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Morgen, versprochen!

Kurz bevor Inspektor Columbos Faulheit krankhaft wurde, besiegte er seinen inneren Schweinehund.

Bald hätte es mit Inspektor Columbo ein schlimmes Ende genommen. Seine beginnende Lethargie verschlimmerte sich täglich. Er konnte sich zu keiner Tätigkeit motivieren, seine Angst davor, sich wie seine Freundin Mia nicht einmal mehr zur Fellreinigung aufraffen zu können, bewahrheitete sich. Columbo begann, Aufgaben und Tätigkeiten unnötig auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Fell reinigen? Morgen, versprochen, dachte er sich. Neuen Skype-Termin mit Freunden vereinbaren? Stand gleich als nächstes auf seiner To-Do-Liste. Die groß angelegte Befreiungsaktion der Blumen im Garten aus dem Erdloch? Am Wochenende ist es so weit, ganz bestimmt! Letztens, als Inspektor Columbo auf seinem Aussichtsturm döste, ein Auge halb geöffnet, um zu sehen, woher der unerträgliche Lärm kam, sah er, dass Frauchen ihr Fell gewaschen hatte und zum Trocknen aufhing. Die vorwurfsvollen Seitenblicke, die sie ihm dabei zuwarf, ließen ihn zu einer Erkenntnis kommen, die ihn mit unvermuteter Wucht traf. Seine Lethargie war bereits in Prokrastination übergegangen, eine pathologische Störung, bei der man den Beginn einer konzentrierten Beschäftigung laufend vor sich herschiebt und vertagt, so, dass ein Fertigstellen nicht zustande kommt. Kurz gesagt – Inspektor Columbo litt an „Aufschieberitis“. Denn die, so meinen Psychologen, erwischt einen durch den unstrukturierten Alltag in Coronazeiten besonders leicht. Dabei gibt es zwei Arten von Aufschiebern. Den Vermeidungsaufschieber, der Angst hat, zu versagen und den Erregungsaufschieber, der Aufgaben auf den letzten Drücker erledigt und nur unter Stress produktiv sein kann. Inspektor Columbo zählt zu den Erregungsaufschiebern, denn als er Frauchen dabei beobachtete, wie sie ihren Pflichten nachging, während er faul auf seiner Haut lag, wollte er sich nützlich machen. Ein erster wichtiger Schritt, um Prokrastination zu vermeiden, ist, sich Termine mit sich selbst auszumachen. Also steht nun neben Frauchens Kalender, Columbos Kalender, in dem alle Aufgaben notiert sind, die er zu erledigen hat. Freitags hilft Columbo nun Frauchen, ihr Fell zu waschen. Montagabend räumt er mit ihr zusammen das Futter, das sie bei ihrem Ausgang gefangen hat, aus dem roten Beutel. (Frauchen ist wirklich immer erfolgreich.) Und gestern hat er endlich die Blumen aus ihrem Gefängnis befreit. Weil Belohnung bei Prokrastination ganz wichtig ist, gönnt er sich vermehrt kleine Snacks zwischendurch. Jetzt, wo er seine Krankheit überwunden hat, wird er auch seine Turnmatte wieder öfter ausrollen. Morgen fängt er damit an, ganz bestimmt, versprochen!

Sophia Lang

und ihr Kater Inspektor Columbo inspirieren sich gegenseitig. Vorm Einschlafen denken sie daran, was sie alles auf morgen verschoben haben.

Foto: Alexandra Grill

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