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12/22

Jede Frau hat das Recht, finanziell unabhängig zu sein

Jede Frau hat das Recht, finanziell unabhängig zu sein

Teil zwei der Veranstaltungsreihe „Reden wir über Geld“: Am 9. Juni wurde in Perchtoldsdorf geredet, gelacht, gestaunt, genossen. Ein Abend mit vielen Impulsen.

Frauen, die kein eigenes Konto haben, die sich auf ihren Partner verlassen müssen, jahrelang unbezahlt Sorgearbeit leisten, nicht abgesichert sind, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert: All das ist Realität. Und all das sind gute Gründe, warum wir – Frauen und Männer – offen und ehrlich über Geld reden sollten. Gesagt, getan: im festlichen Rahmen der Burg Perchtoldsdorf fanden sich, trotz strömenden Regens, fast 200 Interessierte ein, um an diesem Abend rund ums Thema Geld dabei zu sein.

Moderiert von Welt der Frauen-Chefredakteurin Sabine Kronberger berichtete Elisabeth Cinatl vom Verein „Wendepunkt“, dass in der Beratung das Thema Geld fast immer eine Rolle spiele. Sie forderte dazu auf, „aus der Scham herauszukommen und verinnerlichte Glaubenssätze aufzugeben. Jede Frau hat das Recht, finanziell unabhängig zu sein.“

Lena Gugenberger, Gründerin des Sozialunternehmens „ThreeCoins“ setzt sich deshalb schon seit langem für Finanzbildung ein – ab dem Schulalter und gerade für junge Mädchen und Frauen. „Frauen vertrauen weniger den eigenen Kompetenzen“, sagte sie, „auch, wenn sie gleich viel oder sogar mehr Wissen haben als Männer.“

Aus ihrem finanziellen Nähkästchen plauderte die großartige Elfie Semotan, die als Fotografin den Blick auf die Weiblichkeit verändert hat auch mit 80 nicht daran denkt, damit aufzuhören für Gleichberechtigung einzustehen. Sie selbst berichtete von ihrem lebenslangen Bestreben nach finanzieller Unabhängigkeit und appellierte daran, nicht die Kontrolle über das eigene Leben abzugeben. „Wer ist eigentlich verantwortlich dafür, dass Frauen weniger Geld für den gleichen Job bekommen als Männer?“, fragte sie und prangerte an, dass es wieder einmal an den Frauen liege, diesen Missstand aufzuzeigen und auszuräumen.

„Frauen übernehmen die Verantwortung schon seit Jahrtausenden“, sagte Frauenlandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister. „Aber wir sind viele.“ Und auch für das Gefühl, nicht allein zu sein, seien Veranstaltungen wie diese so wichtig. Eine Veranstaltung, die vom swingenden Damenensemble „Barber´s Sisters“ umrahmt wurde und in vielen angeregten Gesprächen bei einem Glas Perchtoldsdorfer Wein einen stimmungsvollen Ausklang fand.

„Mir ist es wichtig, dass man Frauen für alles schätzt, was sie machen – und sie machen wirklich viel.“
Elfie Semotan, Fotografin

„Mir ist diese Veranstaltung ein Anliegen, weil das Thema Geld gerade in aller Munde ist und Frauen sich damit auskennen sollten. Ich will auch, dass meine Tochter unabhängige finanzielle Entscheidungen treffen kann.“
Christiane Teschl-Hofmeister, Landesrätin Niederösterreich

„Die Veranstaltung war für mich ein Impuls, meine Tochter zu bestärken, sich um das Pensionssplitting zu kümmern.“
Martha Hameseder, Besucherin

„Frauen empfinden es als persönliches Scheitern, wenn es mit dem Finanziellen nicht funktioniert. Hier sind viele versammelt, die auch daran interessiert sind und Bedarf haben, etwas zu erfahren. Damit wird dem Thema der Schrecken genommen. Und: wir wollen das Thema multiplizieren. Jede Frau, die hier sitzt, kann zwei, drei Frauen weitererzählen, worum es geht.“
Christiane Feigl, Verlagsleitung Welt der Frau

„Ich finde es großartig, dass die Veranstaltung bei uns in Perchtoldsdorf ist. Das Thema Geld betrifft alle Frauen, es beginnt mit der unterschiedlichen Bezahlung zwischen Frauen und Männern und endet mit der Pension, wo viele, viele Frauen viel weniger bekommen als die Männer.“
Andrea Kö, Bürgermeisterin von Perchtoldsdorf

„Ich denk mir, es ist ganz wichtig, dass jeder seine Talente leben kann. Ob es beruflicher Erfolg ist, die Pflege von Angehörigen oder, wie meine Nachbarin, dass man acht Kinder großgezogen hat. Das Wesentliche ist, dass die Talente, die in einem schlummern, und das, was man leistet, wertgeschätzt werden – auch finanziell.“
Marianne Eder, Besucherin