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Rache ist ein starker Motor gegen das Vergessen

Endlich eine Ermittlerin, kühn, mutig, klug, ambitioniert. Klar, auch sie liebt gutes Essen und starken Espresso, zelebriert es aber nicht in diesem Ausmaß, wie es so manche Italien-Thriller vormachen. Veit Heinichen lässt seine LeserInnen gleich ab der ersten Seite erkennen: Hier will jemand Gerechtigkeit, hier will jemand einen brutalen Mord gerächt sehen. Die Feindin ist auch klar auszumachen, Romana Castelli de Poltieri, Senatorin, korrupt, in viele windige Geschäfte verwickelt und immer wieder davonkommend: Ihr stellt Xenia seit Jahren nach, ihr gilt die volle Aufmerksamkeit der Kommissarin! Die korrupte Rechtspolitikerin ist auch der Grund, warum sich Xenia nach Grado, den verschlafenen Adria-Badeort, versetzen ließ.

Ein Mosaik mehr oder weniger bedeutungsvoller Fakten, ein Gewebe von Indizien, gleichwohl noch keine eindeutigen Beweise. Nach denen wird sie suchen, bis sie die Senatorin und ihren Bruder endlich zur Strecke bringen kann.
Seite 8

Neben den Schiebereien in Grado, in Triest und in Kroatien, spielt auch Berlin und dort der Bundesnachrichtendienst eine tragende Rolle. Auch dort hat man es sich bequem gemacht, Waffengeschäfte ließen sich während des Balkan-Krieges famos tarnen, man hat gut verdient. Jetzt sind es die Flüchtlinge, die Grado beschäftigen, während mehrere dubiose Gestalten auf dem Weg sind, um ihre Netze noch einmal zu nutzen. Zwischen Berlin und Grado flicht Heinichen auch noch das Justizgebäude in Salzburg, ein elegantes Haus in Salzburg Edelviertel Leopoldskron ein: Anwälte haben ihre feinen Finger in schmutzigen Geschäften, der Aufdeckerjournalist wird geköpft und die Mordverdacht sofort auf einen IS-Kämpfer gelenkt. Es gibt zwischen diesen schmutzigen Geschäften aber viel Liebe, etwa zwischen Xenia und ihrem Freund, dem kellnernden Archäologen, zwischen einen Ex-DDR-Spionin und ihrem Übersetzer, zwischen den Kollegen im Amt.

Die Nummer der Präfektur leuchtet auf dem Display ihres Mobiltelefons. Sie entfernt sich ein paar Schritte, bevor sie das Gespräch annimmt. Dem betont freundlichen Tonfall von Präfekt Antonio Affaiati nach rechnet Xenai damit, den Fall bereits los zu sein, weil er die Flüchtlinge sofort in die nächste größere Stadt verlegen lassen will, wo mehr und vor allem geschultes Personal zur Verfügung steht. Weder Status noch Ausstattung der Dienststelle in Grado machen Hoffnung, dass ausgerechnet sie sich an die Fersen einer mafiosen Schleuserbande heften darf, die offensichtlich ortskundig ist.
Seite 20

Der Spannungsbogen ist straff, die Charaktere tragen durch die vielen Episoden, Geheimnisse und Erinnerungen berühren, es gibt Grautöne bei allem berechtigen Schwarz-Weiß-Zeichnen. Man lebt mit Xenia, man verfolgt die Bösen und hofft, dass die Guten doch gewinnen.

Was Sie versäumen, wenn Sie dieses Buch nicht lesen: Urlaub in Grado und Triest, Rache, ausgeklügelte Systeme, Einblicke in Spionage, gut recherchierte Fakten, gut recherchiertes Lokalkolorit, eine begnadete Ermittlerin, die Unmengen an Espressi verträgt, Kollegialität, ganz viel Gespür fürs Meer und die Schifffahrt, Lust auf Campari und Unbeschwertheit.

Der Autor Veit Heinichen (1957 geboren), hat sich mit seinen Triest-Romanen einen Namen erschrieben. Nun schafft er – hoffentlich -r mit der  Ermittlerin Xenia Zennier eine neue Reihe neben seinem bekannten Ermittler Commissario Laurenti. Veit Heinichen erhielt/erhält zahlreiche Literaturpreise, u. a. den Radio-Bremen-Krimipreis.

Veit Heinichen:
Borderless.
Thriller.
Piper Verlag 2019.
464 Seiten.

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.”

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