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03/24

„Ich war Denkleistungssportlerin“

„Ich war Denkleistungssportlerin“
Foto: Stadtsaal Gmunden

Zum Auftakt der diesjährigen „Orange the World"-Kampagne lädt der Soroptimist Club Traunsee am 24. November zu einem Resilienz-Vortrag mit der Neurowissenschaftlerin und Motivationstrainerin Monika Herbstrith-Lappe ins Stadttheater Gmunden ein.

Neurowissenschaften, Psychologie und Humorberatung: In „Aufblühen statt Ausglühen. Raus aus dem Stress & rein in den Flow“ teilt Monika Herbstrith-Lappe ihr Wissen und verrät, wie Selbstwirksamkeit und Resilienz gestärkt und krankmachender Stress vermieden können werden. Andrea Rockenbauer, Präsidentin des Soroptimist Club Traunsee, betont: „Gerade in unseren derzeit so unruhigen und herausfordernden Zeiten sind Resilienzsteigerung und Erhöhung der Selbstwirksamkeit gut brauchbare Eigenschaften. Unsere Veranstaltung zielt genau darauf ab und ist für jede/n von uns eine Möglichkeit, auf humorvolle Weise von Monika Herbstrith-Lappe Tipps und Tools angeboten zu bekommen. Mit scharfem Verstand auf die wesentlichen Erfolgsfaktoren konzentriert, in verständlicher Sprache hirngerecht dargebracht und merk-würdig präsentiert, setzt sie hochwirksame Impulse mit nachhaltig-gesunder Wirkung für Erfüllung und Erfolg in allen Lebensbereichen.“

Frau Herbstrith-Lappe, in Ihrem Vortrag widmen Sie sich der Frage, wie man mit Leichtigkeit und Resilienz ein stressfreies Leben führen kann. Gab es für Sie einen bestimmten Auslöser, sich damit auseinanderzusetzen?

Ich selbst war in jungen Jahren ein Workaholic. Rund um mich gab es viele heftige Schicksalsschläge. Reinhold Messner floh vor seinem gewalttätigen Vater in die 8000er, ich von den Familiendramen in die philosophischen Tiefen der Mathematik und Physik. Ich war Denkleistungssportlerin und wollte meine persönlichen Grenzen ausloten. Gesund war das natürlich nicht. Damals gab es den Begriff „Burn-out“ noch nicht, damals hieß es Erschöpfungsdepression. Gesunde Leistungsstärke versus krankmachendem „Workaholismus“ ist daher ein Lebensthema von mir. Zur Leichtigkeit habe ich als begeisterte Extremtaucherin eine besondere Beziehung. Schließlich kann ich unter Wasser schwerelos schweben. Im „trockenen“ Alltag bringen einerseits Zuversicht und Selbstvertrauen und andererseits Humor und Heiterkeit mehr Leichtigkeit ins Leben.

In Gmunden markiert Ihr Vortrag den Auftakt der „Orange the World“-Kampagne, die Soroptimistinnen legen heuer den Schwerpunkt auf Prävention. Inwieweit kann ein besserer Umgang mit Stress und Belastungen langfristig als Gewaltprävention dienen?

Unter Stress funktionieren die Emotionssteuerung und Impulskontrolle nur eingeschränkt, der Serotoninspiegel im Gehirn sinkt. Serotonin ist für die Selbstberuhigung zuständig, es dämpft die Emotionen. Für unsere Vorvorvorfahren war es nützlich, dass sie sich auch über Kleinigkeiten ärgern konnten, dann haben sie entschlossener gekämpft. Das war nützlich für das Überleben der Sippe in der Steppe. In unserer Kultur ist Gewalt keine Lösung. Daher sind diese archaischen Programme unseres Gehirns, die auch Kleinigkeiten als Dramen erscheinen lassen, heute kontraproduktiv. Methoden, mit denen man aus dem Stress aussteigen kann, sind der entscheidende Schritt in der Gewaltprävention. Dann ist man wieder denkfähig und kann in kreativer Weise gute Lösungen finden.

Haben Sie drei kurze Tipps, die jede/r sofort anwenden kann, wenn Stress und Druck überhandnehmen?

  1. Der Volksmund weiß es auch: Zuerst einmal tief durchatmen. Meist ist es leichter, zunächst tief auszuatmen. Das löst einen Reflex aus, wieder tief einzuatmen, und fördert die Durchblutung in unserem Gehirn. Das ist nützlich für kreative Lösungen. Tiefes Ausatmen aktiviert das parasympathische Nervensystem, das für Regeneration und Entspannung zuständig ist. Daher: „Immer, wenn du glaubst, es geht nicht mehr, kommt aus dir heraus ein tiefer Atemzug her.“
  2. Stress aktiviert uns zum Kämpfen und Fliehen. Das heißt, es fördert unsere körperliche Leistungsstärke. Wenn wir gegen Stress einmal um den Häuserblock oder das Stiegenhaus rauf und runter laufen, Wutbälle knautschen oder einen Boxsack zum Ausagieren nutzen, dann erleichtert das unserem Körper, aus dem Stress auszusteigen. Wir können ihn in die Illusion versetzen, dass er bereits geflohen ist oder gekämpft hat und sich nun zu Recht entspannen kann.
  3. Humor ist das wirkungsvollste Stressventil. Wenn es uns gelingt, das Groteske in Situationen zu erkennen, dann ist gemeinsames Lachen höchst befreiend. In meiner Familie gilt der Grundsatz: „Irgendwann finde ich es lustig. Dann kann ich auch gleich darüber lachen.“ Ist Ihnen schon aufgefallen, dass wir uns gerade Pannen im Nachhinein als lustige Anekdoten erzählen? Warum dann nicht gleich? „Wie werde ich in einiger Zeit auf diese Episode blicken?“, ist ein nützlicher Gedanke, um Probleme zu relativieren. Dieser vorausschauende Rückblick hilft auch, zukünftiges Bereuen mittels Impulskontrolle zu vermeiden.
Foto: Kurt Gruhlke

Die Soroptimistinnen, eine Organisation für berufstätige Frauen, sind weltweit in 132 Ländern vertreten und haben sowohl bei UN Women als auch bei der OECD Beraterstatus. Insgesamt zählt der Club mehr als 80.000 Mitglieder. Allein in Österreich gibt es 61 Gruppen mit 1.800 Mitgliedern, darunter auch der Soroptimist Club Traunsee mit 34 Soroptimistinnen. Sie setzen sich intensiv mit Frauenthemen auseinander und unterstützen lokale und internationale Projekte, um die Lebenssituation von Frauen zu verbessern. Dazu gehört auch die österreichweite Kampagne „Orange the World“, in deren Rahmen sie sich für ein gewaltfreies und selbstbestimmtes Leben von Frauen einsetzen.

Der Vortrag „Aufblühen statt Ausglühen. Raus aus dem Stress & rein in den Flow“ findet am 24. November um 19 Uhr im Stadttheater Gmunden statt. 

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  • Veröffentlicht: 15.11.2023
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