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Von erschienenen und nicht erschienenen ersten Büchern

Einer meiner LieblingsautorInnen ist Peter Henisch, daher beginne ich mit seinem Beitrag.

Bei aller Ironie, die ich liebe, ganz im Ernst: Wenn ich heute mein erstes Buch wieder lese, erkenne ich mich darin durchaus wieder.
Seite 54

Dieses erste Buch war übrigens nicht „Die kleine Figur meines Vaters“ (1975), auf diesen möglichen Irrtum weist uns Henisch gleich im ersten Satz hin.

Weiter blättere ich zu Anna Kim „Director’s Cut“.

Entscheidungen sind beim ersten Buch eine Hürde, mit der man zu Beginn des Schreibens nicht gerechnet hat. Ich verallgemeinere, spreche von ‚man’, weil ich glaube, dass es vielen Schreibenden so geht, macht das Entscheiden doch einen Großteil des Erzählens aus – ohne Entscheidungen geraten Geschichten ins Stocken.
S. 69

Diese Erinnerungen führen in Häuser, zugige Wohnungen, in den Park der Villa Borghese in Rom (Angelika Reitzer); sie führen zu den AutorInnen, anders als es der Besuch von Lesungen und Werkstatt-Gesprächen vermag. Man sitzt ein bisschen mit dabei, man späht über Schultern: „Nein, danke, Tee müssen Sie mir nicht anbieten, ich schau ein wenig zu. O.k.?“

Nach dem Beitrag von Daniel Wisser verändert sich der Blick auf Keramik- bzw. Glasfrösche. Bei Monika Helfer sah man den Mond reinscheinen und der 21-Jährige, der seinen ersten Roman schreibt und nicht weiß, dass er seinen ersten Roman schreibt, heißt Daniel Kehlmann. Wer mehr von den AutorInnen lesen will, findet im Werkverzeichnis die Bücher/Texte/Romane, die nach dem ersten Mal gekommen sind. Und lesen Sie unbedingt Robert Schneiders Beitrag, ja, der Robert Schneider.

Was mit der Veröffentlichung des Buches folgte, war nur noch Verstörung, und es hatte nichts mehr mit dem Wunder jener drei Monate der Niederschrift zu tun.
Robert Schneider (S. 138)

Junge LeserInnen hätten viel von diesen Texten, fänden Anknüpfungen, verstünden so manches jetzt schon besser, was später auf ihren Leselisten auf sie wartet.

Was Sie versäumen, wenn Sie dieses Buch nicht lesen: Zugänge zu diesen AutorInnen: Kenne ich alle, habe ich von allen schon etwas gelesen? Ein Spaziergang von Federmair bis Wisser, Daniel Wisser. Humor, Ironie, Selbstkritik und –reflexion. Ach was: Das sind einfach schöne Texte, die liest man gern und dann noch einmal. Und das alles versäumen Sie, wenn Sie das Buch übersehen, das mit der Schlichtheit des Covers eine Wohltat für das Auge nach all den schrillen Wahlplakaten ist.

Der Herausgeber Wolfgang Paterno: vermutlich vor der Lektüre des ersten Buches in Dornbirn geboren, der Verlag gibt noch an, dass Dornbirn in Vorarlberg liegt. Hernach Studium der deutschen Philologie, Philosophie und Publizistik, seit 2005 Redakteur bei profil, veröffentlicht auch in folgenden Zeitungen: Falter, Die Zeit, taz.

Das erste Mal.
Autorinnen und Autoren über ihr erstes Buch.
Herausgegeben von Wolfgang Paterno.
Czernin Verlag 2019.
176 Seiten.

Christina Repolust

wurde 1958 in Lienz/Osttirol geboren. Sie schloss das Studium der Germanistik und Publizistik in Salzburg ab. Seit 1992 ist sie Leiterin des Referats für Bibliotheken und Leseförderung der Erzdiözese Salzburg und unterrichtet nebenbei Deutsch als Fremdsprache. Zudem leitet sie Literaturkreise und Schreibwerkstätten für Groß und Klein. Ihre Leidenschaft zu Büchern drückt die promovierte Germanistin so aus: „Ich habe mir lesend die Welt erobert, ich habe dabei verstanden, dass nicht immer alles so bleiben muss wie es ist. So habe ich in Romanen vom großen Scheitern gelesen, von großen, mittleren und kleinen Lieben und so meine Liebe zu Außenseitern und Schelmen entwickelt.”

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