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01-02/23

„Volle Partizipation für Frauen auf allen Ebenen“

„Volle Partizipation für Frauen auf allen Ebenen“

Gabriele Eder-Cakl (52), langjährige Pastoralamtsleiterin der Diözese Linz, wird ab März 2023 Direktorin des Österreichischen Pastoralinstitutes (ÖPI). Sie folgt Walter Krieger nach, der in den Ruhestand tritt.

Was kann man sich unter dem Österreichischen Pastoralinstitut vorstellen, und mit welchen Gefühlen ist die neue Aufgabe für Sie verbunden?

Das Pastoralinstitut ist ein Beratungsgremium, eine Fachstelle für die Österreichische Bischofskonferenz und die österreichischen Diözesen in Bezug auf die Entwicklung der Seelsorge. Manche Fragen der Seelsorge, zum Beispiel die digitale Seelsorge, sind nicht mehr an die Grenzen eines Bundeslandes oder einer Diözese gebunden. Wir haben durch die Coronapandemie bemerkt, wie sehr die Menschen den digitalen Raum nutzen, und wir bieten dort auch Seelsorge an. Darüber hinaus können wir von Seiten des Pastoralinstituts verschiedene Zukunftsprozesse in den Diözesen unterstützen. Da geht es um Fragen wie etwa: Wie geht Christsein heute? Wie geben wir unsere Inhalte weiter? Ich freue mich sehr auf die neue Aufgabe, da ich gerne österreichweit und noch darüber hinaus denke.

Wie lässt sich der digitale Raum für die Seelsorge nutzen?

Ganz konkret heißt das zum Beispiel, über Instagram Fragen der Trauerhilfe zu beantworten. Oder auch sichtbar zu sein mit den kirchlichen Festen. Seelsorge heißt Dasein, Gesprächsmöglichkeiten anbieten, Perspektiven aufzeigen, Kontaktmöglichkeit geben, und das tun wir nicht nur in den Pfarren und über die pastoralen Knotenpunkte wie Bildungshäuser, Krankenhäuser oder die Telefonseelsorge, sondern auch über Social Media.

Sehen Sie Social Media auch als Chance, junge Menschen anzusprechen?

Wir müssen uns natürlich darüber klar sein, wo sich die jungen Leute aufhalten. Aber ich glaube, dass es weniger um die Form als vielmehr um die Inhalte geht. Das belegen auch Studien. Auch wenn wenig Kirchenbindung vorhanden ist, können die jungen Menschen sehr wohl mit den kirchlichen Themen mitgehen, etwa wenn es um den Umgang mit der Schöpfung geht, den Klimaschutz oder auch die großen Fragen des Lebens: Was ist mein Platz in der Welt? Momentan merken wir alle sehr, dass wir endlich sind. Wir können den Frieden in der Ukraine nicht mit einem Schnipser herstellen, wir können nicht auf der Stelle Krankheit abschaffen und unser Gesellschaftssystem verändern. Die Endlichkeit zeigt uns: Da gibt es noch mehr. Auch das soziale Engagement in der Kirche kann junge Menschen ansprechen, und nicht zu vergessen sind die kulturellen Inhalte interessant für die Menschen. Ob das nun die Kirchen sind oder ob es die Musik ist: Da vermittelt sich etwas, das über Worte hinaus berührt und eine Tiefendimension aufzeigt. Es gibt viele Anknüpfungspunkte, aber diese Anknüpfung muss auch geschehen und muss gefunden werden.

„Die Kirche kann sich verändern, aber vielen dauert es zu lange und manche haben den langen Atem nicht mehr.“

Was tut sich in der Frauenfrage innerhalb der Kirche?

Derzeit tut sich sehr viel. Die Frage der Geschlechtergerechtigkeit und der Gleichstellung von Mann und Frau ist innerhalb der katholischen Kirche gerade ein großes Thema. Papst Franziskus hat weltweit einen synodalen Prozess ausgerufen, in dessen Rahmen wir miteinander an aktuellen Fragen und Themen arbeiten. In der Zusammenfassung aller Stellungnahmen weltweit hat sich gezeigt, dass wir einen Weg finden müssen, Frauen auf allen Ebenen in der Kirche zu beteiligen und dazu gehören auch Leitungsaufgaben sowie die Weiheämter.

Die Diskussion um Geschlechtergerechtigkeit ist auch innerhalb der Kirche nicht neu. Warum dauert es so lange, bis sich etwas ändert?

Die Frage stelle ich mir auch immer wieder. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass die Kirche so groß und ein schwerfälliger Organismus ist. Aber grundsätzlich hat auch die Kirche schon bewiesen, dass sich etwas verändern kann, man denke etwa an das Zweite Vatikanische Konzil, als die große Burg zu einem Miteinander in der Welt wurde. Die Kirche kann sich verändern, aber vielen dauert es zu lange und manche haben den langen Atem nicht mehr.

Etliche Frauen haben sich frustriert von der Kirche abgewandt. Wie will man sie wieder ins Boot holen?

Ich spreche auch immer wieder mit Frauen, die sagen: „Ich kann da nicht zustimmen, ich kann da nicht dabei sein.“ Zum Teil ist das für mich auch verständlich. Ich glaube, wenn die Kirche weltweit ein Statement abgibt und sich etwas verändert, dann können die Frauen sagen: „Jetzt mache ich wieder mit.“