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01-02/23

Frauen und Geld – Rückblick und Vorschau

Frauen und Geld – Rückblick und Vorschau

Wie konnte es eigentlich dazu kommen, dass Geld zur „Männersache“ wurde? Was das Haushaltgeld damit zu tun haben könnte, warum Frauen deshalb eher sparen als investieren und welche Sätze zum Thema Geld wir noch heute streichen sollten.

Wenn es ums Geld und die finanzielle Unabhängigkeit geht, gibt es unzählige Studien, die Frauen einen eklatanten Nachteil attestieren: etwa, dass Frauen häufiger von Altersarmut betroffen sind als Männer – laut der Initiative „alt.arm.weiblich“ in absoluten Zahlen doppelt so oft. Das hängt damit zusammen, dass Frauen weniger Geld verdienen – der Gender-Pay-Gap (siehe Interview in Etappe 6) drückt dieses geschlechtsspezifische Gefälle in unbarmherzigen Zahlen aus (Wir wissen: In Österreich sind die Bruttogehälter von Frauen rund 19 Prozent niedriger als jene der Männer). Und das wiederum hängt damit zusammen, dass die wenigsten Frauen einen ununterbrochenen, geradlinigen Karriereweg vorzuweisen haben.

Nachdem Frauen nach wie vor den Hauptanteil der Pflege- und Familienarbeit leisten, fügen Geburten von Kindern den Karriereleitern schwere Knicke zu. Mütter arbeiten dann häufig in Teilzeit oder in geringfügiger Beschäftigung, weshalb sie weniger in die Pensionskassa einzahlen und der Gender-Pension-Gap erschreckend hoch ist (nachzulesen in Etappe 7 im Interview mit Expertin Ingrid Mairhuber). Es ist ein Teufelskreis, der dazu führt, dass Frauen – trotz Erwerbstätigkeit – häufiger finanziell abhängig sind und damit auch seltener und weniger daran arbeiten, ihre finanzielle Unabhängigkeit voranzutreiben: Wie Silvia Richter, Leiterin des Private Banking der Zürcher Kantonalbank Österreich, in einem Interview mit dem „Standard“ berichtete, seien in Österreich 90 Prozent der AktienbesitzerInnen männlich. Auch sie verortet dahinter die auseinanderklaffende Gehaltsschere zwischen Frauen und Männern.

„Erst seit 1957 dürfen Frauen (theoretisch) ein eigenes Bankkonto besitzen. Bis in die 1970er-Jahre hatten Frauen kein Recht auf eine eigene Erwerbstätigkeit ohne die Zustimmung ihres Ehemannes.“

Haushaltsgeld

Als nach Ende des zweiten Weltkrieges langsam Geräte wie Waschmaschine und Staubsauger ihren Einzug in die heimischen Haushalte hielten, wurde Hausarbeit einfacher und sie ersetzten das Dienstbotenpersonal. Kurioserweise ist dies der Zeitpunkt, an dem sich die Trennung in eine Männerwelt – Beruf – und eine Frauenwelt – Heim und Familie – festmachen lässt. Damals war es üblich, dass der Mann alleine über die Höhe des Geldes entschied, das der Frau zur Verfügung stand. Reichte es nicht aus (was oft genug vorkam, da Männer sich schlicht nicht mit den marktüblichen Preisen von Lebensmitteln auskannten), mussten Frauen kreativ werden.

Die Gesetzgebung dieser Zeit festigte die Trennung noch zusätzlich. Erst seit 1957 dürfen Frauen (theoretisch) ein eigenes Bankkonto besitzen. Bis in die 1970er-Jahre hatten Frauen kein Recht auf eine eigene Erwerbstätigkeit ohne die Zustimmung ihres Ehemannes. Zur Folge war ihre ökonomische (und eigentlich auch soziale) Existenz gänzlich an den Ehemann gebunden. Genauso war das Sozialversicherungssystem auf den Mann als Arbeitenden ausgerichtet, Frau und Kinder waren mit ihm mitversichert – und von ihm abhängig.

Eigenes Konto

1975 trat das Eherechtswirkungsgesetz in Kraft. Es ersetzte das patriarchalische durch das partnerschaftliche Prinzip und definierte erstmals die Unterhaltspflicht als eine wechselseitige. Auch die Führung eines gemeinsamen Haushaltes wurde darin deklariert – im Unterschied zu dem bis dahin geltenden ABGB 1811, das diese Rolle klar der Frau zugewiesen hatte.

Weil es Frauen in Österreich erst seit 1975 gestattet ist, ohne Zustimmung des Ehemannes zu arbeiten und damit ihre finanzielle Situation selbst in Händen zu halten, ist es wohl erklärbar, dass sich Frauen heute zwar mehr mit ihren Finanzen beschäftigen, aber nach wie vor seltener investieren als Männer. Dabei sind sie, wenn sie sich für Investments entscheiden, erfolgreicher als Männer. Immer wieder belegen Studien die Überlegenheit von Frauen beim Thema Geldeinlagen – sie schätzen das Risiko einer Investition besser ein, informieren sich umfassender und erzielen eine bessere Rendite.

Sparen als Frauensache

Der eine Hebel, der Frauen in der Vergangenheit beim Thema Geld zur Verfügung stand, war das Sparen. Auf der Einkommensseite abhängig vom Ehemann war die Verringerung der Ausgaben, das „Abzweigen“ kleiner und kleinster Beträge, um sie auf die Seite zu legen, das, was Frauen zur eigenen Vorsorge leisten konnten. Möglicherweise eine Erklärung dafür, dass Frauen bis heute gerne auf das „gute alte Sparen“ setzen. Sie legen ihr Geld tendenziell auf ein Sparbuch – und vergessen dabei die Tatsache, dass sich das Geld aufgrund der niedrigen Zinsen nicht vermehrt und über die Zeit an Kaufkraft verliert. Doch, und das ist die gute Nachricht: Der Trend ist dabei, sich zu wenden. Spezielle Finanzratgeber für Frauen, Blogs und Beraterinnen (wie etwa Marietta Babos mit ihrer Plattform „Damensache“, siehe Interview in Etappe 2) bringen Frauen dazu, sich um ihre finanzielle Situation zu kümmern und Frauen verkünden laut, dass ihre eigenen Finanzen und die Liebe zum Partner nicht zusammenhängen.

„Ein eigenes Bankkonto ist das mindeste, was es braucht, um finanziell unabhängig zu sein.“

4 Sätze, die wir dringend streichen sollten!

1. „Über Geld spricht man nicht!“
Ein uralter und längst überholter Glaubenssatz. Wieso nicht darüber sprechen, wie man sich die eigene Finanzplanung vorgestellt hat, welche Ziele man verfolgt und – wieso auch nicht? – wieviel man verdient?

2. „Ich vertraue meinem Partner blind – bei Geld kenne ich mich nicht aus.“
Schon beim ersten gemeinsamen Mietvertrag ist es wichtig, sich auf Augenhöhe zu stellen. Sich blind auf den Partner zu verlassen und das unangenehme und unromantische Thema nicht ansprechen zu wollen, ist keine gute Idee. Sondern: Achtsam und aktiv alle finanziellen Entscheidungen gemeinsam treffen. Das gilt auch und besonders beim Thema Care-Arbeit und Kinderbetreuung und zieht sich weiter bis zum Pensionssplitting. Und: Ein eigenes Bankkonto ist das mindeste, was es braucht, um finanziell unabhängig zu sein.

3. „Mein Nachbar hat mir geraten in Bitcoins zu investieren, also mache ich das jetzt auch.“
Nicht zu wissen, worin genau man das Geld investiert, ist eine echte Gefahr. Auch in etwas zu investieren, nur weil es andere oder vermeintlich alle tun, ist nicht ratsam. Sich genau zu informieren und beraten zu lassen, ist der mühsamere, aber lohnendere Weg.

4. „Es wird sich schon irgendwie ausgehen.“
Das Fundament für jede Finanzplanung ist, zu wissen, wo man überhaupt steht. Dazu gehört ein genauer Überblick über Konto, Kredite, Sparbücher, et cetera. Und: Es gibt niemals ein Zuviel an Finanzwissen, um gut informierte und fundierte Entscheidungen für die eigene finanzielle Zukunft treffen zu können.