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Magie, Romantik und manch hässliche Ecke

Cornwall weckt sofort die Phantasie und die Reiselust. Cornwall ist die ärmste Provinz des Königreichs: Bergbau und Fischerei sind nicht mehr Gewinn bringend. Joakim Eskildsen hat Cornwall für den vorliegenden Bildband fünfmal bereist: Er, der im Vorwort doch als Romantiker – erklärter- wie bewiesenerweise – bezeichnet wird, setzt Alltag in Szene. Wortlos. Prägnant.

Da ist das eine Fenster auf Seite vier mit seinen reduzierten Deko-Gläsern, dazwischen Kühe, viel Landschaft, junge Leute, die zusammen abhängen. Es ist die Belichtung, die Klarheit, die Reduktion, die diese Fotografien zu Gemälden machen. Man blättert nicht schnell durch. Da bleibt man hängen und studiert die Geschichte, die eine Tür, ein Fenster und zwei Uhren erzählen, dort ein älterer Mann mit seinem Hund am Meer: Selbst ein Bücherregal, der Blick durch ein lange nicht mehr geputztes Fenster wird zum Kurzfilm, alles da, nichts ist zu viel, nicht überdreht, auf Effekte aus. Da ist viel Ruhe in den einzelnen Aufnahmen, stiller Humor, auf Seite 58 blicken einen drei Kinder an, nicht ängstlich, ruhig schauen sie einem in die Augen.

Er fotografiert das Land so, wie er es erlebt und fühlt – die Einsamkeit des sich im Ewigen verlierenden Weges ebenso wie der verlassen wirkende Hafen, an dessen Mole Männer einen elektrischen Christbaum aufrichten.

Es gibt sie, die klare Romantik, die ohne wesentliche Dekorationen auskommt. Eine Halbinsel in ihrer Verschlossenheit mit kleinen Fenstern, die sich den BetrachterInnen öffnen. Man will hin, ganz einfach. Man will mehr über diese Halbinsel lesen und studiert sofort die in diesem Bildband beinhalteten Karten der südlichsten Ecke Englands.

 

Was Sie versäumen, wenn Sie den Bildband nicht kaufen: Sie bleiben auf einem falschen Romantikpegel in Bezug auf Cornwall, Sie schauen drei Kindern nicht in die Augen, Sie frösteln nicht beim Durchblättern, Sie sehen sehr viel Meer, noch mehr Landschaft und Sie kämen um den Genuss, vielen Typen zu begegnen, einzeln, in klar abgegrenzter Gesellschaft, ernst mit Verrichtungen und Alltag beschäftigt. Selbst die Hunde erzählen hier – Seite 53 – mögliche Geschichten.

Alltag im Innen und im Außen, bar jeden Luxus’, gerade genug für ein gutes Leben und ja, die zwei jungen Frau mit den Budweiser-Kartons kämen in keines der Rosamunde-Pilcher-Romane, -Filme und -Szenen rein.

Joakim Eskildsen:
Cornwall.
Herausgegeben von Nikolaus Gelpke.
Mit einem Essay von Martina Wimmer.
Mareverlag 2018.
78 Seiten.

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.“