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11/22

„Reden wir über Geld“ – das Grande Finale

„Reden wir über Geld“ – das Grande Finale

Bei dieser Veranstaltung wurde einmal mehr deutlich: Über Geld zu reden, das darf locker und unterhaltsam sein. Zum vorläufigen Ende der „Reden wir über Geld“-Tour fanden sich Interessierte und Expertinnen in Tulln an der Donau ein.

Es war die vorläufig letzte Station der Veranstaltungsreihe „Reden wir über Geld“ in diesem Jahr. Nach Wieselburg, Perchtoldsdorf und Grafenwörth bot dieses Mal das imposante Atrium des Rathauses Tulln den Rahmen für einen Abend, der ganz im Zeichen unseres neuen Lieblingsthemas stand. Rund 200 BesucherInnen waren gekommen – Jung und Alt, von nah und fern –, um sich neue Impulse zu holen, sich auszutauschen und den Expertinnen am Podium zuzuhören.

Die Gastgeberinnen dieses Abends, das Frauenreferat des Landes NÖ, die Katholische Frauenbewegung der Diözese St. Pölten und „Welt der Frauen“, luden hochkarätige Vortragende ein, ihr Wissen zu teilen. Moderiert wurde die Veranstaltung gewohnt mitreißend und herzlich von „Welt der Frauen“-Chefredakteurin Sabine Kronberger. Unter den Expertinnen waren zwei treue Partnerinnen der Veranstaltungsreihe, Elisabeth Cinatl vom Verein Wendepunkt (und frisch gebackene Preisträgerin des Liese Prokop-Preises!) und Lena Gugenberger vom Sozialunternehmen Three Coins. Sie beide berichteten darüber, wie wichtig das Thema Geld in so vielen Lebenssituationen für Frauen ist – bei Scheidung etwa oder im Fall eines Unglücks. Lena Gugenberger betonte, dass die Grundlagen für den erfolgreichen Umgang mit Geld tatsächlich denkbar einfach seien – ein gutes, altes Haushaltsbuch beispielsweise, das aufzeigt, wie hoch die Ausgaben und Einnahmen tatsächlich sind.

„Es ist schön, Frauen in ihrem Selbstwert zu stärken – dazu gehört auch, dass sie ihr eigenes Geld verwalten können.“
Anna Rosenberger, kfb St. Pölten
„Viele junge Frauen glauben, dass sich das mit dem Geld im Alter schon von allein lösen wird – das wird es nicht. Hier gilt es, das Heft selbst in die Hand zu nehmen.“
Lena Gugenberger, Three Coins
„Es ist wichtig, dass wir Frauen über Geld reden, damit wir unabhängig bleiben. Denn das Leben hält auch Überraschungen bereit, die nicht immer angenehm sind.“
Elisabeth Cinatl, Verein Wendepunkt
„Aus unserer Studie wissen wir, dass Frauen Wendezeiten kennen. In diesen Zeiten ist es wichtig, dass sie gut beraten sind – und dazu brauchen sie Fakten.“
Christiane Feigl, Herausgeberin „Welt der Frauen“
„Wenn eine Frau eine Schönheitsroutine hat, aber keine Finanzroutine, hat sie zwar eine schöne Haut, aber diese wird nicht ihre Miete zahlen.“
Isabella Stickler, Genossenschaft Alpenland
„Soziale Absicherung hängt mit Geld zusammen. Mir ist wichtig, dass das Bewusstsein auch die Frauen in der Landwirtschaft erreicht. Da braucht es diese soziale Absicherung genauso.“
Andrea Wagner, Vizepräsidentin der NÖ Landwirtschaftskammer

Bettina Fuhrmann, Leiterin des Instituts für Wirtschaftspädagogik an der WU Wien, legte den Fokus auf das Thema Bürgschaften – nach Scheidung der zweithäufigste Grund, warum Frauen sich überschulden. „Liebe lässt sich nicht durch die Unterschrift auf einem Schuldschein beweisen“, sagte sie und betonte, wie wichtig es sei, sich nicht emotional unter Druck setzen zu lassen, wenn es um das Thema Geld in einer Beziehung geht.

Als erste Frau bekleidet Isabella Stickler das Amt der Vorstandsvorsitzenden der Niederösterreichischen Bau-, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft Alpenland (und ist ebenfalls Preisträgerin des heurigen Liese Prokop-Preises!). Das Thema Wohnkosten und Finanzierung sei für viele Frauen nach wie vor nicht wirklich präsent. „Wir haben alle eine tägliche Skincare-Routine, aber keine Finanzroutine“, meinte sie und regte dazu an, beiden Themenbereichen gleichermaßen Aufmerksamkeit zu schenken.

„Geld hat mich schon immer interessiert. Es macht nicht glücklich, aber es beruhigt.“
Regina Schober, Besucherin
„Ich habe festgestellt, dass man unter Müttern über alles Mögliche redet, aber nicht über Geld. Statt Mama-Baby-Kursen sollten wir Finanzkurse für junge Mütter machen!“
Doris Schober-Schütt, Besucherin

Als Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung der Diözese St. Pölten erzählte Anna Rosenberger von einer ganz persönlichen Erfahrung zum Thema Geld. „Wir hatten kein Geld für meinen Schulschikurs“, erzählte sie, „aber das war mir so unangenehm, dass ich behauptet habe, nicht mitfahren zu wollen.“ Umso wichtiger ist es ihr heute, Frauen dabei zu unterstützen, ihren eigenen Wert zu erkennen und den Mut aufzubringen, sich auch etwas zu gönnen. „Gut leben zu können“, sagte sie, „das steht uns zu.“

Musikalisch umrahmt wurde der Abend vom Duo Voice Piano, das Lieder zum Thema Geld zum Besten gab. Ein rundum schöner Schlussakt einer erfolgreichen Veranstaltungsreihe klang bei einem Glas Wein, Häppchen und munteren Gesprächen aus – voll Vorfreude auf eine mögliche Fortsetzung im nächsten Jahr!