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06/2026

Urlaubsstimmung: Sommer ist, was in deinem Kopf passiert

Urlaubsstimmung: Sommer ist, was in deinem Kopf passiert
Foto: Adobe Stock
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  • Veröffentlicht: 12.08.2023
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Die Monate Juli und August verbindet man gerne mit Leichtigkeit, Lebensfreude und Freiheit. Um diese Gefühle innerlich zu konservieren, helfen Ideen aus aller Welt. Ein Überblick.

Der tägliche kleine Urlaub

Der obligatorische Espresso samt einem Stück Tiramisu nach dem Mittagessen, ein Spaziergang entlang der Strandpromenade, ein Feierabend-Aperol gemeinsam mit FreundInnen oder eine Pizza Margherita ohne jeden Anflug von schlechtem Gewissen: Kaum einer anderen Personengruppe wird die Fähigkeit, das Leben in all seinen Facetten zu genießen, so häufig zugeschrieben wie den ItalienerInnen. Der Begriff „Il dolce far niente“, das „süße Nichtstun“, ist untrennbar mit der Lebenswiese unserer südländischen NachbarInnen verbunden. Für sie bedeutet der tägliche, stets wohlverdiente kleine Urlaub vom Alltag niemals, „bloß faul“ zu sein. Sie gönnen sich den Müßiggang aus vollem Herzen und laden dazu ein, es ihnen gleichzutun. La vita è bella!

Die Lehre in Menschlichkeit

Einen anderen Blickwinkel ermöglicht die südafrikanische Lebensphilosophie „Ubuntu“. Diese Lehre in Menschlichkeit lässt sich sinngemäß mit den Worten „Ich bin, weil wir sind“ erklären. Sie verfügt über zwei berühmte Vertreter: Nelson Mandela und Desmond Tutu. Laut letzterem ist ein Mensch mit „Ubuntu offen und zugänglich für andere, fühlt sich durch andere bestätigt und nicht bedroht, sondern weiß um die Fähigkeiten und Güte anderer. Er oder sie besetzt eine ausgeprägte Selbstsicherheit, die von dem Wissen herrührt, dass jeder Mensch einem größeren Ganzen angehört.“ Ubuntu bedeutet nicht, stets selbstlos sein zu müssen. Es regt dazu an, den Blick auf die Gemeinschaft zu richten und dieser etwas zurückzugeben. Der Lohn dafür ist ein Gefühl von Freude und innerer Zufriedenheit.

Sinnsuche auf Japanisch

Eine Philosophie, die in der kommenden kalten Jahreszeit bei der Sinnsuche helfen kann, ist „Ikigai“. Die jahrhundertealte Weisheit aus Japan setzt sich aus den Worten „iki“, dem Leben, und „Gai“, dem Wert, zusammen.

Es ist ein Begriff, der für „lebenswert, „Wert des Lebens“ oder „Lebenssinn“ steht. In dem Buch „Ikigai. Die japanische Lebenskunst“ des japanischen Neurowissenschaftlers Ken Mogi wird es als „das, wofür es sich zu leben lohnt“ beschrieben.

Das Maß aller Dinge

ExpertInnen für mehr Balance finden sich unter anderem im Norden Europas. Das schwedische Lebensgefühl „Lagom“ beschreibt ein ausgewogenes Maß, das sich auf alle Lebenslagen anwenden lässt. „Nicht zu viel und nicht zu wenig, sondern genau richtig“, so lässt sich die Glücksformel zusammenfassen.

Egal, ob in der Ernährung, beim Sport oder im gesellschaftlichen Zusammenleben: Die SchwedInnen setzen auf Ausgeglichenheit. Sie lehren etwa, sich nach einem anstrengenden Arbeitstag auf den Feierabend zu besinnen, sich in der Gemeinschaft zu engagieren, aber auch Zeit alleine zu verbringen und stets auf ein Gleichgewicht zu achten.

Nichtstun auf Holländisch

Als skandinavisches Pendant zum italienischen „Il dolce far niente“ feiert das holländische „Niksen“ seit 2019, als der Begriff zum Symbol eines neuen Wohlfühltrends auserkoren wurde, das Nichtstun. Neben „Lagom“ und „Hygge“ erfährt es seither in vielen Beiträgen und Blogs rund um das Thema Glück und Leichtigkeit große Aufmerksamkeit. Kein Wunder: Bei der Variante aus den Niederlanden geht es wortwörtlich darum, sich einfach zurückzulehnen und nichts zu tun.

Doch, das ist leichter gesagt als getan. In unserer schnelllebigen und leistungsorientierten Zeit wird erwartet, jederzeit „abzuliefern“. So fällt es uns mittlerweile oft schwer, zwischendurch alles beiseitezulegen und zu entspannen. Einfach nur aus dem Fenster schauen, nachts die Sterne beobachten oder dem Regen ohne Ablenkung zuzuhören? Unmöglich! Zumindest ein kurzer Blick auf das Smartphone muss anscheinend sein. Dabei sind es genau diese Phasen des Leerlaufes, in denen wir oft die besten Ideen haben. Das bestätigt auch die Hirnforschung, die seit Jahren auf die Wichtigkeit des regelmäßigen Abschaltens pocht.

Probier´s mal mit Gemütlichkeit!

Eine Möglichkeit, Sommergefühle für die Herbstzeit zu konservieren, bietet Dänemark. „Hygge“ ist mehr als ein beliebter Stil für das eigene Zuhause. Sprachlich hat es seinen Ursprung in Norwegen, wo es für „Wohlbefinden“ steht. In Dänemark tauchte das Wort erstmals im 18. Jahrhundert auf und bezeichnet seit Langem eine dänische Lebensweise, die Gemütlichkeit und die Zufriedenheit, die daraus entsteht, zelebriert. Wichtig ist dabei eine behagliche Atmosphäre, in der man mit FreundInnen oder Familie gutes Essen und Trinken, am besten bei Kerzenschein genießt. Gleichzeitig kann „hygge“ auch bedeuten, sich in der Kuscheldecke eingewickelt mit einer Tasse dampfendem Tee ganz dem Lieblingsbuch zu widmen. Erlaubt ist was gefällt und guttut. Der Ratschlag aus Dänemark   lautet, es sich in diesem Herbst und Winter besonders „hyggelig“ zu machen. Die lauen Sommernächte, die wir heuer gemütlich mit unseren Lieben mit angenehmen Gesprächen und vielen Köstlichkeiten verbringen, können wir auch in der kalten Jahreszeit weiter zelebrieren. Die oberste Regel lautet: einfach den Moment genießen – und jede Menge Kerzen besorgen.

Die Natur als einzigartige Kraftquelle

Ob Klettern, Skifahren oder einfach Durch-den-Wald-Wandern: Die Natur dient den NorwegerInnen als besonderer Kraftplatz. Die dazugehörige Lebensphilosophie des nördlichsten aller europäischen Länder nennt sich „Friluftsliv“, übersetzt „Freiluftleben“. Geprägt wurde der Begriff unter anderem durch den norwegischen Dichter Henrik Ibsen (1828-1906), er bedeutet, achtsam und im Einklang mit der Natur Zeit and er frischen Luft zu verbringen. Es ist nicht entscheidend, in welcher Form dies geschieht, es geht nur darum, dem Alltagstrubel zu entfliehen. Wie hoch der Stellenwert des „Friluftsliv“ für die NorwegerInnen ist, zeigt sich an dessen Verankerung im „Friluftsloven“, dem „Freiluftgesetz“, das auch das sogenannte „Allemannsretten“, das Jedermannsrecht, mit einschließt. Es ermöglicht den Menschen einen fast ungehinderten Zugang zur freien Landschaft. Voraussetzung dafür ist unter anderem, sich der Natur gegenüber stets respektvoll zu verhalten.

Widerstandsfähig so wie die FinnInnen

Trotz Minusgraden schnallen sie sich ihre Langlaufski an, schrecken vor keinem Eisbad zurück und schaffen es gelichzeitig, sich in der für sie typischen Sauna bei Höchsttemperaturen von bis zu 120 Grad Celsius zu entspannen: Die Rede ist von den FinnInnen. Ihr Vermögen, durchzuhalten, lässt sich mit einem Wort zusammenfassen: „Sisu“. Dahinter verbirgt sich jene besondere Charaktereigenschaft, die in Finnland mittlerweile zur Nationalidentität gehört. Ins Deutsche lässt es sich zwar nur schwer übersetzen, kann aber mit Begriffen wie Ausdauer, Kampfgeist, Hartnäckigkeit oder Unbeugsamkeit umschrieben werden.

Es sind Fähigkeiten, von denen die FinnInnen im Laufe ihrer Geschichte und aufgrund ihrer Lage bereits häufig Gebrauch machen musste. Das skandinavische Land verfügt über kalte und dunkle Winter. Manche Regionen müssen über lange Zeit im Jahr gänzlich ohne Sonnenlicht auskommen. Trotzdem gelten FinnInnen als glücklich.

Das attestiert ihnen zumindest der „World Happiness Report“. Der UN-Bericht, der Jahr für Jahr am internationalen Tag des Glücks publiziert wird, platziert sie seit sechs Jahren auf Rang eins. Ihre besonders resiliente Haltung half ihnen laut Berichten auch dabei, nach der Unabhängigkeit von Russland Armut sowie den Kalten Krieg zu überstehen.

Wie wir „Sisu“ in den eigenen Alltag integrieren können? Oft reichen schon kleine Schritte. Es genügt zum Beispiel für den Anfang, öfter einen Weg zu Fuß zu gehen, trotz schlechten Wetters, und viel Zeit in der Natur zu verbringen.