Die Autorin Shila Behjat hat zwei Söhne und erklärt in ihrem Buch „Söhne großziehen als Feministin“, wie man Buben Gleichberechtigung vermitteln kann. Ein Gespräch über Erziehung und Männlichkeitsbilder.
Wie kommt es, dass es sich für Sie anfangs wie ein Widerspruch angefühlt hat, Feministin und zugleich Mutter zweier Söhne zu sein?
Wer, wenn nicht Männer sind für Feministinnen das Problem? Mein Leben als Frau ist allein deshalb unsicherer und unfreier, weil es Männer gibt. Und nun lebe ich tagtäglich mit zwei künftigen Männern zusammen. Als Mutter wiederum sehe ich in meinen Kindern ja nicht per se „den Mann“, sondern nehme sie als Individuen wahr. Da empfinde ich reflexartige Unterstellungen allein deshalb, weil sie Jungs sind, als sehr ungerecht. Zum Beispiel, dass Jungs alles kaputt machen, gewalttätig sind, laut sind und so weiter. Das sind Vorbehalte, die ich allerdings zu Beginn selbst gegen sie hegte. So dachte ich erst einmal, dass meine Aufgabe als feministische Mutter vor allem darin bestehe, zu verhindern, dass sie solche Männer, sprich: Arschlöcher werden. Dabei sind es ja genau solche pauschalen Vorverurteilungen gegenüber Frauen, die ich als Feministin bekämpfe. Es ist nicht gerecht und alles andere als glaubwürdig, wenn wir sie anderen entgegenbringen.
„Wenn wir davon ausgehen, dass Jungs halt ,so sind‘, dann ist das zunächst einfach ungerecht. Aber es bedeutet auch, dass wir keinerlei Erwartungen an sie haben.“
