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Strauß um Strauß, Teil 3

Rettet die Wiesen! Ich beobachte seit Jahren, was passiert, wenn man bunte Blumenwiesen mit Jauche besprüht.

Die Wiesen vor und hinter dem Haus, in dem wir wohnen, sind riesig. Sie gehören zum Haus, sind aber an einen Bauern verpachtet, der sie mäht. Er mäht ein, maximal zwei Mal pro Saison. Sehr zur Freude der Kinder, die es lieben zu beobachten, wie alle hundert Meter seltsam ruckelnd ein neuer gewaltiger Heuballen aus dem Bauch der Ballenpresse hervorrollt, als würde er von einem Metallmaul ausgespien.

Dass der Bauer nur selten und meist spät in der Saison mäht, ist gut, weil die Gräser und Blumen in den meisten Jahren so lange stehen bleiben, dass sie Samen ansetzen und verstreuen können. Das würde die Pflanzenvielfalt fördern. Doch leider düngt der Bauer die Wiesen seit ungefähr fünf Jahren auch. Früher hat er das nicht getan. Nun überzieht er sie im Herbst oder Frühjahr in langen Schlangenlinien mit Jauchespuren. Das tut ihnen – in puncto Artenreichtum – nicht gut.

Storchschnabel SamenstandIch weiß es. Ich halte die Wiesen seit mehr als einem Jahrzehnt unter Beobachtung. Jahr für Jahr verfolge ich – Sträußchen pflückend – mit, was wann und wo auf ihnen blüht. Wo die Margeriten stehen und wo die Wiesenglockenblumen, wo der Sauerampfer und wo der Braune Storchschnabel mit seinen storchschnabelförmigen Samenständen (Bild rechts), wo die Roten Lichtnelken, deren bodenständige pinke Blüten nach einigen Wochen vom Pink der fiedrig-filigranen Kuckuckslichtnelken abgelöst wird, und wo die weißen – und sogar ein paar rosarote – Schafgarben. Weil ich das weiß, fällt mir auch auf: In größerem Maßstab existiert die Artenvielfalt inzwischen nur mehr an den Rändern und Böschungen, wo nicht gedüngt wird. Überall sonst haben längst ein paar wenige – zumeist gelbblühende – Arten überhandgenommen; allen voran Hahnenfuß und Klappertopf. Man sagt, Gelb ist die Farbe der überdüngten Wiesen. Jeder, der im Frühling entlang von löwenzahnübersäten Feldern fährt, weiß, was gemeint ist. So schön dieser Anblick sein mag: Zumeist zeigt die Dominanz der Gelben die Verwandlung einer artenreichen Wildblumenwiese in eine artenarme Nutzwiese an.

Ich aber mag die Vielfalt. Und mit mir alle Bienen, Schmetterlinge, Vögel und was da sonst noch kreucht und fleucht. Man kann es gar nicht oft genug sagen: Rettet die Blumenwiesen! Ein wunderbarer Tipp für alle, denen das am Herzen liegt: wildblumensaatgut.at: Am 13.6. findet übrigens im Waldviertler Voitsau der nächste „Wiesenspaziergang“ des „Voitsauer Wildblumensamen“-Teams rund um Karin Böhmer statt. Not to be missed!

Und hier natürlich auch noch mein Wiesenrand-Sträußchen-Gruß von heute:

  • Brauner Storchschnabel (Geranium phaeum)
  • Kuckuckslichtnelke (Lychnis flos-cuculi)
  • Wiesen-Glockenblume (Campanula patula)
  • Wiesen-Margerite (Leucanthemum vulgare)
  • Wiesen-Sauerampfer (Rumex acetosa)
  • Blüten vom Schnittlauch (Allium schoenoprasum)
  • Glatthafer-Ähren (Arrhenatherum eliatus)

Julia Kospach

lässt sich gerne inspirieren von allem, was da wächst & blüht und kreucht & fleucht, und natürlich immer von Büchern, Büchern, Büchern & denkt vor dem Einschlafen gern an das Morgenlicht-Leuchten des nächsten Tages.

Foto: Rita Newman

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