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Schaffen wir doch erst mal die Umlaute ab!

Ich kaufe ein. Ich habe eingekauft. Ich klopfe an. Ich habe angeklopft. Ich bestelle eine Pizza. Drei Hauptsätze, alle richtig. No na. Abbas Khider will aber wissen, wie und warum die deutsche Grammatik trennbare und untrennbare Verben so wichtig nimmt. Und verdammt, warum heißt es dann nicht „Ich habe geklopft an?“

Der Autor ist siebenundzwanzig Jahre alt, als er in Deutschland ankommt. Jetzt zitiere ich den Satz, der abgedruckt als Klappentext den Verkauf dieses wirklich genialen, witzigen Buches zu Recht ankurbelt:

Als ich in der Bundesrepublik ankam, kannte ich lediglich drei deutsche Wörter: HITLER, SCHEISSE und LUFTHANSA. Das sind international bekannte Begriffe. Viele Menschen kennen sie, ohne jemals in Deutschland gewesen zu sein. Von dem österreichischen Künstler Adolf HITLER habe ich zum ersten Mal im Zentrum von Bagdad erfahren. Die arabische Übersetzung seines Buches „Mein Kampf“ lag überall auf den Tischen und in den Schaufenstern der Buchläden meiner Heimatstadt. Es war das Lieblingsbuch des älteren Sohnes des irakischen Diktators. Daher die weite Verbreitung.
Seite 11

Khiders Strategien zur Erneuerung der deutschen Sprache sind wohl durchdacht, triefen vor Erfahrungswissen und reizen nicht nur Trainer*innen für Deutsch als Zweitsprache zum Nachdenken wie zum Lachen.

„Mein Schreibtisch ist auch heute noch ein Gebirge aus Hilfswerken. Der Himalaya des Deutschlernen durch ein Philosophiestudium. Das ist so, als müsste man in der Formel 1 das Autofahren lernen.“  

20 Jahre hat der Autor die Grammatik des Deutschen studiert, er kennt sich aus, handhabt den Umgang mit Wörtern, die mehr als dreißig Buchstaben haben – Nahrungsmittelunverträglichkeit, Arbeiterunfallversicherungsgesetz – souverän. Nomen wie „Kummerspeck“ findet er kurios und „Lebensplanung“ nennt er als ein Nomen, das nur im Deutschen und in keiner anderen Sprache/Kultur entstehen und bestehen kann.

Und warum steht das Verb im Hauptsatz an zweiter, im Nebensatz aber an letzter Stelle? Warum? Warum? Will Khider die Nebensätze abschaffen, dann hat er hier aber größte Freude am Infinitivsatz, dieser darf bleiben.

Was Sie versäumen, wenn Sie dieses Buch nicht lesen: Auffrischung Ihrer Deutsch-Grammatik, Nachdenken über eben diese, Erkenntnisse, warum es so schwierig ist, Deutsch zu lernen, Einsicht in anderes Denken, Witz, Spitzfindigkeiten, konkrete Poesie auf jenen Seiten, auf denen der Autor seinen Universalartikel „de“ erläutert und anwendet. Alle Hürden des Deutschlernens sind benannt, richtig und mit spielerischen Alternativen versehen.

Der Autor Abbas Khider: wurde 1973 in Bagdad geboren, mit 19 Jahren aufgrund seiner politischen Aktivitäten verhaftet. 1996, nach seiner Verhaftung, floh er aus dem Irak. Seit 2000 lebt er in Deutschland. Sein Roman „Ohrfeige“ erschien 2016 im Hanser Verlag.
> Zur Website von Abbas Khider

Abbas Khider:
Deutsch für alle.
Das endgültige Lehrbuch.
Hanser Verlag 2019.
122 Seiten.

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.”

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