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Mut und Ausdauer

Einfach mal Unterricht nachholen und lernen, dass ein Wildkräuterverzeichnis von Bachkresse bis Wildkirsche reichen kann.

Es gibt schreibende Köche, es gibt KrimiautorInnen, die ebenso geniale Ermittlerinnen wie Rezepte erschaffen und in den Krimis der Eva Rossmann ist sogar der Kater ein Feinschmecker. Und dann gibt es Verlage, die erschaffen Bildbände. Genau, sie machen sie nicht einfach, sondern sie komponieren sie. Und das Beste kommt noch: Sie geben Rezepte preis, sie arbeiten sorgfältig, haben klare Inhaltsverzeichnisse und ebenso klar strukturierte Register sowie ein übersichtliches Rezeptverzeichnis. Ich bin von diesem Bildband, verzeihen Sie, Kochbuch, so begeistert, dass ich aus dem Wildpflanzenverzeichnis am liebsten ein Gedicht machen würde, das Stichwortverzeichnis kommt in der Akribie eines Bibliothekskataloges verdächtig nah. Und für Menschen wie mich – finde jede Bibliothek in jedem Ort und erkenne Gänseblümchen und Löwenzahn ohne Zögern! – gibt es den Wildpflanzen-Wegbegleiter mit Fotos und Infos zu den hier verwendeten 30 Wildpflanzen dazu! (Ist aus Papier, ist ein kleines Büchlein! Er spricht nicht.)

Drei Viertel der Rezepte sind mit wenig Kocherfahrung leicht zu bewerkstelligen. Jedes Rezept verlangt nach nur einer Wildpflanze, nicht nach mehreren, weil wir wissen, wie schwierig sich das Finden so manchen Krautes gestalten kann.

Falls Sie in Ihnen Erinnerungen auftauchen, ja, dieses Buch erschien erstmals vor zehn Jahren, Meinrad Neunkirchner, der Meister der Aromen, verstarb 2016. Die Neuauflage ist auch eine Hommage an Können, Mut, Ausdauer und Bescheidenheit. Mir in meiner wildpflanzlichen Unschuld gefallen zum Beispiel Sätze wie:

Wenn sich der Spitzwegerich allzu gut verstecken sollte, finden sich ja vielleicht Taubnesseln in der Nähe.

Aufgeteilt in die drei Saisonen – Frühling, Sommer und Herbst – lerne ich, wie einfach Tagliatelle mit Bachkresse und Parmesan (S. 30) zu kochen sind, die Kresse sollte ich also dann vorher noch feucht transportiert haben. Und weil ich dann schon dabei bin, könnte ich dann auch noch das Bachkressepüree probieren. Nützlich sind hier die Tipps, wozu es passt, ich hätte es einfach so mit Brot gegessen! Brennnessel gibt auf den folgende Seiten die Richtung vor, S. 44 lockt mit überbackenem Brennnesselrisotto – Mensch, sind das viele Konsonanten! – und schon köchelt die Brennnessel-Borretsch-Suppe. Präzise Angaben, klares Layout und kreativ-innovative Food-Fotografie, die ausgewogen zwischen perfekt inszeniert und gekonnt gekleckert variiert, machen ein Koch-Wildkräuter-Buch zu einem Lesebuch: Botanik, Fotokunst, Nachhaltigkeit.

Was Sie versäumen, wenn Sie das Buch nicht anschauen

Freude, Präzision, Lust darauf, jetzt eine Brennnessel zu suchen und zu verarbeiten, auf elaborierterem Level dann natürlich auch kompliziertere Rezepte nachzukochen, wie „Junge Zuckerkarotten mit Hollerblütenvinaigrette“.

Meinrad Neunkirchner, Katharina Seiser:
So schmecken Wildpflanzen.
144 Rezepte mit 30 Kräutern, Früchten und Pilzen.
Mit Fotografien von Thomas Apolt.
Innsbruck: Löwenzahnverlag 2020.
296 Seiten.

Christina RepolustChristina Repolust

Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss, wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.”
www.sprachbilder.at

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