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Eva und Elisabeth - Teil 2

Unsere Leserin Monika Hofer aus Strengberg in Niederösterreich & ihre Töchter Eva und Elisabeth im „Welt der Frauen“-Gespräch. Teil 2: Alle unter (fast) einem Dach.

Welt der Frauen-Leserin Monika Hofer (62) aus Strengberg in Niederösterreich ist pensionierte Mittelschullehrerin und Mutter von drei Kindern. Ihre Töchter Elisabeth (41)  und Tochter Eva (25)  wohnen beide in unmittelbarer Nähe des Elternhauses. Wie sich das auf das Familienleben auswirkt? Wir fragten erst bei der Mutter nach und baten anschließend die Töchter zum Gespräch.

Ich bewundere meine Töchter für ihre Selbstständigkeit. Eva etwa fing schon im Volksschulalter an, die Wäsche für uns alle zu bügeln. Erstaunlicher finde ich, was für ein selbstbewusster Single meine ältere Tochter Elisabeth ist und mit welcher Leichtigkeit sie es schafft, auch ohne Partner durchs Leben zu kommen. Ich persönlich war noch nie solo, könnte mir das nicht vorstellen.
Monika Hofer

Welche Lebensentwürfe Elisabeth und Eva Hofer haben und was sie über ihre Familie denken, erzählten sie im Interview. 

„Wir schätzen unser Großfamilienleben sehr!“

Elisabeth, du bist Single, und hast dir in einem Nebengebäude deines Elternhauses eine Wohnung eingerichtet. Eva, du wohnst mit Mama, Papa und eurer Großmutter Rosa unter einem Dach und renovierst gerade mit deinem
Freund Robert das Haus eurer Oma, das 20 Meter entfernt liegt. Ist das Großfamilienleben bewusst gewählt oder hat es sich nur ergeben, weil ausreichend Raum vorhanden ist?
Eva: Für mich war es praktisch, Zuhause wohnen zu bleiben, weil ich es von meinem Elternhaus nicht weit zu meinem Studienort nach Linz hatte. Außerdem wohne ich gern daheim. Und es ist billig! Deshalb bin ich dabei geblieben. Doch irgendwann möchte ich auch meine eigene Küche haben. Als ich während des Corona-Lockdowns Abstand zur Familie hielt, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren, zog ich vorübergehend in Omas früheres Haus und erkannte, wie schön es dort drüben ist. Da beschloss ich, es umzugestalten, damit es nicht verfällt. Auch viele meiner Freundinnen und Freunde ziehen gerade von der Stadt zurück aufs Land, renovieren die Häuser ihrer Großeltern oder bauen eigene in der Nähe der Eltern.
Elisabeth: Ich habe während meiner Studienzeit sechs Jahre lang in Salzburg gelebt und im Zuge meines Erasmus-Austauschsemesters und andere Aufenthalte auch in Spanien, Frankreich, Italien und Lateinamerika. In der Ferne lernte ich die Heimat zu schätzen. Vor allem das viele Grün, das unsere Region bietet. Unser Haus liegt am Ende einer Straße. Die Ruhe da ist ideal zum Korrigieren und Musizieren! Als ich nach meinem Studienabschluss in unmittelbarer Nähe unserer Heimatgemeinde eine Arbeitsstelle fand, ergab es sich quasi von allein, dass ich ein Nebengebäude meines Elternhauses beziehe. Unser Haus ist ja groß genug und könnte noch weiter ausgebaut werden. Das Wohnen daheim ist auch deshalb von Vorteil, weil ich von hier aus schnell in Salzburg und Wien bin, wo ich öfter Konzerte gebe und Kulturwochenenden verbringe.

Auch in Spanien, Portugal, Griechenland und Italien ist das Großfamilienleben seit der Wirtschaftskrise 2009 wieder in Mode. Seither leben immer mehr erwachsene Kinder mit ihren (Groß-)Eltern wieder unter einem Dach – oft sogar mit Partnern und eigenem Nachwuchs.
Elisabeth: Das stimmt. Auch viele meiner Freundinnen und Freunde, die in diesen Ländern leben, tun das. Etliche hätten aber gerne mehr Platz. Wir sind in der glücklichen Lage, mehr Platz zu haben. So kann sich jeder in seinen eigenen Bereich zurückziehen. Das ist wichtig, damit Generationenwohnen reibungslos funktioniert. Darüber hinaus braucht es auch Toleranz, Einfühlungsvermögen und viel Empathie. Wenn ich zum Beispiel musiziere, gefällt das manchen in der Familie gut, anderen weniger. Trotzdem lassen mir alle meinen Freiraum, genauso wie ich ihnen ihren Freiraum lasse.

Eure Familienbande sind so eng, dass ihr auch Freizeit und Urlaube miteinander verbringt. Ihr geht gern gemeinsam walken, ins Kino, ins Theater und zu Konzerten. Und auch euren Single-Bruder Stefan (35), der in Wien wohnt und arbeitet, zieht es jede Woche für ein paar Homeoffice-Tage nachhause. Warum ist euer Zuhause so ein Magnet für euch?

Elisabeth: In unserer Familie gab es immer sehr viel Wärme und genügend Raum – in vielerlei Hinsicht. Außerdem hat Mama stets ein offenes Ohr. Das ist schön. Seit wir uns auf Augenhöhe begegnen, wurde unsere Beziehung um eine freundschaftliche Komponente reicher. Mama ist ja nur 21 Jahre älter als ich.
Eva: Mir gefällt das Großfamilienleben, weil es lustig ist, ich mich auch mit Menschen aus anderen Generationen austauschen kann und immer jemand da ist.
Elisabeth: Durch unser Generationenwohnen können wir unserer Familie auch etwas zurückgeben. Früher hat Oma auf uns aufgepasst, jetzt passen wir auf sie auf. Oft spielen wir mit ihr, schauen mit ihr fern oder reden mit ihr über alte Zeiten. Das finde ich schön, weil ich von ihrer Erfahrung profitieren kann. Unsere Oma hat ihr Leben der Familie gewidmet. Jetzt kriegt sie das zurück, so gut wir können. Das ist für uns selbstverständlich.

Und was tut ihr, wenn es Unstimmigkeiten im Großfamilienverband gibt?
Eva: Dann sprechen wir das offen an. Mal wird‘s besser aufgenommen, mal weniger gut. Dann braucht es halt ein wenig Abstand oder einen Vermittler, um eine Angelegenheit gut lösen zu können. Man muss schon kompromissbereit sein, kann nicht immer seinen Willen durchsetzen.
Elisabeth: Manche Dinge müssen länger bearbeitet werden. Als ich ausgebaut habe, waren nicht alle Ideen gleich umsetzbar, aber auch das ließ sich klären. Weil wir alle daran interessiert sind, dass das Zusammenleben funktioniert. Auch die Zeit löst vieles!

Eva Hofer, Bruder Stefan Hofer und Elisabeth Hofer mit ihrer Großmutter
Wir sind in der glücklichen Lage, mehr Platz zu haben. Das ist wichtig, damit Generationenwohnen reibungslos funktioniert. Darüber hinaus braucht es auch Toleranz, Einfühlungsvermögen und viel Empathie.
Elisabeth Hofer

Eure Mama würde gern Oma werden und macht aus diesem Wunsch kein Geheimnis. Sie hat Sorge, dass ihr es eines Tages bereuen könntet, keine Kinder zu haben. Trotzdem ist ihr das Wichtigste, dass ihr glücklich seid. Das ist eine schöne Einsicht! Ist diese aus eurer Mutter selbst erwachsen oder ist sie das Resultat eines Prozesses, den ihr angestoßen habt?
Elisabeth: Das hat sie selbst erkannt. Sie sieht, dass mein Leben auch ohne Kinder erfüllt ist. Außerdem gibt es viele späte Mütter! Und Eva und unser Bruder sind ja noch recht jung. Da kann sich noch einiges tun. Ich verbringe ganz gern Zeit mit den Kindern von Freundinnen, koche für sie, wir machen was gemeinsam. Das passt für den Moment gut. Ich jedenfalls fühle mich von Mamas Wunsch, Oma werden zu wollen, nicht unter Druck gesetzt.
Eva: Ich höre den Satz „Ein Enkerl wäre schon schön“ öfter, weil ich die Einzige bin, die zurzeit eine Partnerschaft hat. Solche Äußerungen sind berechtigt. Auch ich kann mir vorstellen, ein Kind zu bekommen. Vielleicht adoptiere ich sogar eines. Aber momentan ist das absolut kein Thema. Zurzeit schätze ich es sehr, dass da kein Kind ist, wenn ich von der Schule nachhause komme.

Eure Mutter sagt: „Die Nähe meiner Kinder hält mich körperlich und geistig jung”. Das sieht man ihr an. Sie könnte glatt als eure ältere Schwester durchgehen! Wie profitiert ihr von eurer Mutter?
Eva: Ich profitiere vor allem von ihrem Erfahrungsschatz.
Elisabeth: Ja, das tue ich auch. Über sie habe ich einen besseren Draht zu einer Frauengeneration, von der man viel lernen kann. Wenn ich mit Mama und ihren Freundinnen zum Essen oder ins Theater fahre, dann ist das immer wie eine Zeitreise in die Zukunft. Die Frauen sind zwar um 20 Jahre älter als ich, aber ich finde sehr interessant, was sie besprechen, welche Sorgen sie haben und welche Vorlieben. Der Übergang vom Arbeitsleben in die Pension und die damit verbundenen Umstellungen in der Partnerschaft und Tagesgestaltung sind immer wieder Thema. Frauen in diesem Alter müssen sich neu orientieren und neu definieren. Dass unsere Mama so jung und gesund aussieht, liegt aber sicher auch daran, dass sie im Garten Gemüse zieht und sich viel bewegt.

Im ersten Teil der wunderbaren Töchter Eva und Elisabeth Hofer geht es um den gemeinsamen Beruf der Frauen in der Familie Hofer: Alle sind Lehrerinnen.

Petra KlikovitsPetra Klikovits

In ihrer monatlichen Online-Kolumne „Meine wunderbare Tochter“ führt Petra Klikovits bewegende Gespräche mit Töchtern, Schwiegertöchtern, Enkeltöchtern, Stieftöchtern, Adoptivtöchtern, Pflegetöchtern, Patchwork-Töchtern und anderen Bonustöchtern von Leserinnen, die auf diese via meinewunderbaretochter@welt-der-frauen.at aufmerksam machen. Mehr von Petra Klikovits lesen Sie jeden Monat in  Welt der Frauen.

Fotos: privat

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