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Ein leichter Hauch von Nostalgie

Die Straßen beleben sich, der Augarten ist bummvoll bunt wie eh und je im Frühling. War da was? Oh ja.

Sobald etwas überstanden ist, beginnt die Nostalgie. Bei mir jedenfalls scheint das so zu sein. Jetzt, wo das ganze Land langsam wieder „hochgefahren“ wird, wie es so schön heißt, ertappe ich mich bei dem Gedanken: „Wärst du mal ein bisschen öfter durch den menschenleeren ersten Wiener Bezirk spaziert oder in den verwaisten Zügen der ÖBB unerlaubter Weise noch weiter durchs Land gegondelt – auch die Postbusse fuhren ja wie leere Büchsen hin und her, ganz im Takt – das war schon sehr speziell. Und als man diese vielen E-Mails schrieb, weil es immer etwas mitzuteilen gab, damals, und die Yogalehrerin in der letzten Trainingsstunde fand, spannend sei die Situation immerhin auch: „Ihr müsst zugeben, wir leben in geilen Zeiten.“

Nicht, dass ich den Zustand des Lockdowns zurückersehnte. Nur zimmert sich die Erinnerung halt gern ihre Abenteuer. Nun kehrt also ein Stück weit alte Normalität zurück, ab dem 15. Mai gibt‘s auch wieder Mittagstisch in der „Schönen Perle“, wo sich hoffentlich das Virus an den verordneten Abstand von einem Meter hält. – „Haben die Leute nichts Besseres zu tun als gleich wieder Shoppen zu gehen?“, höre ich manche sagen. Covid-19 macht uns zu eigenartigen Moraltieren. Ich muss zugeben: zwei, drei Tage habe ich abgewartet und bin dann mit meiner Stoffmaske, deren Effizienz in keiner Weise überzeugt, durch einige Läden gestreift. Fein war das. Auch der Künstlerfachhandel Gerstaecker darf wieder öffnen. Habe eine Feder und eine Bister-Tusche erstanden, mit der auch Rembrandt zeichnete. Manches „Damals“ währt ewig. Und weil es eh nichts gibt, das zu Corona nicht schon geschrieben wäre, übe ich mich darin, ohne Ziel zu zeichnen. Löwen in Rembrandt-Manier (aussichtslos) oder einfach nur belaubte Bäumchen.

Andrea Roedig

liebt das Hinausgehen ins Freie – zu Fuß und im Kopf. Wohnstatus: immer noch ohne Garten und Terrasse, aber immerhin: Der Augarten liegt vor der Tür und ist wieder offen.

Foto: Alexandra Grill

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