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Tatort Küche oder: Einfach schön

Eva Rossmanns Ermittlerin Mira Valensky löst gekonnt, gewitzt und umsichtig jeden Kriminalfall. Dazwischen kocht sie hervorragend für die Guten, ihren Ehemann, ihre Freunde, allen voran für ihre Freundin und Wegbegleiterin Vesna Krajner. Gismo, leider ließ ihn Eva Rossmann sterben, stand ja unheimlich auf Oliven. Ich liebe an den Rossmann Krimis die Momente – neben all den spannenden Szenen natürlich -, in denen Mira überlegt, schnell mal was zu kochen und in ihren Kühlschrank lugt.

So, das war der Gruß aus der Rezensions-Küche zum genialen Kochbuch, um das es hier geht. Nein, nicht als Opfer. Klug, wohl durchdacht und wunderschön bebildert präsentieren „Geschichtenerzählerin und Küchenindividualist“ hier Lieblingsrezepte und zwar so, dass wir LeserInnen ganz schnell in den eigenen Kühlschrank lugen.

Nach dem letzten Rezept „Trüffelkugeln“, S. 198,  kommen noch wichtige Seiten.

Wir wären lieber Gäste. Etwas haben Manfred und ich gemeinsam. Wir werden selten zu privaten Essen eingeladen. Ich glaube nicht, dass wir überdurchschnittlich unsympathisch sind. Wir sind sauber und einigermaßen höflich (zumindest, wenn wir zu Besuch sind). Unsere Ehepartner sind sogar außergewöhnlich nett.
Seite 201

 Ja, da traut man sich nicht drüber, die beiden Profis einzuladen und ihnen das selbst Gekochte auf den Teller zu schieben, zu schöpfen, gleiten zu lassen.

Gemeinsam gute Momente erleben ist wichtiger als Hochleistungsakte in der Küche. Wenn ich mich mit lieben Freundinnen treffe, dann sind mir verkochte Nudeln ziemlich egal, es geht um feine Gespräche.
Seite 201

Nach dieser Entlastung folgt das kleine österreichisch-deutsche Küchenwörterbuch, das Rezepteregiste gefolgt von den Basisrezepten zum Schnellfinden sowie den Rezeptvarianten für Experimentierfreudige. Nockerlteig finde ich auf Seite 82, das finde ich also schnell, wenn ich wirklich nach dem Buch kochen will. Wer Kochbücher als Bilderbücher anschaut, genießt bereits im ersten Durchgang. Acht Kapitel lang genießt man, liest kurze Teaser, etwa von Eva Rossmanns Freude über eingelegte Essiggurkel als Kind, um dann zum Imbiss „Eingelegter Muskatkürbis mit Schinken vom Freilandschwein“, der Kürbis darf hier in 250 ml weißem Balsamicoessig und 250 ml Grünem Veltliner baden! Danach könnte man doch Schinkenrollen oder Schinken rollen und die gefüllten Eier erinnern zwei Generationen an Oma, wenn sie es richtig gut mit einem meinte. Weiter geht die Jause, hin zum Brimsen, der in den Originalliptauer gehört. Auch die Suppen überfordern einen nicht, man muss nicht außer Landes reisen, um die Zutaten zu besorgen, die „bunte, klare Gemüsesuppe“ klingt wie „du hast es doch gut!“ und genau so ist der Stil des Kochbuches: Wohlwollend, differenziert, Reste verwertend, ja, da muss das Schwarzbrot halt die Weinviertler Veltliner-Brot-Suppe rein, da hilft nichts! „Buchingers Müllirahmstrudel“  macht bereits beim Anschauen und Rezept-Studieren zufrieden, selten schrieb jemand so freundlich und dem gierig Lesenden so zugeneigt über Kalorien. Da darf alles sein, kann, muss aber nicht. Keine Besserwisserei, keine Spielverderberei: Man wird als erwachsen betrachtet, als verantwortungsbewusst gesehen, juhu, da baden die Feigen in Orange (Saft einer Orange und in 80 ml Cointreau!).

Was Sie versäumen, wenn Sie dieses Buch nicht lesen: Freude, Inspiration, Glück, klare, gute Rezepte, Erinnerungen, Kochpoesie, da kommt kein Hund in die Küche!, da wird gefühlvoll umgerührt, auf Qualität geachtet, einfach mal so, herzlich und fair.

Die Autorin Eva Rossmann, 1962 in Graz geboren, lebt im Weinviertel, politische Journalistin, Moderatorin, Initiatorin des Frauenvolksbegehrens 1997, Bestsellerautorin, Verfassungsjuristin, zahlreiche Preise, 2014 beispielsweise den Leo-Perutz-Preis für Kriminalliteratur der Stadt Wien, ist Autorin und Köchin. www.evarossman.at

Manfred Buchinger hat an 31 Plätzen weltweit gekocht, Japan, ja auch, Frankreich ja schon, 1999 hielt er die High-End-Küche mit all ihren Sternen/Hauben für überholt, eröffnete unweit von Wien Buchingers Gastahaus „Zur alten Schule“, ist ein Vorreiter der Kunst der einfachen Küche, er lebt im Weinviertel. www.buchingers.at

Eva Rossmann/Manfred Buchinger:
Entspannt kochen.
Lieblingsrezepte aus Österreich.
Mit Fotografien von Thomas Apolt.
Pichler Verlag 2019.
208 Seiten.

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.”

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