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Laufen für die Brustgesundheit

Laufen für die Brustgesundheit
Foto: Wakolbinger

Am 13. Mai 2023 findet der Pink Ribbon Charitylauf in Bad Hall statt. Gesammelt werden dabei Spendengelder für die Krebshilfe und die einhergehende Betreuung von Betroffenen und Angehörigen. Ein Interview mit der Geschäftsführerin der Österreichischen Krebshilfe Oberösterreich Maria Sauer.

Der Pink Ribbon Lauf ist eine Charityveranstaltung, die Sie im Zeichen der Solidarität mit BrustkrebspatientInnen ausrichten. Wie kam es zu diesem Event?

Der Lauf wurde von Bettina Schneider ins Leben gerufen, die selbst an Brustkrebs erkrankt und verstorben ist. Ihre Familie und Freunde veranstalten diesen Lauf nach wie vor in Erinnerung an sie. Leider habe ich Bettina nicht kennengelernt, aber sie muss eine sehr außergewöhnliche Frau gewesen sein. Diese Veranstaltung ist großartig, wird an einer tollen Strecke ausgerichtet und von der Stadt unterstützt. Es hängen sogar pinkfarbene Schleifen in den Bäumen.

Wie funktioniert das Spenden und wie wird dieses Geld eingesetzt?

Die Spenden, die wir als Krebshilfe einnehmen, werden für die Beratung von PatientInnen und deren Angehörigen verwendet. Wir bieten kostenlose Beratung an, die weit über das Psychologische hinausgeht – wir sind AnsprechpartnerInnen für soziale, sexuelle, medizinische und diätologische Themen sowie für die Nachsorge. Dieses breite Angebot wird rein über Spenden finanziert, ganz ohne Gelder von öffentlicher Hand. Deshalb sind wir auf dieses Geld angewiesen und freuen uns über alle, die beim Pink Ribbon Lauf mitjoggen, -walken oder -gehen.

„Niemand soll mit der Diagnose Brustkrebs alleine durch das Leben gehen müssen.“

Was möchten Sie Betroffenen durch dieses Event ermöglichen und mitgeben?

Was uns wichtig ist: Niemand soll mit der Diagnose Brustkrebs alleine durch das Leben gehen müssen. Die Krebshilfe ist für Betroffene da und jede Person kann sich bei Bedarf bei uns melden. Bei der Veranstaltung setzen wir auch auf Informationen zu Früherkennungsmaßnahmen und Vorsorge, die man in Anspruch nehmen kann und sollte. Früherkennung rettet Leben – wir haben ein sehr gutes Gesundheitssystem, das man definitiv nutzen sollte.

Laut dem Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz erkranken jährlich rund 5.600 Frauen an Brustkrebs, 1.600 sterben jährlich in Österreich daran.

Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen. Die gute Nachricht, falls man von so etwas sprechen kann, ist: Wenn ich den Krebs früh erkenne, habe ich eine sehr hohe Überlebenschance. Die liegt ungefähr bei 90 Prozent. Auch wenn die Diagnose früh gestellt wird, ist es ein harter Weg, aber die Heilungschancen sind aufgrund der medizinischen Versorgung sehr gut.

„Wir sind immer da, wenn man uns braucht – das ist unsere große Botschaft.“

Was soll sich in der Krebsforschung Ihrer Meinung nach noch ändern?

Es braucht weitere Behandlungs- und Diagnosemethoden – Stichwort: Vorsorge, Früherkennung, Genetik, Therapieansätze. Forschung ist wichtig! Ebenso wichtig ist aber die Aufklärung über Vorsorgemaßnahmen, wie die HPV-Impfung: Es gibt hier eine Impfung gegen Krebs, die Gebärmutterhalskrebs oder auch Rachenkarzinome verhindern kann, und trotzdem ist die Durchimpfungsrate bei jungen Menschen bei uns sehr gering.

Australien ist unser Vorbild in diesen Bereichen. Dort ist man viel aufgeklärter über Viren oder gefährliche Sonnenbelastung, die Hautkrebs auslösen können. Man rechnet dort, per 2035 keine Gebärmutterhalskrebsfälle mehr zu haben. Bei uns in Österreich sind es einige hundert Fälle pro Jahr, weil ungefähr 80 Prozent aller Erwachsenen sich im Laufe des Lebens mit dem Virus anstecken. Mit der richtigen Vorsorge wären auch viele Darmkrebsdiagnosen vermeidbar. Wenn man etwas tun kann, um eine Krebserkrankung zu vermeiden, sollte man das auch machen.

Wo kann man sich über Brustkrebs informieren?

Prinzipiell ist die erste Anlaufstelle der Arzt oder die Ärztin, gerade in Oberösterreich haben wir ein sehr gutes onkologisches und gynäkologisches Netz. Darüber hinaus kann sich jeder bei der Österreichischen Krebshilfe Oberösterreich melden. Wir sind immer da, wenn man uns braucht – das ist unsere große Botschaft. Auch bei den Angehörigen gibt es oft viele Fragen, deshalb versuchen wir, mit Rat und Tat unterstützend zur Seite zu stehen und durch diese Krankheit durchzuhelfen.

„Es braucht seine Zeit, bis man wieder in der Normalität ankommt.“

Wie gehen Frauen und Männer mit dem Thema Brustkrebs um, gibt es dabei Unterschiede?

Was viele nicht wissen: Auch Männer können an Brustkrebs erkranken. Rund fünf Prozent aller Betroffenen sind männlich. Frauen pflegen einen offeneren Umgang und suchen eher nach Hilfestellungen, Männer manchen das häufig lieber mit sich selbst aus. Aber das ändert sich aktuell auch, es kommt immer mehr zu einem Erfahrungsaustausch. Jährlich führen wir in unseren 14 Beratungsstellen ungefähr 4.500 Beratungen durch. Zwei Drittel der zu Beratenden sind Frauen.

Wie erleben PartnerInnen und Angehörige die Krankheit?

Auch für die Angehörigen ist es immer ein Schock, es zieht allen den Boden unter den Füßen weg. Nicht selten ist da auch Hilflosigkeit: Wie geht man mit der Erkrankung um? Will ich darüber sprechen oder fühle ich mich damit nicht wohl? Damit geht jede Person anders um, dieser Zugang ist so individuell wie die Menschen selbst.

Gerade bei Frauen mit kleineren Kindern appellieren wir für einen behutsamen und offenen Umgang mit dem Thema. Kinder merken ja, dass etwas nicht in Ordnung ist. Damit keine Fantasien und keine Schuldgefühle aufkommen, haben wir ein Programm, das Unterstützung für die Familie und Anleitung zu einer klaren Kommunikation liefert.

Dasselbe gilt für die Partnerschaft: Wir erleben sehr häufig, dass nach ausgestandener Krankheit noch immer die Angst da ist, dass sie wiederkommt. Die Betroffenen sind müde. Es braucht seine Zeit, bis man wieder in der Normalität ankommt.

Wie kann man sich als Frau vor dieser Krankheit schützen?

„Schützen“ ist relativ, man kann aber sehr wohl viel tun: gesunde Ernährung, Sport – mit 150 Minuten Bewegung pro Woche kann man das Risiko, an Krebs zu erkranken, um 25 Prozent senken. Rauchen sollte vermieden werden, regelmäßiges Abtasten der Brust ist wichtig. Mit dem Abtasten sollte man ab der Pubertät anfangen und es jeden Monat ein Mal zur selben Zeit, ungefähr zwei bis drei Tage nach der Regelblutung, wiederholen, da das Gewebe sich ja während des Zyklus verändert.

Wir machen auch Brusttastseminare, um aufzuklären, wie man diese Selbstuntersuchung richtig durchführt. Auf unserer Homepage gibt es zusätzliche Informationen darüber, wie sich die Krankheit ankündigen kann – es muss nicht immer ein Knoten sein, auch die Brustwarze oder die Haut können sich beispielsweise verändern.

Ab einem Alter von 45 Jahren empfehlen wir, eine Mammografie alle zwei Jahre durchführen zu lassen. Wenn es bei jemandem eine familiäre Häufung dieser Krankheit gibt, sollte man schon früher damit beginnen. Das bekommt man von den GynäkologInnen gesagt, aber zu denen muss man halt auch gehen. Bei den Vorsorgeuntersuchungen ist noch immer Luft nach oben. Durch die Coronapandemie wurden diese stark vernachlässigt. Deshalb starten wir ab der zweiten Maiwoche mit einer neuen Kampagne zur Krebsvorsorge.

Stichwort Brustgesundheit: Wie sorgen Sie selbst vor?

So, wie es sein soll: Ich untersuche mich selbst und bin auch regelmäßig bei meiner Gynäkologin zur Untersuchung. Natürlich gehe ich auch zur Mammografie und lasse Ultraschalls machen. Es gibt viele Menschen, die eine Mammografie schmerzhaft und unangenehm finden. Aber sie ist auch schnell vorbei und man bekommt Sicherheit, dass man gesund ist. Und falls etwas bei der Untersuchung entdeckt wird, hat man die Möglichkeit, rasch und früh zu reagieren.

Laufen Sie selbst beim Pink Ribbon Lauf mit?

Ich werde mitwalken. Das Krebshilfeteam ist auch dabei, wir klären außerdem an einem Stand und mit Informationsbroschüren auf. Wir hoffen auf viele TeilnehmerInnen, die für eine gute Stimmung sorgen – als Rahmenprogramm gibt es lateinamerikanische Musik von der großartigen Jessie Ann de Angelo und Stärkung für die Mitmachenden. Wir freuen uns auf eine Energie, die einfach Spaß macht.

Was treibt Sie persönlich an, sich für mehr Bewusstsein zum Thema Brustkrebs und -gesundheit einzusetzen?

Ganz einfach: Die Schicksale, die wir bei uns in der Beratung sehen. Deshalb beschäftigen wir uns auch so intensiv mit dem Thema Vorsorge. Wenn wir jemandem dieses Schicksal ersparen können oder uns jemand früh in der Jugend kennenlernt, ist das ein Gewinn für uns. Jeder, der uns nicht braucht, ist uns lieber. Aber wenn jemand unsere Hilfe benötigt, sind wir immer da und erreichbar.

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  • Veröffentlicht: 09.05.2023
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