frauen die Stimme der Männer.

Gewaltschutz: Teilweise vorbildlich

Österreich hat im Vergleich zu anderen Ländern vorbildliche Gewalt­­­­­­­­schutz­­gesetze. Allerdings fehlen laut GREVIO-Bericht des Europarates rund 210 Millionen Euro, die in konkreten Gewaltschutz investiert werden müssten. Um Übergriffe auf Frauen zu verhindern, sind auch präventiv wirkende Maßnahmen nötig. Dazu gehört eine Unterhaltssicherung für Frauen, damit sie sich aus gewalttätigen Beziehungen lösen können. Auch eine verstärkte Arbeit mit Männern und Burschen gehört dazu. Die tradierten Rollenbilder machen Männer noch deutlich unfähiger, ihre Bedürfnisse zu artikulieren und wertschätzend mit Frauen zu kommunizieren. Der stärkeren Bestrafung der Täter oder der schnelleren Abschiebung straffälliger Ausländer wird von ExpertInnen ­weniger Gewicht beigemessen als der Veränderung des Geschlechter­verhältnisses. Die von der Regierung gestrichenen Fallkonferenzen zwischen Polizei und Opferschutzeinrichtungen sollen nach der Häufung von Frauenmorden Anfang 2019 wieder eingeführt werden.

Was ist Ihre Meinung dazu? Schreiben Sie uns! meinemeinung@welt-der-frauen.at

Erschienen in „Welt der Frau“ 03/19

Illustration: www.margit-krammer.at