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11/22

„Es darf Spaß machen!“

„Es darf Spaß machen!“
©Finanzlöwinnen
Carmen, Bernadette und Anna (v.l.) sind die „Finanzlöwinnen“. Sie verzichten ganz bewusst auf ihre Nachnamen, verstehen sie sich doch als Motivatorinnen auf Augenhöhe und finden: Geld sollte ruhig auch unter FreundInnen ein Thema sein!

Anna, Bernadette und Carmen sind die „Finanzlöwinnen“. Ihre Spezialität: in Immobilien zu investieren. Worauf es dabei ankommt? Warum es nicht nur etwas für Menschen mit sehr viel Geld ist? Das erzählen Anna und Carmen im Interview.

Ihr nennt euch die „Finanzlöwinnen“. Was verbirgt sich dahinter?
Anna: Wir sind drei Frauen, die gerne unternehmerisch tätig sind. Wir beschäftigen uns schon seit Jahren mit dem Thema Investieren. In unserem Fall bedeutet das: Wir kaufen Wohnungen mittels Kreditfinanzierung und mit einem Anteil an Eigenkapital und vermieten diese dann langfristig. Im Fachjargon nennt sich das „Buy and hold“. Kennengelernt haben wir uns über dieses gemeinsame Interesse und uns dann entschlossen, die „Finanzlöwinnen“ zu gründen, um vor allem über unseren Instagram-Account eine Community aufzubauen, andere Menschen an unseren finanziellen Abenteuern teilhaben zu lassen, zu motivieren und Informationen zum Thema Finanzen und Investieren aufzubereiten.

Fokussiert ihr euch dabei stark auf Frauen?
Anna: Das war unser ursprünglicher Plan. Es folgen uns aber überraschenderweise genauso viele Männer wie Frauen.

Seid ihr eigentlich vom Fach? Wie kamt ihr zu diesem Thema?
Carmen: Wir sind nicht vom Fach. Deshalb können wir auch voller Überzeugung sagen: Investieren ist für alle möglich. Wir drei kommen aus der Pharma-, Film- und Marketingbranche, sind also bunt gemischt. Wir sind keine ausgebildeten Finanzexpertinnen und kannten uns anfangs überhaupt nicht aus. Das Wissen über Finanzen haben wir uns selbst angeeignet, über Podcasts, Bücher, Gruppen, jede Menge Recherche. Es ist also möglich! Das Wichtigste ist für uns auch, dass uns das Thema fesselt. Wir beschäftigen uns wirklich gerne damit. Ich betone das immer wieder: Das Thema Finanzen oder Investieren darf Spaß machen!

Ihr habt schon erwähnt, dass es dazu ein gewisses Eigenkapital braucht. Ab wieviel Eigenkapital kann ich mit dem Gedanken spielen, in Immobilien zu investieren?
Anna: Seit August 2022 gibt es von der Finanzmarktaufsicht eine neue Verordnung bezüglich der Kreditvergabe. Die Eigenmittelquote der KreditnehmerInnen muss mindestens 20 Prozent betragen und setzt sich aus zehn Prozent des Kaufpreises zuzüglich der Kaufnebengebühren (das sind Kosten für Makler, Notar, Gebühren für Grunderwerbssteuer und Eintragung ins Grundbuch) von bis zu zehn Prozent zusammen. Außerdem ist es jetzt verpflichtend, dass die Kreditzahlungen nicht mehr als 40 Prozent des gesamten Haushaltseinkommens ausmachen dürfen.

Alles Maßnahmen, die eine „Immobilienblase“ verhindern sollen. Findet ihr das gut?

Carmen: Die Idee dahinter ist im Grunde gut. Ich denke aber, dass es Leute trifft, die nicht so viel Geld haben, die eben die 20 Prozent Eigenkapital nicht auftreiben können. Große Immobilieninvestment-Unternehmen wird es nicht daran hindern, Kredite zu bekommen.

„Wichtig ist, dass Frauen untereinander beginnen, Geld zu thematisieren. Das ist so wichtig und bereichernd. Es wäre schön, wenn das viel mehr gemacht werden würde.“

Lohnt sich Immobilieninvestment also nur für die, die schon viel Geld haben?

Anna: Jein. Man braucht ein Startkapital, das ist ganz klar, vor allem seit die neuen Bestimmungen eingeführt wurden. Dazu kommt derzeit ein Mix aus Teuerung, hohen Zinsen, hohen Energiekosten. Um sich eine Immobilie kaufen zu können, sollte man also so viel Geld wie möglich auf der Seite haben. Aber ein Investment ist immer möglich, wenn man es will. Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Man muss nur vielleicht etwas kreativ werden.

Inwiefern kreativ?

Anna: Indem man nicht nach der klassischen Zweizimmerwohnung sucht, sondern vielleicht nach einer sehr kleinen Einzimmerwohnung, einer Garage oder einem Keller als Lagerraum, den man vermietet. Man kann auch als Tippgeber für einen Makler arbeiten und sich so etwas Provision verdienen. Das mag seltsam klingen, aber es ist ein Einstieg in die Materie! Und das braucht es, dieses Sichreingraben.

Carmen: Es gibt auch verschiedene Möglichkeiten, was die Lage betrifft. Wohnungen in schlechterer Lage sind natürlich günstiger. Dann gilt es aber zu bedenken, dass dann auch das Risiko höher ist, Mieterinnen oder Mieter zu finden. Auch auf dem Land sind Wohnungen oft günstiger. Wer sich dafür interessiert, sollte zuerst schauen, was in der Region gesucht wird, mit Nachbarn reden, fragen, wie hoch die Mieten sind – den Hausverstand einsetzen, eben.

Ich habe auf eurer Seite auch gelesen, dass ihr motivieren möchtet. Wozu möchtet ihr uns gerne motivieren?

Carmen: Dazu, dass man sich die Zeit nimmt, sich regelmäßig mit seinen Finanzen auseinanderzusetzen und, wie gesagt, Spaß daran zu haben. Es mag ein trockenes Thema sein, aber es kann Freude machen, die Pensionslücke zu schließen, sich etwas leisten zu können. Ich möchte außerdem dazu motivieren, über Geld zu reden und sich gegenseitig zu motivieren, dranzubleiben. Die „Finanzlöwinnen“ sind unter anderem auch entstanden, um uns gegenseitig Mut zu machen, uns auszutauschen. Es gibt ja auch immer wieder Probleme und es ist nicht immer alles einfach. Wichtig ist, dass Frauen untereinander beginnen, Geld zu thematisieren. Das ist so wichtig und bereichernd. Es wäre schön, wenn das viel mehr gemacht werden würde.

„Liegt die Mieteinnahme über den Kreditraten, finanziert sich die Immobilie quasi von alleine. Immobilien sind also ein langfristiges Investment für einen langfristigen Vermögensaufbau.“

Haben eurer Meinung nach Frauen ein anderes Investitionsverhalten als Männer?

Carmen: Wir finden, Frauen investieren etwas achtsamer und auch mit etwas weniger Risiko, dafür aber auch nachhaltiger. Wir sehen das auch in der aktuellen Krise: Wer hat konservativ und nachhaltig investiert? Wer war schlau genug, fixe Kreditzinsen auszuverhandeln? Das waren oft Frauen. Wir Frauen sind beim Thema Investment auch etwas ehrlicher. Wir reden uns die Dinge nicht schöner als sie sind. Frauen sind auch eher an nachhaltigen Investments interessiert.

Anna: Dazu gehören ja auch die Immobilieninvestments. Sie haben einen großen Vorteil gegenüber Investments an der Börse, in Aktien oder Fonds, nämlich die Hebelwirkung. Liegt die Mieteinnahme über den Kreditraten, finanziert sich die Immobilie quasi von alleine. Immobilien sind also ein langfristiges Investment für einen langfristigen Vermögensaufbau.

Gibt es wichtige Erkenntnisse, die ihr weitergeben wollt?

Anna: Ich finde es wichtig, zu netzwerken: sich Menschen zu suchen, die vielleicht schon da sind, wo man selbst hinmöchte, die vielleicht schon eine Wohnung gekauft oder geerbt haben und sie vermieten. Der Austausch ist besonders wichtig. Zum Immobilienkauf selbst rate ich, dass die Immobilie im eigenen Umkreis liegen sollte, sodass man schnell vorbeischauen kann, wenn etwas ist. Dazu am besten auf Immobilienseiten schauen, welche Wohnungen es im Umkreis gibt – und einfach mal besichtigen, was einem gut vorkommt.

Carmen: Wir sind gerade, das ist leider wahr, in einer Krise. Das bedeutet aber auch eine Chance, nämlich dass man vielleicht günstiger an eine Immobilie kommen kann, weil die Nachfrage nicht so hoch ist. Mein Tipp ist, dass gerade jetzt die Zeit ist, auch nachzuverhandeln, weniger zu bieten und im besten Fall ein „Schnäppchen“ machen zu können. Außerdem rate ich, wie gesagt, auch im Freundes- und Bekanntenkreis darüber zu sprechen. Es erstaunt immer wieder, wie viele sich auch für das Thema Geld, Investment und Immobilien interessieren. Man darf ruhig darüber reden, nicht nur auf Internetplattformen oder Immobilienstammtischen, sondern beim nächsten Kaffeekränzchen.