Ein echter Balanceakt: Zwei Feministinnen und Mütter im Gespräch über Fallstricke, die Schule als „Karrierekiller“ und eine wirklich gerechte Verteilung der Care-Arbeit.
Zwischen feministischen Ansprüchen und gesellschaftlichen Erwartungen wird Mutterschaft für viele Frauen zur Gratwanderung. Wie sich Selbstbestimmung und Care-Arbeit im Alltag verschränken und warum es noch immer Mut braucht, beides zusammenzudenken. Ein Gespräch über Ambivalenzen, Widersprüche und neue Perspektiven auf ein altbekanntes Spannungsfeld.
Frau Kleen, Sie bezeichnen sich als „Teilzeit-Feministin“. Was verstehen Sie darunter?
Heike Kleen: Im Herzen bin ich Vollzeit-Feministin. Ich habe diesen Begriff gewählt, um klarzumachen wie schwer es ist, Feministin zu sein, vor allem wenn man Mutter wird. Ich dachte immer: Ich bekomme Kinder und nach einer gewissen Zeit arbeite ich wieder – wo ist das Problem? Dann sind die Kinder da und man stellt fest, wie schwer es ist, alles zu vereinbaren.
Frau Klüver, wie wurden Sie zur Feministin?
Nathalie Klüver: Mich hat das Muttersein zur Feministin gemacht. Bevor ich Mutter wurde, dachte ich: Das braucht man alles nicht mehr, wir haben doch alles erreicht. Und dann kamen die Kinder und ich stieß an Grenzen.
Kleen: Ich glaube auch, dass bei vielen Frauen erst mit den Kindern oder in der Lebensmitte das Bewusstsein kommt: Ganz so gleichberechtigt ist es nicht. Völlig unterschätzt habe ich auch die Emotionen und die Verletzlichkeit, wenn man so einen kleinen Wurm auf dem Bauch liegen hat. Am Anfang drehte sich alles um mein Kind.
