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In schwierigen Situationen nicht allein

In schwierigen Situationen nicht allein
Monika Fast und Johanna Gierlinger, AMS OÖ (c) Alexandra Grill

Der Gang zum AMS ist für viele eine echte Überwindung. Dabei ist es ein starker Partner, gerade für Zeiten im Leben, wenn Dinge im Umbruch sind: Karenz, berufliche Neuorientierung, Wiedereinstieg. Und sogar beim Umgang mit Geld gibt es wertvolle Unterstützung.

Ungleichgewicht am Arbeitsmarkt zu bekämpfen, klingt nach einer Mammutaufgabe. Welche Maßnahmen haben Sie dafür zur Verfügung?

Monika Fast, Johanna Gierlinger: Zuallererst geht es darum, Ungleichheiten am Arbeitsmarkt zu erkennen, sie bewusst zu machen, öffentlich dafür zu sensibilisieren – und dann gezielte Maßnahmen zu setzen, diesen entgegenzuwirken. Unser wichtigstes Werkzeug ist dabei das arbeitsmarktpolitische Frauenprogramm, bei dem Frauen Möglichkeiten eröffnet werden, in Branchen Fuß zu fassen, wo sie dies ansonsten seltener tun, die klassischen MINT-Berufe etwa. Wir beide sind in der Konzeption und Strategieentwicklung tätig. Den direkten Kontakt mit den Frauen haben unsere BeraterInnen, die in der Beratung unser Anliegen transportieren. Also auf ein breiteres Berufsspektrum bei der Berufsorientierung hinweisen, Kompetenzen aufzeigen, motivieren und stärken oder Frauen motivieren, sich auf eine Stelle zu bewerben, für die sie nicht alle Anforderungen erfüllen, sondern nur einen Teil.

Wiedereinstieg nach einer Mütterkarenz ist ein Knackpunkt in den Lebensläufen vieler Frauen. Was gibt es an diesem Punkt für Sie zu tun?

Monika Fast, Johanna Gierlinger: Wir sind Partner, wenn es darum geht, den Wiedereinstieg zu begleiten. Zu uns darf und soll jede Frau kommen, am besten frühzeitig, um auf die Themen, die jetzt wichtig sind, hinzuweisen. Etwa im Bezug auf Umorientierung in Richtung einer Branche, die sich mit der neuen Familiensituation besser vereinbaren lässt. Wir sensibilisieren auch schon im Vorfeld, dass es wichtig ist, sich rechtzeitig um einen Kinderbetreuungsplatz zu kümmern. Gemeinsam mit dem Partner, denn Kinderbetreuung ist kein Frauenthema, sondern ein Familienthema.

„Chancengleichheit bedeutet die Freiheit, zu wählen.“
Johanna Gierlinger

Welche Rolle spielt bei der Beratung das Finanzielle? Sind Berufe, die sich gut vereinbaren lassen, nicht meist auch relativ schlecht bezahlt?

Monika Fast, Johanna Gierlinger: Wir denken nicht. Beispielsweise ist der Handel mit seinen Öffnungszeiten nicht unbedingt gut mit einer Familie vereinbar und auch nicht gut bezahlt. Schaut man aber vielleicht im Bereich der MINT-Berufe, gibt es schon welche, die von der Zeiteinteilung flexibler sind und auch ein deutlich höheres Niveau an Entlohnung bieten. Wir sensibilisieren natürlich auch dahingehend, welche Auswirkung es auf das Lebenseinkommen und die Pension hat, ob man mit 20, 30 Stunden oder sogar in Vollzeit retourkommt. Vielen Wiedereinsteigerinnen ist es in der momentanen Situation nicht so bewusst.

Sind in dem Zusammenhang der Umgang mit Geld und vernünftiger Konsum ein Thema?

Monika Fast, Johanna Gierlinger: In den Frauenberufszentren wird individuell auf die Situation jeder Frau eingegangen. Wir greifen als AMS dabei auch auf ein Netzwerk zurück, zu dem etwa die Schuldnerberatung gehört, sodass die Frauen in einer schwierigen Situation nicht alleingelassen werden. Das Thema Konsum ist auch dann wichtig, wenn es um die Erarbeitung der Kompetenzen geht, also Frauen zu zeigen, welche Stärken sie in sich tragen. Viele Frauen schupfen das Familienbudget und sind sich gar nicht bewusst, welche Kompetenz sie dadurch haben.

„Mein Rat: mutig sein und den Schritt nach vorne machen!“
Monika Fast

Reicht es, um tatsächlich Gleichstellung am Arbeitsmarkt zu erreichen, zu sagen: „Arbeitet Vollzeit und sucht euch einen MINT-Beruf“? Was, wenn die Frauen gerne bei den Kindern bleiben wollen?

Monika Fast, Johanna Gierlinger: Bei dieser Frage geht es letzten Endes um den Wert der Arbeit. Wieso ist manche Arbeit mehr wert als andere? Warum wird Care-Arbeit weniger geachtet und schlechter bezahlt? Da müssen wir eine gesamtgesellschaftliche Diskussion anregen. Auch Themen wie Führen in Teilzeit spielt hier herein. Es gibt viele Probleme, die man angehen muss. Aber wir als AMS können sie nicht alle allein lösen.

Kann ich mich erst ans AMS wenden, wenn ich arbeitslos bin?

Monika Fast, Johanna Gierlinger: Man sollte auf keinen Fall warten, bis man arbeitslos ist, um sich ans AMS zu wenden. Wir sind dafür da, zu zeigen, welche berufliche Vielfalt und Möglichkeiten es gibt. Jede Person kann sich jederzeit arbeitssuchend melden – auch wenn sie einen Job hat oder in Karenz ist – und bekommt natürlich auch Vermittlungsvorschläge. Wir haben einen sehr niederschwelligen Zugang über den „Offenen Raum“ in den Frauenberufszentren und wollen damit auch die Überwindung möglichst kleinhalten, sich ans AMS zu wenden. In vielen Köpfen ist der Weg zu uns noch schwierig. Es kann aber jeder bei uns andocken, ohne Notlage und ohne sich zu etwas zu verpflichten.

Der erste Schritt zu mehr Gerechtigkeit am Arbeitsmarkt

Der Offene Raum in den Frauenberufszentren (FBZ) richtet sich an alle, die sich informieren möchten. In den Regionalgeschäftsstellen des AMS kann ganz einfach ein Kontakt mit einer Beraterin oder einem Berater vereinbart werden.

Über die ServiceLine unter 050 904 440 wird jede Anfrage an die entsprechende Stelle weitergeleitet.

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  • Veröffentlicht: 18.03.2024
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