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Mutige Wohn- und Lebenskonzepte

Die Schublade ist voll, der Kasten ist so vollgestopft, dass die Tür klemmt: Daniel Fuhrhop beschreibt Alltagsszenarien der Fülle, der Gier, des Überflusses. Wer viele Dinge besitzt, braucht viel Raum, um diese Dinge zu verstauen: Stauraum, welch grusliger Begriff eigentlich. Da staut sich nämlich auch die Lebensenergie, wir wissen doch alle, wie viel leichter wir nach Fasten- und Entrümpelungskuren sind. Nein, wir fühlen uns nicht nur leichter, wir sind auch freier und beschwingter.

Von der Schublade über einzelne Räume hin zur Wohnung im Gesamten, weiter zu Häusern, die nicht mehr genutzt werden: Der Autor weiß, wie das Motivieren, das Erklären und das Begeistern für neue Konzepte funktioniert. Und wer dann schon im leer stehenden Haus am Land wohnt, könnte doch auch gleich den Dorfladen gründen. Begeistert bin ich sehr stark von den Beispiel aus Österreich, etwa aus Silz auf Seite 85.

Ein Kinderbild allein rettet kein Haus, aber damit kann es anfangen. Überlegen Sie, ob in Ihrer Familie ein Haus leer steht, und sehen Sie es mit den Augen der Kinder. Warum steht Opas Haus leer? Wie wollen wir unsere Heimat den Kindern übergeben? S. 85

In der Gemeinde Neumarkt am Wallersee – das 50. Raumwunder dieses genialen Bandes – machten sich Menschen auf, um mit ihren Nachbarn spazieren zu gehen und Leerstand zu entdecken. Es funktioniert, wenn etwa die Ideenwerkstatt des österreichischen Büro „nonconform“ ihre Biertische aufklappt: Ein Dorf wird lebendig, alle Bürgerinnen und Bürger sind eingeladen, ihre Ideen und Visionen für ein Bauvorhaben einzubringen. (S. 86f.)

Wer der Hauptstadtarroganz entrinnen und endlich wieder mit den Nachbarn Kaffee trinken will sowie für den Wohnraum angemessene und nicht überzogene Miete zahlen will, nimmt das Motto „Zurück in die Heimat“ ernst; die Neuzugezogenen unterstützen dabei, einen bisher verkannten Ort oder Stadtteil aufzuwerten, nein, das sind keine Gentrifizierer! Fuhrhop porträtiert solche „Rückkehrer“, die zufrieden leben, ihre Erfahrungen in Großstädten gemacht haben und so manches nicht vermissen.

Für alle Wien-Fans: Raumwunder 65 beschreibt das Grätzlhotel Wien, das leere Ladenlokale in Hotelsuiten verwandelt und man bei der Lampenschirmmacherin bzw. der Knopfmacherin übernachtet. Essen gibt es gleich um die Ecke.

 

Was Sie versäumen, wenn Sie dieses Buch nicht lesen: Innovation, Reduktion, eine Fülle neuer Ideen, Anregungen, das eigene Leben und Wohnen umgehend ändern zu können, Dankbarkeit, Zukunftsfähigkeit,

Der Autor, 1967 in Paris geboren, studierte in Berlin Architektur, kam als Leiter eines Architekturverlags – Stadtwandel Verlags – zur Einsicht, dass wir nicht mehr neu bauen sollen. Konsequenterweise verkaufte er aufgrund seiner Zweifel am Sinn des Neubaus 2013 den Stadtwandel Verlag. Seine Publikationen wurden mehrfach ausgezeichnet.

Daniel Fuhrhop:
Einfach anders wohnen.
66 Raumwunder für ein entspanntes Zuhause, lebendige Nachbarschaft und grüne Städte.
München: oekom 2018.
122 Seiten.

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.“