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03/24

Drei frauenstarke Abende für Gleichberechtigung

Drei frauenstarke Abende für Gleichberechtigung
Foto: Iva Lulic

Wien, Linz, Graz: Im Rahmen der drei #WEARE-Konzerte stellten Virginia Ernst, die Poxrucker Sisters und die Schick Sisters stimmgewaltige Musikerinnen ins Rampenlicht. Dabei vermittelten sie eine starke Botschaft: Echte Gleichstellung braucht entschlossenes Handeln.

Ob Musik, Kultur, Sport oder Wirtschaft – Frauen kämpfen auch im Jahr 2024 noch immer um Gleichberechtigung. Das unterstrich #WEARE-Initiatorin und Sängerin Virginia Ernst bereits beim Auftaktkonzert. In einem zwar humorvoll verpackten Video überbrachte sie zur Eröffnung eine ernste Nachricht: „Wenn es in diesem Tempo weitergeht, sind wir in 131 Jahren den Männern gleichgestellt.“

Stimmenstarke Unterstützung

Seit 2018 verfolgt die ehemalige Eishockey-Profispielerin die Mission, auf die Situation von Frauen im Musikbusiness aufmerksam zu machen. Die Relevanz ihres Vorhabens wird aktuell einmal mehr anhand der Nominierungen zum Amadeus Music Award 2024 verdeutlicht: Von 15 Nominierten für den Song des Jahres sind gerade einmal vier weiblich. 

Mit ihrem Engagement ist Ernst nicht allein. Auch in diesem Jahr erhielt sie stimmgewaltige Verstärkung, etwa durch Katharina Straßer, die Kernölamazonen, Maria Muhar oder Laura Bilgeri. Mit Globe-Hausherr Michael Niavarani und den beiden Moderatoren Andi Knoll und Markus Freistätter holte sie aber auch männliche Unterstützung auf die Bühne. Denn, so die Musikerin, im Kampf um Gleichberechtigung gehe es nicht darum, Männer auszuschließen oder zu diskriminieren. 

„Es ist nicht mehr revidierbar, dass Frauen gleichberechtigt sein sollen oder sind. “
Michael Niavarani, Wien

Die wichtige Botschaft der Reihe wurde auch von den Gastgeberinnen der weiteren Konzertteile unterstützt, die am vergangenen Samstag in Linz und am Montag in Graz stattfanden. Magdalena Poxrucker, die den Abend im Linzer Brucknerhaus stellvertretend für alle drei Poxrucker Sisters organisierte – ihre beiden Schwestern Stefanie und Christina sind derzeit karenziert –, holte wie Ernst in Wien zahlreiche etablierte, aber auch junge Künstlerinnen auf die Bühne. „Es ist wichtig, dass wir Frauen – und auch Männer – Frauen unterstützen“, ist die Oberösterreicherin überzeugt.

„Noch wichtiger als eine Frau zu sein, ist es, ein Mensch zu sein. “
Katharina Strasser, Linz
#WEARE Linz
Foto: Anna Steinecker/Poxrucker Sisters
#WEARE LINZ
Anna Steinecker/Poxrucker Sisters

Ihr gleich taten es auch die Schick Sisters, die zu einem fulminanten Abend in die Grazer Oper einluden. Inspiriert von #WEARE schufen die drei steirischen Schwestern gemeinsam mit insgesamt 25 weiblichen und sieben männlichen KünstlerInnen auch einen nach der Konzertreihe benannten Song, der sich als gemeinsame Bühnenperformance durch alle drei Abende zog.

Es geht nicht nur um die Musik

Neben den musikalischen Schwerpunkten setzten die Gastgeberinnen weitere wichtige Akzente. So sammelte Virginia Ernst am ersten Abend über 8.000 Euro für ihren ehemaligen Eishockeyverein, den heutigen SKN Sabres St. Pölten. Die Schick Sisters aus Graz überreichten einen Spendenscheck über 2.500 Euro an das Haus Rosalie der Vinziwerke, eine Notschlafstelle für Frauen. Außerdem verkauften die Steirerinnen an diesem Abend ihre Single #WEARE zum Preis von einem Euro – der Verkaufserlös wurde ebenfalls an die Vinziwerke gespendet.

„Es passieren ganz tolle Dinge, wenn Frauen zusammenarbeiten und etwas auf die Bühne stellen.“
Zelda Weber, Graz
#WEARE Wien
Foto: Elisabeth Lechner
#WEARE Wien
Foto: Elisabeth Lechner

Talk im Zeichen der Vielfalt

In Linz lud „Welt der Frauen“ im Vorfeld des Konzerts zu einem Diversity-Talk. Chefredakteurin Sabine Kronberger sprach vor zahlreichem Publikum mit sieben verschiedenen Frauen über Learnings und Herausforderungen in der Arbeitswelt. So berichtete Ariane Herzog, Leiterin der Produktion und Technik der Salinen Austria, über ihre Erfahrungen als einzige Frau unter rund 6.000 Männern im Bergbau, über Vorurteile bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und über notwendige Veränderungen, für die es auch das Engagement der Männer benötigt.

Anna Steinecker/Poxrucker Sisters
Anna Steinecker/Poxrucker Sisters

„Strecken Sie ein wenig Ihre Fühler aus“

Christine Steger, Anwältin für Gleichstellungsfragen von Menschen mit Behinderung, ging indes auf die Herausforderungen ein, mit denen Menschen mit Behinderungen in der Arbeitswelt, aber auch im privaten Bereich konfrontiert sind. „Sie haben oft schlechtere Bildungschancen. Deshalb führt ihr Weg oft in die Werkstätten, die es in den Bundesländern gibt. Das ändert aber nichts daran, dass sie dort keinen Lohn bekommen und auch nicht pensionsversichert sind.“ Steger, selbst seit einem Unfall betroffen, hat am eigenen Leib erfahren, wie unterschiedlich man als Mensch mit Beinbehinderung behandelt wird: „Dass mir ein Bein fehlt, hat mich sehr nach außen katapultiert.“

„Strecken Sie Ihre Fühler ein wenig aus. Es gibt kein falsches Verhalten, es gibt nur Verbesserungspotenzial.“
Christine Steger

Genau das sei für sie der Auslöser gewesen, sich für diese Menschen einzusetzen. Um Inklusion zu leben, appellierte sie an diesem Abend an die Bereitschaft aller Anwesenden und darüber hinaus, die eigene Komfortzone zu verlassen: „Strecken Sie Ihre Fühler ein wenig aus. Es gibt kein falsches Verhalten, es gibt nur Verbesserungspotenzial.“

Weitere Einblicke in ihre Tätigkeitsfelder gaben im Rahmen des Talks außerdem Virginia Ernst, die oberösterreichische Landeshauptmann-Stellvertreterin Christine Haberlander, Unternehmensberaterin Ursula Helml, Fotografin Zoe Goldstein sowie Sonnentor-Geschäftsführerin Manuela Raidl-Zeller.

Foto: Elisabeth Lechner
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  • Veröffentlicht: 12.03.2024
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