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Die schönsten Radrouten Österreichs

Kurz mit der Familie raus ins Grüne oder länger mit dem Liebsten oder einer Freundin über Berg und Tal? Drei Kolleginnen beschreiben ihre schönsten Radtouren.

Von Traisen nach Ebensee

Sonne und Regen, zähe Anstiege, glückliche Talfahrten und dazwischen: atemberaubende Aussichten

Eine Empfehlung von Textchefin Andrea Roedig

 

DISTANZ
circa 300 Kilometer
FAHRDAUER
4 bis 5 Tage
SCHWIERIGKEIT
mittel bis anspruchsvoll

ETAPPE 1

TRAISEN NACH MARIAZELL

Es ist immer wieder ein kleines Wunder, Anne aus dem Zug steigen zu sehen. Zuerst wirft sie die Satteltaschen heraus, dann klettert sie samt Rad hinterher, ruft „Andreale“, und wir umarmen uns. Anne wohnt in München, ich lebe in Wien, seit Jahren treffen wir uns mit schöner Regelmäßigkeit an wechselnden Bahnstationen in Deutschland, der Schweiz oder Österreich, um von dort aus einfach loszuradeln.

Diesmal ist es Traisen, südlich von St. Pölten, denn ab hier wird der Traisentalradweg richtig schön. Er führt sanft mäandernd durch Wiesen und Felder Richtung Süden, gibt pittoreske Blicke auf die Gipfel von Gippel und Göller frei. Wir baden noch im Fluss, kaufen Proviant in St. Aegyd, bevor es zu nieseln beginnt. Ein Rennradler ruft uns zu, woran ich im Lauf der Tour öfter denken werde: „Nässe ist nicht das Problem, sondern Kälte.“ Es folgt eine kurze, aber böse 18-prozentige Steigung hoch aufs Gscheid. Der schönste Teil der Etappe führt durch das verwunschene Naturschutzgebiet des Walstertales mit dem eisklaren Hubertussee darin. Kurz vor unserem Ziel Mariazell müssen wir noch einmal auf befahrener Straße einen knackigen Anstieg nehmen. 

ETAPPE 2

MARIAZELL–PALFAU

Ich lese keine Reiseführer. Auf meine Touren bereite ich mich nur vor, indem ich Landkarten im Maßstab 1:150.000 studiere und mir eine Route aussuche, die interessant sein könnte. Dann lasse ich mich von der Wirklichkeit über­raschen. So ist es auch auf dieser Reise. Von Mariazell aus nehmen wir für ein kurzes Stück die Bundesstraße und biegen in Gusswerk westlich ab auf eine kleinere Straße. Zur Linken türmen sich Zeller Starizen und Hochschwab auf, zur Rechten liegen Kräuterin und Göstlinger Alpen.

Auf meiner Karte ist fast durchgängig „toll, toll, toll“ oder „der Wahnsinn“ als nachträgliche Notiz am Rand vermerkt, so sanft und leicht und ohne Verkehr durch diese Berglandschaft zu gleiten, macht euphorisch. Zwischenzeitlich lernen wir durch Erklärungstafeln am Straßenrand etwas über die Hochquellwasserleitung, denn das Wiener Leitungswasser stammt von hier. Es geht weiter nach Wildalpen, unter uns braust jetzt die Salza, in der Wagemutige ihre Kajaks wenden. Nachmittags holt uns der Regen ein, und so finden wir, früher als geplant, Unterkunft beim Stiegenwirt in Palfau. 

ETAPPE 3 & 4

PALFAU–ADMONT
ADMONT–ALTAUSSEE

Es ist ungemütlich da draußen, doch den ganzen Tag in Palfau herumsitzen wollen wir nicht, also steigen wir tapfer in die Regenkleidung. Wie schade, dass wir diese sagenhaft schöne Passage mitten durchs Gesäuse im Schnürlregen absolvieren müssen. Zu den kahlen, steilen Felswänden rechts und links der Enns aufzuschauen, macht wenig Spaß, wenn dabei das Wasser in den Kragen rinnt. Es könnte so schön sein! Ist es aber nicht. Am Gstatterboden schütte ich mir pitschnass das Wasser aus den Schuhen, und in Admont, wo man das Stift besichtigen kann, geben wir auf. 

Wegen der Strecke des nächsten Tages hatte ich mir Sorgen gemacht, denn laut Karte würden wir den Ennsradweg verlassen und dann nur noch auf einer Fernverkehrsstraße weiter in Richtung Altaussee kommen. Aber mittlerweile führt auch ein Radweg dorthin, zwar meist an der Autostraße gelegen, aber die Route ist sicher und für den atemberaubenden Blick ins Salzburger Land und die rasante Abfahrt nach Bad Aussee lohnt sie sich allemal. Ach, hatte ich erwähnt?: Die Sonne scheint prächtig, wir fahren bis nach Altaussee und springen sehr glücklich ins Wasser. Der Regen von gestern: vergessen.

ETAPPE 5

ALTAUSSEE–EBENSEE

Am letzten Tag nehmen wir einen Pass von Bad Aussee hinüber nach Obertraun und weiter nach Hallstatt, in dem sich 2019 noch viele Touristen tummeln. Hinter Hallstatt trennen sich unsere Wege, Anne fährt ambitioniert westwärts übers Gschütt und von hier aus weiter in Richtung Hallein und Salzburg, während ich gemütlich über Bad Ischl nach Ebensee rolle, auf nicht mehr ganz so idyllischen Radwegen, „laut und voll“ steht am Rand der Karte. Aber auch das gehört dazu. Ganz ideal sind Radtouren nie, aber diese Strecke hier ist wunderschön. Ich will sie unbedingt noch einmal fahren. Oder schauen, wo Anne beim nächsten Mal aus dem Zug steigt. 

Unterwegs im Reichraminger Hintergebirge

Auf den Spuren der Waldbahn

Eine Empfehlung von Redakteurin Julia Langeneder

 

DISTANZ
45,5 Kilometer, 522 Höhenmeter
FAHRDAUER
circa 3 Stunden (Es lohnt sich aber, etwas mehr Zeit einzuplanen!)
SCHWIERIGKEIT
leicht, familienfreundlich

Die Hintergebirgsrunde ist eine unserer Lieblingsradtouren – abwechslungs­reich mit herrlicher Bachlandschaft, idyllischen Plätzen zum Picknicken und Pritscheln und gemütlichen Hütten für die Jause. Der Großteil der Strecke (großteils autofrei!) verläuft auf der Trasse der ehemaligen Waldbahn, die im Jahre 1971 zum letzten Mal durchs Hintergebirge fuhr. Wir starten in Reichraming (Parkplatz Schallau und Parkplatz Dirnbach, gebührenfrei) und radeln entlang des Reichraming Baches auf der Anzenbachstraße bis zum Parkplatz Anzenbach (gebühren­pflichtig). Hier biegt man rechts ab auf die Waldbahnstraße hinein ins Hintergebirge. Nach ungefähr 15 Kilometern kommen wir zur Großen Klause, einer engen Schlucht, die als Wahrzeichen des Hintergebirges gilt. 

An dieser Engstelle wurde früher Wasser zum Klausen (Schwemmen) des Holzes aufgestaut. Über eine Holzstiege kann man zum Klaustümpel absteigen und ein kühles Bad nehmen. Danach kann man sich in der Klaushütte stärken (Tipp: Hirschkäsekrainer!). Dann radeln wir weiter, bis wir zum Eingang der „Großen Schlucht“ kommen. Hier, am Annerlsteg, beginnt der „Triftsteig“. Wer noch Zeit hat, kann den circa zwei Kilometer langen eindrucksvollen Schluchtklettersteig machen – dafür sollte man jedoch schwindelfrei und trittsicher sein. Wir fahren weiter durch einige Tunnels, am „Schleierfall“ vorbei bis nach Weißwasser.

Dann heißt es ungefähr 200 Höhenmeter aufwärts in die Pedale treten. Am Hirschkogel-Sattel angelangt, lohnt sich ein Abstecher auf die Anlaufalm (entweder per Rad oder zu Fuß über den Wanderweg, circa 30 Minuten). Bei einer köstlichen Almjause und frischen Krapfen kann man dort einen wunderbaren Panoramablick über das Reichraminger Hintergebirge genießen. Danach geht es vom Hirschkogel bergab in das ehemalige Holzfällerdorf Brunnbach. Den Plaißabach entlang fährt man dann wieder leicht abfallend zur Maieralm. Retour geht es am schon bekannten Weg nach Reichraming.

Von Asten nach Gmunden

Durch die oberösterreichische Prärie

Eine Empfehlung von Redakteurin Julia Evers

 

DISTANZ
rund 83 Kilometer
FAHRDAUER
5,5 Stunden – aber stehen bleiben und die Landschaft genießen zahlt sich aus
SCHWIERIGKEIT
leicht, wenig Steigung

Beim Kraftwerk in Asten geht es los, direkt die Donau entlang bis nach Linz, am Traunufer zum Kraftwerk Marchtrenk, später durch Wels und am Ende ins malerische Gmunden: Der Traunradweg R4 lockt auch Menschen, die noch keine professionellen Biker sind, mit einem wunderbaren Ausflug durch das Herz des Bundeslandes. Ob herabstürzende Wassermassen oder Fischaufstiegshilfen – für kurze Pausen gibt es genügend Anlässe, Bankerl und Einkehrmöglichkeiten ebenfalls. 

Ebener Asphalt, Aussicht aufs Wasser und das grüne Ufer – an sonnigen Tagen gilt es, am Anfang des Weges konzentriert auf der eigenen Spur zu bleiben, weil von Familien mit kleinen Kindern auf Laufrädern bis zu älteren E-Bike-Novizen so viele auf den R4 strömen. Wer will, kann einen Teil des Wegstücks zwischen Linz und Thalheim auch auf der südlichen Seite der Traun genießen – weniger MitradlerInnen muss man sich da allerdings um den Preis von mehr Steigung erkaufen. Hat man Wels dann erst einmal hinter sich gelassen, wird die Aussicht aufs Wasser gegen den Blick über Wiesen, Felder und in Vorgärten getauscht. Aus der Radler-Autobahn wird eine einsame Landstraße, die Menschen am Straßenrand grüßen freundlich. Dass, je weiter man sich von der Stadt entfernt, nicht nur die entspannten Gesichter zunehmen, sondern auch die Anzahl der Swimmingpools steigt, dann die der geparkten Wohnmobile im Garten und am Ende sogar die der Pferde, fällt auf, wenn nicht eine der wenigen anstrengenderen Steigungen die ganze Konzentration beansprucht. 

Abschalten und sich von den eigenen Beinen bis nach Gmunden treiben lassen – auf diesem Radweg ist das wunderbar möglich. Die Hinweisschilder sind großzügig aufgestellt, bis auf ganz kurze Wegstrecken geht es immer abseits verkehrsreicher Straßen dahin, sodass sich der Ausflug auch mit Kindern eignet. Die freuen sich auch sicher besonders, wenn der Zielpunkt des Traunradwegs angefahren wird und in Gmunden Schwäne füttern und Eis essen am Programm stehen. 

Aufs Rad schwingen und den Kopf frei bekommen ist immer eine feine Sache. Das funktioniert auf diesem Radweg auch, wenn nur für einen Teil der Strecke Zeit ist.

Auf zwei Rädern gleich durch die ganze Welt? In der Juli/August-Ausgabe beschreiben wir eine Radtour von Verona bis Rovinj: Campari Sprizz, Fritto Mist und Straka del Sole: eine sonnige Radreise mit kulinarischen, kulturellen sowie landschaftlichen Höhepunkten. HIER können Sie das Heft bestellen.

Fotos: Unsplash, Steiermark Tourismus, Stückler, Daniela Köppl,

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