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06/24

Es wird scho glei dumpa …

Es wird scho glei dumpa ...
Foto: AdobeStock

Der Autor und Arrangeur des Liedes, Anton Reiniger, starb – den schriftlichen Überlieferungen nach – zwei Minuten nach Beginn der Christmette im Jahr 1912.

… es wird scho glei Nacht, drum kimm i zu dir her, mei Heiland, auf d’Wacht.“ Mit diesen Zeilen beginnt das wohl berühmteste österreichische Advent- und Weihnachtslied, das im Dialekt getextet wurde. Über Generationen wurde es fälschlicherweise dem Tiroler Brixental als Herkunftsort zugeschrieben. Einem glücklichen Zufall und der Hartnäckigkeit eines Oberösterreichers ist es zu verdanken, dass seit 2012 Gewissheit über den Ursprung besteht: Der Volkskundler Alfred Hermüller aus Krenglbach hält nach jahrelanger Nachforschung und Recherche in pfarrlichen Archiven den Beweis in Händen, dass nicht nur der Text, sondern auch das Lied aus der Feder des Krenglbacher Pfarrers Anton Reidinger stammt. Der 1839 als Sohn eines Lehrerehepaares geborene und später zum Priester geweihte Mann war musikalisch hochbegabt, spielte als vierjähriger Bub bereits Geige und schulte seine Stimme bei den St. Florianer Sängerknaben. „Kein Geringerer als Anton Bruckner war der Lehrer des damals noch als Knabentrio geführten Chores“, weiß Alfred Hermüller aus seinen Recherchen.

Hinweise initiierten Forschung

Wie der Heimatforscher der Geschichte trotz scheinbar anderer Faktenlage auf die Schliche kam? „Erste Anregung war 1972 ein Artikel eines Musikwissenschaftlers, der Hinweise darauf lieferte, dass Anton Reidinger aus Krenglbach und der Text aus seiner Feder stammen könnte“, sagt Hermüller. Zum 1.000-Jahr-Jubiläum der Gemeinde Krenglbach wurde folgend eine Lesung organisiert, im Millenniumsjahr eine Lichtsäule als Denkmal geschaffen. „Doch ich wollte Beweise und blieb dran, weil es mich nicht losließ. Im Jahr 2012, kurz vor Weihnachten und dem 100. Todestag von Anton Reidinger, fuhr ich wie so oft nach Obernberg am Inn, um eine allerletzte Nachforschung anzustellen“, erinnert sich Hermüller. „‚Dann schauen Sie eben, wenn Sie meinen, etwas zu finden‘, sagte mir der dortige Pfarrer.“ Und ganz am Ende eines langen Tages der Suche, sprichwörtlich im allerletzten Winkel des Archivs, tat sich für den leidenschaftlichen Heimatkundler eine Schachtel auf, in der alle Zeugnisse, persönliche Briefe, Studiennachweise und ein Testament Anton Reidingers zu finden waren.

Späte Ehre für den Priester

„Ich konnte mein Glück kaum fassen, mir war klar, dass ich einen Schatz gefunden hatte,“ sagt Alfred Hermüller heute. Mittlerweile hat er auch Nachkommen, also Kinder der Schwester Reidingers, aufspüren können, ein Buch zum Lied sowie einen Band mit Gedichten des Priesters zusammengestellt und herausgegeben. „Mein Antrieb war in all den Jahren, diesem besonderen, äußerst begabten Menschen eine späte Ehre zuteilwerden zu lassen, sein Vermächtnis zuzuordnen und zu bewahren“, sagt Hermüller. Damit verbunden, ist er auch der Hüter eines ganz besonderen Schatzes: „Ich habe damals die Originalhandschrift vom Lied gefunden.“ Auf Briefpapier hatte der Autor die Notenlinien gezogen und in Kurrentschrift den Text zur Drucklegung beigefügt. Die getragene, eingängige Melodie wird auch heuer vielerorts für echtes Weihnachtsgefühl sorgen.

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  • Veröffentlicht: 24.12.2023
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